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Raus aus der Routine
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Alte Gewohnheiten blockieren Beratung

Motivation statt Mehrarbeit. Apothekencoach Nicole Müller hat bei der Expopharm erklärt, warum Kommunikation, Routinen und alte Glaubenssätze Teams ausbremsen können. Und wie Führungskräfte Veränderungen richtig anstoßen.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 21.09.2026  07:00 Uhr

Tausendmal gesagt, tausendmal ist nichts passiert – viele Führungskräfte kennen diesen Frust, insbesondere wenn es um die schleppende Umsetzung pharmazeutischer Dienstleistungen geht. Apothekencoach Nicole Müller nennt dieses Phänomen die »Wissen-Tun-Lücke«. In ihrem Vortrag bei der Expopharm zeigte sie, warum die Branche feststeckt, statt ihre Chancen zu nutzen.

Die zentralen Probleme liegen laut Müller an ungünstiger Kommunikation und eingefahrenen Gewohnheiten. Wenn der Chef oder die Chefin sagt: »Wir müssen mehr Beratung machen«, hört das Team: »Wir müssen mehr arbeiten.« Und wenn es heißt: »Wir sollten Patientenkontakte stärker nutzen«, versteht das Team: »Wir müssen mehr leisten.«

Wer Menschen wirklich motivieren will, formuliert jedoch anders. Müller nennt drei Aspekte, die eine Führungskraft ihrem Team vermitteln sollte: Erstens Sinn erklären: Warum ist diese Maßnahme für den Patienten relevant? Zweitens Sicherheit geben: Wie gelingt dem Team die Umsetzung im Alltag? Und drittens Beteiligung ermöglichen: Erfragen, welche Unterstützung das Team von den Vorgesetzten benötigt, um das neue Ziel zu erreichen.

Emotionalen Nutzen nicht unterschätzen

Wie emotional eine Beratung wirken kann, schildert Müller am Beispiel eines Kunden mit Schlafstörungen. Schläft dieser Mann besser, ist er womöglich ein entspannterer Chef oder ein geduldigerer Vater – und am Ende dankbar für die Unterstützung aus der Apotheke.

Doch um neue Verhaltensweisen im Alltag zu etablieren, braucht es Zeit. Müller erinnert daran: »Bei Stress gewinnt immer die alte Routine – und nichts ändert sich.« Steigt der Druck, muss das neue Selbstbild des Betriebs also schon verankert sein. Andernfalls bleibt eine Beratung weiter ein Zusatz, der nur auf Nachfrage stattfindet – womöglich aus Sorge, sich aufzudrängen.

Die neue Rolle des Apothekenteams sollte jedoch sein, die Patientengesundheit aktiv zu begleiten, Bedarfe zu erkennen und anzusprechen sowie klare nächste Schritte aufzuzeigen. Das schafft Sicherheit und Vertrauen.

Dazu gehört laut Müller auch, alte Glaubenssätze zu hinterfragen – wie etwa »wir sind zu teuer« oder »wir müssen perfekt sein«. Für Kundinnen und Kunden sei der emotionale Nutzen oft mehr wert als eine wirtschaftliche Abwägung, betont sie.

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