| Daniela Hüttemann |
| 21.09.2026 15:00 Uhr |
Nicht auf den weißen Kittel kommt es an, sondern auf eine wertschätzende Zusammenarbeit. / © Imago/Westend61
Drei Dinge fielen auf beim »Perspektiv-Dialog – gemeinsame Versorgung sichert Gesundheit«: Ärztevertreter waren eingeladen, beteiligten sich jedoch nicht. Die nicht ärztlichen Berufsgruppen (die diesen Namen überhaupt nicht mögen) wünschten sich, dass ihre Kompetenzen in der Patientenversorgung viel stärker wahr- und in Anspruch genommen werden. Drittens mangelt es bei der interprofessionellen Zusammenarbeit vor allem noch an der Kommunikation untereinander.
»Was mich am meisten nervt? Die professionelle Pflege ist die am meisten unterschätzte Berufsgruppe. Es wird von uns so wenig Kompetenz abgefragt – das muss sich dringend ändern, politisch und gesellschaftlich«, sagte beispielsweise Stefanie Schlieben von der Vereinigung der Pflegenden in Bayern.
Dr. Maike Fedders, Krankenhausapothekerin und im Vorstand der Bundesapothekerkammer, wünschte sich, dass die Kompetenzen der Pflege und der Apotheker stärker im Krankenhaus genutzt werden. »Es sollte mehr um den Patienten und weniger um Zuständigkeiten gehen. Viele glauben immer noch, wir sind die Pillendreher, die im Keller sitzen. Wir geben aber nicht nur ab, sondern sind direkt am Patienten dran.« Gleiches gelte für die öffentlichen Apotheken, die durch neue Dienstleistungen nicht mehr unbedingt den HV-Tisch zwischen sich und den Patienten haben.
»Wie, Sie haben studiert?« – diese Frage begegnet auch Apothekerin und BAK-Vizepräsidentin Franziska Scharpf immer wieder. »Es nervt, wenn unsere Kompetenz immer noch infrage gestellt wird.« Weniger Bürokratie und mehr Einbindung in Prävention und Primärversorgung wünschte sich Alexander von Waldenfels, Apothekeninhaber aus Schliersee. »Wir sind Rundumversorger und können viel mehr.«
Eingerahmt vom Moderationsduo: Stefanie Schlieben, Dr. Maike Fedders, Franziska Scharpf, Evi Reichart, Alexander von Waldenfels und Dr. Christiane Eickhoff (von links). / © PZ/Alois Müller
In der Physiotherapie gibt es immerhin seit einiger Zeit Fortschritte. Dort ordnen Ärzte zwar die manuelle Behandlung an, jedoch »blanko«, sodass der Physiotherapeut über die geeignete Therapie entscheiden kann. »Dagegen macht die Bürokratie uns wahnsinnig«, so Evi Reichert, Physio Deutschland, Regionalverband Bayern. »Wir müssen acht von zehn Rezepte ändern, bevor wir behandeln können. Oft stimmt die Diagnose nicht oder ist nicht konkret genug.« Sie wünscht sich, dass die Physiotherapie auch stärker in der Prävention mitgedacht wird – zum Beispiel, wenn jemand in ein Pflegeheim kommt oder bei Krankenhausaufnahme und -entlassung.
Gerade bei diesen Schnittstellen läuft es noch nicht rund – auch öffentliche und Krankenhausapotheken könnten hier mehr kommunizieren, gaben Scharpf und Fedders zu. Man könne zum Beispiel mehr für die Patienten tun, wenn Informationen von der Kollegin im Krankenhaus kommen, dass zum Beispiel Schluckbeschwerden vorliegen, der Patient die Medikamente am besten verblistert braucht oder die Anwendung noch einmal geübt werden soll. Umgekehrt könne die betreuende Vor-Ort-Apotheke den Krankenhausapothekern bei der Aufnahme am ehesten bei Fragen zur aktuellen Medikation helfen.
Scharpf hofft, dass moderne Kommunikationstools wie KIM und die elektronische Patientenakte hier den Durchbruch bringen werden. Aber auch damit bleibe die Frage zu klären: Wer kümmert sich wann um was?, warf Dr. Christiane Eickhoff ein, die als Apothekerin im Bereich Versorgungskonzepte der ABDA tätig ist. Es brauche zudem jemanden, der die Gesamtheit der Betreuung im Blick habe.
Das kann aus Schliebens Sicht am besten die Pflege. »Wir denken in Zusammenhängen, ob zum Beispiel ein zusätzliches Medikament die Sturzgefahr erhöht oder für einen Demenzkranken geeignet ist.« Gerade in der Betreuung von häuslichen Patienten sei es die Pflege, die sieht, wenn ein Patient trotz optimiertem Medikationsplan mit den Arzneimitteln überfordert ist. »Die Menschen kommen auf Ideen – das glauben Sie nicht«, so Schlieben. Als Pflege schaue man auch mal, was im Kühlschrank und im Mülleimer lande. »Mit diesem Wissen müssen wir auch zu Ihnen in die Apotheke kommen, vor allem, wenn der Patient gerade eine Krise erlebt.«
»Hand in Hand statt Hierarchie« – das wünschten sich alle Gesundheitsberufe auf dem Podium. Kompetenzkonflikte habe man nur mit den Ärzten. Schlieben bestätigte: Zwischen Apothekern und Pflegekräften laufe es unkompliziert. Man schätzt sich gegenseitig.
Ob Apotheker, Physiotherapeuten, Pflegekräfte oder auch Hebammen, Ergotherapeuten und PTA – »das sind alles wichtige Berufsgruppen, die sich einmal gemeinsam an einen Tisch setzen sollten, um zu besprechen, welche Möglichkeiten der Zusammenarbeit es gibt und wie sich die Probleme des Patienten lösen lassen«, bekräftigte Apothekerin Eickhoff.