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Modellprojekte ausgeweitet

In diesen Regionen bieten Apotheken Grippeimpfungen an

Vergangenen Herbst starteten die ersten Modellprojekte zur Grippeimpfung in der Apotheke. Kommende Saison werden die Modellregionen deutlich ausgeweitet – eine Übersicht.
Daniela Hüttemann
Charlotte Kurz
27.08.2021  18:00 Uhr

Das Modellprojekt zur Grippeimpfung in der Apotheke vor Ort durch eine entsprechend geschulte Apothekerin oder Apotheker startete vergangenen Oktober zunächst in vier Bundesländern: In Nordrhein in vier Regionen, in Bayern in der Oberpfalz sowie in ganz Niedersachsen und dem ganzen Saarland; allerdings nur für gesetzlich Versicherter bestimmter Krankenkassen, vorrangig der regionalen AOKen. Nach Zahlen, die der Pharmazeutischen Zeitung vorliegen, wurden insgesamt in 213 Apotheken etwa 1275 Grippeimpfungen durchgeführt. Vermutlich wären es noch mehr gewesen, hätte die Corona-Pandemie nicht die praktischen Schulungen erschwert und wäre der Grippeimpfstoff zu Beginn nicht so knapp gewesen.

Der Apothekerverband Nordrhein hatte im Mai 2021 die ersten Ergebnisse der Evaluation präsentiert. Demnach waren sowohl die Geimpften als auch die Apotheken zufrieden mit dem ersten Durchlauf. Sie konnten dazu beitragen, die Impfquote zu erhöhen, denn es waren viele »Erstimpflinge« in Bezug auf die Grippe dabei (rund ein Drittel) sowie viele, die sich laut Befragung ohne dieses niederschwellige Angebot nicht oder wahrscheinlich nicht hätten impfen lassen. Die Zufriedenheit der Geimpften war große: 90 Prozent würden sich wieder in der Apotheke gegen Influenza impfen lassen, 78 Prozent auch gegen andere Infektionskrankheiten. Relevante Zwischenfälle gab es keine.

Diese ersten Ergebnisse haben die Landesapothekerverbände und zum Teil auch Krankenkassen sowie einen Pharmagroßhändler angespornt, die Modellregionen für die kommende Grippesaison auszuweiten. Zehn der 17 Kammerbezirke in Deutschland werden voraussichtlich ab nächstem Oktober dabei sein. Ein weiterer Bezirk kündigte zudem Verhandlungen nach der Sommerpause an. Das Angebot richtet sich an alle Versicherten ab 18 Jahren der teilnehmenden Krankenkassen, unabhängig davon, ob sie zu einer Risikogruppe gehören, für die die Ständige Impfkommission (STIKO) die Influenza-Impfung empfiehlt.

  1. Baden-Württemberg: In dieser Saison können Apotheken zunächst in den Modellregionen Mannheim, Ostwürttemberg und Esslingen/Göppingen Grippeimpfungen ab September 2021 anbieten. In diesen Regionen gibt es 360 Apotheken, informiert der LAV. Wie viele davon mitmachen werden, ist aber noch offen. Der erste Schulungsdurchgang ist Anfang August abgeschlossen worden. Der Vertrag, der mit der AOK Baden-Württemberg abgeschlossen wurde, kann auch auf weitere Regionen ausgeweitet werden. Alle Versicherten der AOK Baden-Württemberg, die über 18 Jahre alt sind, können in einer Apotheke in den Modellregionen gegen Grippe geimpft werden. Derzeit verzeichnet die AOK im Südwesten mehr als 4,5 Millionen Versicherte, heißt es von einem AOK-Sprecher.
  2. Bayern: In der Modellregion Oberpfalz waren letzte Saison 56 Apotheken dem Vertrag zwischen dem Bayerischen Apothekerverband und der AOK Bayern beigetreten. Das Modellprojekt wird dieses Jahr fortgeführt. Bislang gibt es jedoch keine Pläne, das Modellvorhaben im Freistaat auf andere Regierungsbezirke auszuweiten.
  3. Berlin: Laut dem Berliner Apothekerverein steht der Verband derzeit in Verhandlungen. Demnach soll es auch in Berlin in dieser Saison ein Modellprojekt  in Apotheken geben. 
  4. Brandenburg: Der Apothekerverband Brandenburg führt derzeit keine Verhandlungen mit Krankenkassen zu Modellprojekten Grippeimpfung in Apotheken. Es sind keine Projekte geplant und auch in der Vergangenheit keine Kooperationen geschlossen worden, erklärte ein Verbandssprecher. Zur Erinnerung: Die Landesapothekerkammer Brandenburg hatte schon vor einiger Zeit eine Resolution beschlossen, nach der sich die Apotheker in dem Bundesland nicht an solchen Modellvorhaben beteiligen werden.
  5. Bremen: Laut Apothekerverein ist derzeit kein Modellprojekt im Stadtstaat geplant.
  6. Hamburg: Laut Apothekerverein ist derzeit kein Modellprojekt im Stadtstaat geplant.
  7. Hessen: Hier ist der Landesapothekerverband noch in Verhandlungen. Ziel sei es, mit allen Primärkassen Verträge zu schließen, damit die hessischen Apotheken ab Herbst teilnehmen können. *** Update vom 15. September: Die Verhandlungen sind vorerst gescheitert und das Projekt in Hessen kann zu diesem Herbst noch nicht starten. 
  8. Mecklenburg-Vorpommern: Laut Apothekerverband ist derzeit kein Modellprojekt in Mecklenburg-Vorpommern geplant.
  9. Niedersachsen: Weiterhin gibt es das Modellvorhaben im gesamten Bundesland. In der vergangenen Saison nahmen nach Verbandsangaben  etwa 60 der 1839 niedersächsischen Apotheken  teil. Vertragspartner ist die AOK Niedersachsen. Mittlerweile hätten sich 90 Apotheken eingeschrieben und es gingen fortlaufend weitere Beitrittserklärungen ein, teilte der Landesapothekerverband der PZ auf Nachfrage mit. Man habe das Projekt auch anderen Krankenkassen vorgestellt, die bislang noch kein Interesse geäußert hätten. Die Landesregierung begrüßt die Teilnahme der Apotheken, da sie diesen Herbst Mehrbelastungen der Hausarztpraxen durch die Covid-19-Impfungen sieht, da alle 50 Impfzentren zum 30. September schließen sollen.
  10. Nordrhein: In diesem Jahr können nun alle Apotheken des Kammerbezirks teilnehmen, nicht nur die bisherigen vier Modellregionen (Bonn-Rhein-Sieg, Duisburg/rechter Niederrhein, Düsseldorf und Umgebung sowie Essen/Mülheim/Oberhausen). Es fehlten bislang die Regionen Aachen, Bergisch-Land, Köln und linker Niederrhein. In der vergangenen Saison waren etwa 125 der 2125 Apotheken dabei. Vertragspartner ist die AOK Rheinland/Hamburg.
  11. Rheinland-Pfalz: Auch in Rheinland-Pfalz ist im gesamten Bundesland ein Modellprojekt geplant. Der Apothekerverband hat mit der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen. Wie viele Apotheken hier mitmachen werden, ist noch nicht klar. Die ersten zwei Schulungstermine der Kammer à jeweils 25 Personen sind für September angesetzt. Das Interesse der rheinland-pfälzischen Apotheker ist groß, beide Termine waren schnell ausgebucht. Die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland versichert rund 1,2 Millionen Personen. Alle über 18 Jahren können unabhängig vom Wohnort in dieser Saison sowohl in Rheinland-Pfalz als auch im Saarland gegen die Grippe kostenfrei geimpft werden, so ein Sprecher der AOK. Anfang Oktober soll es auch hier losgehen.
  12. Saarland: Vergangene Saison waren bereits 40 der 285 saarländischen Apotheken dabei. Hier konnten von Anfang an alle Offizinen mitmachen. Dabei bleibt es auch. Neben der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland ist nun auch die IKK Südwest dabei.
  13. Sachsen: Bezüglich einer Modellregion Sachsen gibt es erste Überlegungen, erklärte eine Sprecherin des Sächsischen Apothekerverbands (SAV). Der Verband wird nach der Sommerpause dazu zunächst Gespräche aufnehmen.
  14. Sachsen-Anhalt: In Sachsen-Anhalt wird es in dieser Saison kein Modellprojekt Grippe Impfen in der Apotheke geben, informierte der Apothekerverband Sachsen-Anhalt
  15. Schleswig-Holstein: Hier hat der Pharmagroßhändler Gehe eine Modellprojekt mit der AOK Nordwest initiiert. Daran können alle Apotheken in Lübeck, Kiel, Flensburg, Schleswig, Rendsburg, Eckernförde und in den Kreisen Dithmarschen, Nordfriesland, Plön und Ostholstein teilnehmen, egal, ob sie Gehe-Kunde sind oder nicht. Gehe teilte der PZ auf Nachfrage mit, man verhandle bereits mit einer großen Krankenkasse in einem anderen Gebiet, machte dazu aber keine genaueren Angaben.  Vom Apothekerverband ist bislang kein eigenes Projekt geplant. 
  16. Thüringen: Im Bundesland Thüringen ist für diese Saison kein Modellprojekt Grippe Impfen in der Apotheke geplant. Derzeit laufen auch keine Verhandlungen mit Krankenkassen, informierte der Apothekerverband Thüringen.
  17. Westfalen-Lippe: Nachdem es in der letzten Saison im Nachbar-Gebiet Nordrhein so gut lief, macht nun auch Westfalen-Lippe mit. Der AVWL spricht  von mehr als 700 Apotheken  in den Modellregionen Stadt Dortmund, Regierungsbezirk Detmold, Kreis Olpe, Märkischer Kreis sowie der Hochsauerlandkreis, die ab diesem Herbst theoretisch teilnehmen können. Dort leben laut Verband mehr als 40 Prozent der Einwohner aus Westfalen-Lippe. Vertragspartner ist die AOK Nordwest. Westfalen-Lippe zählte zuletzt 1827 Apotheken.

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