| Christina Hohmann-Jeddi |
| 18.09.2026 18:00 Uhr |
Von Blutdruckmessen über Blutwerte bestimmen bis hin zum Impfen – Apotheker können sich vermehrt in die Primärprävention einbringen. / © Getty Images/RgStudio
Einen Rückblick auf die Expopharm und einen Ausblick für die Zukunft der Apotheken gaben Professor Dr. Theo Dingermann, Seniorautor der PZ, und Dr. Björn Schittenhelm, Inhaber der Alamannen-Apotheke in Holzgerlingen, bei einem PZ-Nachgefragt zum Thema Primärprävention.
Durch das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) kämen neue Aufgaben auf die Apotheken zu, die weit über die Abgabe von und Beratung zu Arzneimitteln hinausgingen, und sie stärker in die Primärversorgung eingebunden werden, sagte Dingermann. Dies sei viel auf der Fachmesse besprochen worden. Durch zusätzliche pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) kämen erweiterte Impf- und Testangebote auf Apotheken zu. Apotheken könnten nicht nur Blutdruckmessungen, Blutzucker- und Lipidtestungen anbieten, sondern in Zukunft auch alle Totimpfstoffe verimpfen.
»Wir haben einen riesigen Baukasten an Möglichkeiten bekommen«, sagte Schittenhelm. Der diesjährige Apothekertag sei auch deswegen so harmonisch verlaufen, weil der Berufsstand inzwischen wenig zu fordern habe. Man müsse jetzt aber in die Umsetzung kommen. »Wenn wir jetzt nicht liefern, machen wir uns unglaubwürdig.« Man müsse jetzt alle Kräfte bündeln – in Politik, Berufsstand und Industrie, um die Kollegen zu befähigen, die neuen Aufgaben auszuführen. Schittenhelm ist der Überzeugung: »Wenn wir unsere ureigenste Aufgabe, die Abgabe von Arzneimitteln behalten wollen, müssen wir die neuen Dienstleistungen anbieten.«
Björn Schittenhelm (links) und Theo Dingermann / © PZ/C. Hohmann-Jeddi
Dabei sei es wichtig zu priorisieren. Für ihn habe Impfen oberste Priorität, vor allem weil es von der Politik in diesem Bereich Druck und von Seiten der Krankenkassen sogar Rückenwind gebe. Es sei eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, die Impfquoten in Deutschland zu erhöhen. Schittenhelm hofft, dass der Anteil der impfenden Apotheker in Kürze steigen wird. Wenn in Zukunft Apotheken alle Totimpfstoffe verimpfen dürften, gelte das Argument, dass Impfen nur ein saisonales Projekt in der Herbstzeit und daher nicht lohnend sei, nicht mehr.