| Carolin Lang |
| 03.11.2026 15:30 Uhr |
Etwa eine von 50 Frauen erkrankt im Laufe des Lebens an Gebärmutterkörperkrebs, der auch als Endometriumkarzinom bezeichnet wird. / © Getty Images/mi-viri
Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (Antibody-Drug-Conjugates, ADC) gewinnen in der Tumortherapie zunehmend an Bedeutung. Sie nutzen tumorselektive Antikörper, um zytotoxische Moleküle zielgerichtet zu Krebszellen zu transportieren. Ein solches ADC ist derzeit mit Sacituzumab Tirumotecan (sac-TMT) in Entwicklung: Es bindet an das Trophoblasten-Zelloberflächen-Antigen-2 (Trop-2) auf Tumorzellen und ist mit einem Topoisomerase-I-Hemmer beladen. Das Immunkonjugat wird bei verschiedenen Krebserkrankungen, etwa bei Lungen- oder Blasenkrebs, erprobt. Phase-III-Daten gibt es nun für die Indikation Endometriumkarzinom, publiziert im Fachjournal »The Lancet«.
In die Open-Label-Studie TroFuse-005 waren 776 Frauen mit fortgeschrittenem oder rezidivierendem Endometriumkarzinom eingeschlossen, die bereits eine Chemotherapie und Anti-PD-1/L1-Immuntherapie erhalten hatten. Die Teilnehmerinnen erhielten randomisiert entweder sac-TMT (n = 386) oder eine Chemotherapie mit Doxorubicin beziehungsweise Paclitaxel (n = 390). Die primären Endpunkte waren das Gesamtüberleben sowie das progressionsfreie Überleben. Zum Zeitpunkt der Datenerhebung betrug die mediane Nachbeobachtungszeit 14 Monate.
Wie der Pharmakonzern MSD mitteilt, senkte sac-TMT das Sterberisiko im Vergleich zur Standardchemotherapie um 32 Prozent (Hazard Ratio 0,68) und verlängerte die mediane Gesamtüberlebenszeit um 6,9 Monate von 12,1 auf 19,0 Monate. Auch das Risiko für Krankheitsprogression oder Tod war demnach um 41 Prozent (HR 0,59) reduziert und das mediane progressionsfreie Überleben um 3,3 Monate verlängert (7,2 versus 3,9 Monate). Die objektive Ansprechrate als wichtigster sekundärer Endpunkt lag mit 35,1 Prozent etwa doppelt so hoch wie unter Doxorubicin oder Paclitaxel (17,3 Prozent).
Das Sicherheitsprofil von sac-TMT entsprach den Erkenntnissen aus früheren Studien. Unerwünschte Ereignisse vom Schweregrad ≥ 3 traten allerdings häufiger auf als unter der Chemotherapie (54,4 versus 41,4 Prozent). Am häufigsten wurden Anämien, Neutropenien sowie orale Mukositis beziehungsweise Stomatitis beobachtet.
»Die Erkrankungs- und Sterblichkeitsraten beim Endometriumkarzinom steigen weltweit«, kommentiert Erstautorin Dr. Domenica Lorusso von der Humanitas University in Mailand, Italien. »Die Ergebnisse der TroFuse-005-Studie könnten die Art und Weise verändern, wie wir Patientinnen behandeln, die zuvor eine platinbasierte Chemotherapie und eine Anti-PD-1/L1-Immuntherapie erhalten haben.«
Nach Angaben des Herstellers hat die US-Arzneimittelbehörde FDA den Zulassungsantrag für sac-TMT auf Grundlage der Studiendaten zur Behandlung vorbehandelter Patientinnen mit Endometriumkarzinom zur beschleunigten Prüfung angenommen. Eine Entscheidung wird demnach bis zum 15. Juni 2027 erwartet.