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Lungenkrebs
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Arzneistoffe in der Pipeline

Beim Fortbildungskongress der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt in Wernigerode ging es vergangene Woche unter anderem um moderne Therapieoptionen beim Lungenkarzinom. Ein Onkologe stellte Wirkstoffe in der Pipeline vor.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 22.04.2026  09:00 Uhr

Lungenkrebs werde häufig erst in Stadium IV diagnostiziert, wenn sich bereits Fernmetastasen gebildet haben, berichtete Professor Dr. Wolfgang Schütte, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses Martha Maria in Halle Dölau, am Sonntag in Wernigerode. In rund 80 Prozent der Fälle handele es sich um ein nicht kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC).

Vor Therapiebeginn sei als erstes zu klären, ob eine Treibermutation vorliege, etwa des EGFR- oder ALK-Rezeptors, die beide zu den Tyrosinkinasen gehören. »Rund 10 bis 15 Prozent der Patienten haben eine solche Treibermutation, vor allem Nichtraucher mit Lungenkrebs«, so Schütte. Je nach Alteration können dann zielgerichtete Therapien zum Einsatz kommen.

Am Beispiel des Tyrosinkinase-Inhibitors Osimertinib sowie der Kombination aus dem bispezifischen Antikörper Amivantamab und dem Kinasehemmer Lazertinib, die alle gegen bestimmte EGFR-Mutationen gerichtet sind und beim NSCLC eingesetzt werden, zeigte Schütte, dass solche Therapien sehr wirksam sein können. Manche Patienten lebten damit noch viele Jahre, teils bis zu Jahrzenten, so die Erfahrung des Onkologen.

Als mögliche neue Zweitlinienbehandlung beim NSCLC stellte Schütte das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Sacituzumab-Tirumotecan vor. Es richtet sich gegen das Oberflächenantigen Trophoblast Surface Antigen 2 (TROP-2) auf Krebszellen. In der Phase-III-Studie OptiTROP-Lung04 war die Substanz bei Patienten mit EGFR-mutiertem NSCLC, die zuvor Kinasehemmer und eine Chemotherapie erhalten hatten, wirksamer als eine Chemotherapie. Das Sterberisiko sank im Vergleich um rund 40 Prozent. »Ich hoffe, das Präparat wird bald zugelassen.«

Neues beim SCLC

Auch beim kleinzelligen Lungenkarzinom (SCLC), das bis zu 20 Prozent der Lungenkrebsfälle ausmacht, tut sich etwas in der Forschung. In fortgeschrittenen Stadien zähle eine Kombination aus Immun- und Chemotherapie zum Therapiestandard.

In der Zweitlinie könnte bald der bispezifische Antikörper Tarlatamab hinzukommen. Er bindet an das Protein Delta-like Ligand 3 auf Tumorzellen und zugleich an das Oberflächenantigen CD3 auf T-Zellen. Dadurch bringt er beide Zelltypen zusammen, sodass das Immunsystem den Krebs gezielter bekämpfen kann. In der randomisierten Phase-III-Studie DeLLphi 304 verlängerte Tarlatamab das Gesamtüberleben im Vergleich zu einer Standardchemotherapie signifikant von 8,3 auf 13,6 Monate. »Wir rechnen im Sommer mit der Zulassung«, sagte Schütte.

Bereits im vergangenen Monat hatte die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) den Antikörper zur Zulassung empfohlen. Grünes Licht erhielt außerdem das Alkylans Lurbinectedin. Indiziert ist es in Kombination mit dem Checkpoint-Inhibitor Atezolizumab für die Erhaltungstherapie bei Erwachsenen mit fortgeschrittenem SCLC, deren Erkrankung nach einer Erstlinientherapie mit Atezolizumab, Carboplatin und Etoposid nicht fortgeschritten ist.

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