Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Jeder Piks zählt
-
Gemeinsam gegen Impflücken

Die Impfquoten sind bei vielen Schutzimpfungen in Deutschland weiterhin zu niedrig. Es braucht mehr Information und aktive Ansprache – und zwar gemeinsam von Apothekern, Ärzten und Politik. Darüber herrschte Einigkeit bei einer Diskussionsrunde bei der Pharma-World auf der Expopharm in München.
AutorKontaktKerstin A. Gräfe
Datum 18.09.2026  17:30 Uhr

Bernhard Seidenath (CSU), Jurist und Mitglied des Bayerischen Landtags, sieht »Impfen als eines der prominenten Mittel zur Prävention«. In Bayern seien die Impfquoten bedauerlicherweise noch schlechter als im Bundesdurchschnitt. »Deswegen müssen wir alle Register ziehen.« Das bedeute, noch mehr aufzuklären und noch mehr niederschwellige Impfmöglichkeiten anzubieten. In Bayern gebe es seit Oktober 2025 einen Masterplan Prävention, der mehr als 250 konkrete Maßnahmen für eine bessere Gesundheit im Freistaat umfasst.

Franziska Scharpf, Präsidentin der Bayerischen Landesapothekerkammer und Vizepräsidentin der Bundesapothekerkammer, sieht großes Potenzial im Impfangebot der Apotheken und appellierte an die Teams. »Wir haben die Verantwortung, uns hier einzubringen.« Mit der Apothekenreform habe die Politik der Apothekerschaft nun den Weg geebnet. Vor diesem Hintergrund dürften und sollten die Apotheker nun mehr Rückgrat zeigen, sagte Scharpf und spielte damit auf die Kritik seitens der Ärzteschaft an. Abgesehen von der Impflücke, die so groß sei, dass man sich gegenseitig nichts wegnehme, zähle jeder Piks. Man müsse gemeinsam aus einem Krankheitssystem ein Gesundheitssystem entwickeln.

Dass gemeinsames Handeln funktioniert, zeige die HPV-Impfung. Die Impfquoten hätten in den letzten Jahren weiterhin zugenommen. Professor Dr. Theo Dingermann, Senior Editor bei der Pharmazeutischen Zeitung, ließ es sich in diesem Zusammenhang nicht nehmen, seinen Unmut darüber zu äußern, dass Impfungen in Apotheken erst ab 18 Jahren möglich sind. Die HPV-Impfung werde von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen. Mit der Grenze 18 Jahre  eliminiere man eine wichtige Impfung gegen Krebs aus der Apotheke.

Mehr von Avoxa