Obwohl psychische und kognitive Symptome zu den verbreitetsten und belastendsten Symptomen der Wechseljahre zählen, sind Studien zu therapeutischen Interventionen bislang Mangelware. In der derzeit in Überarbeitung befindlichen S3-Leitlinie »Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen«, zu deren Autoren auch Schwenkhagen gehört, finden sich kaum klare Empfehlungen zur Behandlung.
Optionen gibt es viele: von einer Psychotherapie über Pflanzenpräparate bis hin zu pharmakologischen Ansätzen.
Steckt hinter den Beschwerden in erster Linie der stark schwankende Estradiol-Wert in der Perimenopause, kann eine Stabilisierung der Hormonspiegel helfen. »Therapeutisches Ziel ist es, die Eierstockfunktion zu drosseln und ein ausgewogenes hormonales Milieu zu schaffen«, erklärt die Frauenärztin. Bioidentisches Progesteron, wie es in der postmenopausalen Hormonersatztherapie (HRT) oft verwendet wird, sei dafür in der Regel nicht geeignet. Es wirkt zwar über seinen Metaboliten Allopregnanolon bei vielen Frauen schlafanstoßend, ändert aber nichts am erratischen Zyklusgeschehen. Denn: »In den gängigen Dosierungen bewirkt es keine Rückkopplung im Gehirn«, so Schwenkhagen – es verhindert also nicht die Reifung Estradiol-produzierender Follikel.
Synthetische Gestagene sollen den Hormonspiegel stabilisieren. / © Adobe Stock/kristina rütten
Die Hormonspezialistin setzt in ihrer Praxis in solchen Fällen synthetische Gestagene wie Desogestrel, Dienogest, Drospirenon oder Chlormadinon ein, oft im Off-Label-Use. Wenn die Patientin an einem Estrogenmangel leidet, verschreibt sie zusätzlich bioidentisches Estradiol – »am liebsten transdermal als Pflaster, Spray oder Gel, um den First-Pass-Effekt in der Leber zu umgehen«.
Für Frauen ohne kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen oder erhöhte Thromboseneigung kommt auch eine Kombipille infrage. In der Perimenopause empfiehlt die Fachärztin die Einnahme im Langzyklus ohne hormonfreie Intervalle.
Schwenkhagen räumt ein, dass große individuelle Unterschiede existieren und sich die Suche nach einer adäquaten Therapie in der Perimenopause oft schwierig gestaltet. »Es gibt auch Frauen, bei denen alles nicht funktioniert.« Nach der Menopause erziele man dagegen mit einer bioidentischen HRT meist sehr gute Effekte. Einzige zugelassene Indikation für die HRT ist aktuell jedoch die Behandlung von vasomotorischen Symptomen, nicht von kognitiven oder psychischen Beschwerden.
Estradiol wird bevorzugt transdermal eingesetzt. / © Adobe Stock/Marina Lohrbach
Bei Frauen mit Stimmungsschwankungen kann eine HRT laut Leitlinie »in Betracht gezogen werden, wenn die psychischen Symptome als Folge der Menopause auftreten oder sich in zeitlichem Zusammenhang mit der Menopause verschlechtern«. Mutmaßlich tragen Hormone auch bei einer manifesten Depression in der Peri- oder Postmenopause zur Linderung bei. Dies stützen inzwischen mehrere kleinere Studien, in denen vorwiegend transdermales Estradiol eingesetzt wurde.
Aus Sicht der Leitlinienautoren reichte die Evidenz für eine Empfehlung bisher jedoch nicht aus. In der geplanten Neufassung soll sich das laut Schwenkhagen ändern. Auch auf die einzelnen Symptome und die Therapieoptionen werde künftig detaillierter eingegangen.