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Vitiligo

Harmlos, aber sehr belastend

Vitiligo ist eine Autoimmunerkrankung, deren Ursache noch nicht vollständig verstanden ist. Es sind zwar verschiedene, an der Entstehung beteiligte Mechanismen bekannt; jedoch ist bislang nicht entschlüsselt, wie diese ineinandergreifen und welche wirklich relevant sind (1).

Zu den pathophysiologischen Schlüsselfaktoren zählt die genetische Disposition. Rund 20 Prozent der Betroffenen haben Erkrankte in der Verwandtschaft; die übrigen Fälle entstehen sporadisch. Eineiige Zwillinge zeigen eine nur 23-prozentige genetische Übereinstimmung in Bezug auf Vitiligo (Konkordanz), was für die Beteiligung weiterer Einflüsse spricht (2).

Im Rahmen des Human Genome Projects wurden zahlreiche Gene gefunden, die für Vitiligo empfänglicher machen. Diese Suszeptibilitätsgene sind unter anderem an der Differenzierung der Melanozyten beteiligt und haben Funktionen im adaptiven und angeborenen Immunsystem (1).

Bei der Zerstörung der Melanozyten spielen bestimmte T-Zellen (CD8+-T-Zellen: zytotoxische T-Zellen und Memory-Zellen) eine zentrale Rolle (2). An der Rekrutierung dieser Zellen in die Haut sind vermutlich mehrere Signalwege beteiligt. Insbesondere Interferon-γ (IFN-γ), das über die Aktivierung des JAK-STAT-Signalwegs zahlreiche Gene steuert, gilt heute als ein essenzieller Treiber der Erkrankung. Wie Genexpressionsanalysen zeigten, sind IFN-γ und von IFN-γ-abhängige Gene in von Vitiligo betroffenen Hautarealen deutlich hochreguliert (3).

Von IFN-γ ausgesandte Signale veranlassen die Produktion bestimmter Chemokine (kleine Signalproteine, die eine Wanderungsbewegung von Zellen auslösen), die über weitere Zwischenschritte die Rekrutierung der Melanozyten-zerstörenden T-Zellen veranlassen. Dieser Mechanismus ist hochspannend, da mit den Januskinase-(JAK-)Hemmern Therapeutika zur Verfügung stehen, die diesen Signalweg unterbrechen können.

Warum werden gerade Melanozyten von den T-Zellen angegriffen? Hier gibt es Hinweise, dass intrinsische und/oder extrinsische Faktoren eine zelluläre Stressantwort der Melanozyten auslösen, die das angeborene Immunsystem zu einer initialen Entzündungsreaktion anregt und die letztlich zur Autoimmunität führt (4). Zu den stressauslösenden intrinsischen Faktoren zählen aggressive Sauerstoffradikale, die bei Vitiligo-Patienten sowohl in der betroffenen als auch der nicht betroffenen Haut vermehrt vorkommen (2).

Weitere Faktoren, die Vitiligo auslösen oder verschlechtern können, sind beispielsweise Verletzungen, UV-Licht, psychischer Stress, Nikotin oder Entzündungen. Zudem kann eine Therapie mit Hemmstoffen des Tumornekrose-Faktors (TNF), zum Beispiel Etanercept, Infliximab und Adalimumab, oder Alemtuzumab die Entwicklung einer Vitiligo induzieren (5, 6).

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