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Selbstbewusstsein heißt nichts
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Die besten Chefs sind unsichtbar

Viele Unternehmen schätzen falsch ein, wer sich als Führungskraft eignet. Sie verwechseln Selbstbewusstsein und Charisma mit Kompetenz. Unter welchem Typ ein Team wirklich effektiv arbeitet, erklärt ein Wissenschaftler.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 14.08.2026  07:00 Uhr

Viele Beschäftigte erleben Führungskräfte, die selbstbewusst auftreten, wortgewandt sind und jede Bühne nutzen. Viele von ihnen erreichten ihr Team aber nicht. Im Alltag geraten Abläufe ins Stocken, Entscheidungen ziehen sich hin – und die Motivation der Mitarbeitenden sinkt. Dieses Muster zeige sich in vielen Branchen, berichtet der Wissenschaftler Imran Mir, der an der Universität Glasgow promoviert.

Sichtbarkeit und Kommunikationsstärke sind in vielen Auswahlrunden der Shortcut nach oben. Oft zählten nur die sichtbaren Anhaltspunkte für eine leitende Position, kritisiert Mir auf der Wissenschaftsplattform »The Conversation«. Wer also in Meetings souverän präsentiert, seine Ideen klar formuliert oder vor der Geschäftsleitung oder Interessengruppen sicher auftritt, gilt als bereit für mehr Verantwortung. Doch diese Signale könnten irreführend sein, betont der Management-Experte.

Oft übersähen Firmen Menschen, die leise, analytisch oder teamorientiert arbeiten und ihre Wirkung eher im Hintergrund entfalten. Für die Teamleistung zählen nämlich andere Faktoren. Effektive Teamführung entsteht laut Mir, wenn Vorgesetzte ihre Mitarbeitenden fördern, Konflikte früh erkennen und ein Arbeitsklima schaffen, in dem Ideen und Kritik Platz haben. Untersuchungen zur emotionalen Intelligenz hätten zudem ergeben, dass es empathischen Chefinnen und Chefs mit zwischenmenschlichem Gespür meist besser gelinge, Vertrauen aufzubauen und die Leistung des Teams stabil zu halten.

Mehr Praxis statt Präsentation

Diese Erfolgseigenschaften wachsen im Alltag: im Coaching, in Krisen, im Umgang mit Fehlern – und vor allem in der Art und Weise, wie Führungskräfte zuhören. Genau deshalb tauchten diese Indikatoren in klassischen Beförderungsprozessen selten auf – sie seien schwer messbar und kaum sichtbar, bedauert er.

Wenn Unternehmen ihre Führungskultur weiterentwickeln wollten, lohne ein Blick auf die Praxis statt auf die Präsentation, rät er. Kollegiales Feedback, teambasierte Einschätzungen und Entwicklungsprogramme können helfen, Potenzial für Führungskräfte jenseits traditioneller Stereotype zu erkennen.

In einer Arbeitswelt, die sich durch Remote-Strukturen und KI-gestützte Prozesse rasant verändert, gewinnen Fähigkeiten wie Zusammenarbeit, Orientierung und Unterstützung an Gewicht. Wer diese Kompetenzen stärkt, so Mir, führt Teams oft nachhaltiger. Wichtig sei auch, eine Unternehmenskultur zu fördern, in der Selbstdarstellung nicht den Vorrang vor Zusammenarbeit habe, betonte er.

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