| Laura Rudolph |
| 18.09.2026 16:00 Uhr |
Wie bei fast allem im Leben gilt auch bei der interprofessionellen Zusammenarbeit: Miteinander reden hilft, Missverständnisse zu klären und Vertrauen zu schaffen. / © Getty Images/Jacob Wackerhausen
Patientin Franziska Bleis, die seit viereinhalb Jahren mit einem Spenderherz lebt, schätzt die Expertise in Apotheken sehr. »Wer chronisch krank ist, braucht ganz viel Kompetenz«, betonte sie bei der Gesprächsrund am Mittwoch im Inspiration-Lab. Dass es pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) gibt, habe sie allerdings erst in Vorbereitug auf diese Gesprächsrunde erfahren. Dies legt nahe, dass es bei der Bewerbung der pDL noch Luft nach oben gibt. Für Bleis kämen mit der erweiterten Medikationsberatung bei Polymedikation und der pharmazeutischen Betreuung bei Organtransplantierten gleich zwei Dienstleistungen infrage. »Das ist ein Angebot, dass Organtransplantierte brauchen« – vor allem, wenn mit der Zeit die Betreuung im Transplantationszentrum weniger werde.
Für Franziska Utzinger, Apothekeninhaberin der Büttel Apotheke in Nersingen, sind pDL eine Erweiterung der Beratung, die Apotheker »zum großen Teil sowieso schon leisten« – mit dem Unterschied, dass sie vergütet werden. Oft seien es banale Dinge, die bei einer Brown-Bag-Analyse ans Licht kämen, deren Enthüllung aber einen großen Mehrwert für den Patienten habe. »Das sind dann zum Beispiel Nahrungsergänzungsmittel mit überdosiertem Magnesium, das den Durchfall auslöst. Oder es taucht plötzlich ein Quetiapin auf, dass die Nachbarin über den Gartenzaun gereicht hat, weil es ihr so gut beim Einschlafen hilft«, schildert die Apothekerin.
Wichtig sei, zu verhindern, dass Ärzte die Medikationanalyse als Kritik und Fehlersuche missverstehen, betonte Dr. Barsom Aktas, Inhaber der Engel-Apotheke in Ochsenfurt. Ihm sei bei Einführung der pDL zunächst mit »freundlicher Skepsis« begegnet worden. Vielen Ärzten sei nicht klar, was »mit dem sperrigen Begriff ›erweiterte Medikationsanalyse‹ überhaupt gemeint ist«.
Er riet, klar zu kommunizieren, was alles dazugehöre, etwa auch die Brown-Bag- und Adhärenz-Analyse, und die Ärzte vorher nach ihren »Red Flags« zu fragen, was sie im Rahmen der pDL gar nicht haben wollen. Ein weiterer Tipp: Die Ergebnisse und Optimierungsvorschläge möglichst kurz und präzise formulieren. Denn »ohne die Akzeptanz der Ärzte geht es nicht«, betonte Aktas. Utzinger fügte hinzu, dass sie prinzipiell immer zuerst mit dem Arzt die Ergebnisse bespreche und danach erst mit dem Patienten.
Der Arzt Dr. Stefan Schmitt von der Mainarzt GmbH verdeutlichte, dass es ihm sehr am Herzen liegt, dass Patienten durch eine Medikationsanalyse nicht verunsichert werden und nicht die Kompetenz ihres Arztes infragstellen. Auch er plädierte für den interprofessionellen Austausch, um herauszufinden, was die andere Berufsgruppe alles kann und warum sie etwas wie tut. »Wir wissen viel zu wenig übereinander«, so Schmitt.
Zum Abschluss riet Moderatorin und Krankenhausapothekerin Ina Richling den Apothekern im Auditorium, die bestehenden pDL jetzt zu etablieren, um Routine zu bekommen und »sattelfest« darin zu werden, bevor die neuen pDL kommen.