Ein Problem, unter dem Studien zufolge mindestens jede zweite Frau in den Wechseljahren leidet, ist schlechter Schlaf. Oft beginnen die Schwierigkeiten bereits in der frühen Perimenopause, nehmen bis zur Menopause zu und bessern sich danach wieder. Für viele Betroffene zählen Ein- und Durchschlafstörungen sowie eine ungenügende Schlafqualität zu den belastendsten klimakterischen Symptomen. Mediziner sprechen von einer Insomnie, wenn die Symptome mindestens dreimal pro Woche über einen Zeitraum von einem Monat oder länger auftreten.
Schlafstörungen plagen nahezu jede zweite Frau vor und in den Wechseljahren. / © Shutterstock/Nicoleta Ionescu
Schlafprobleme können andere psychische Symptome wie Gereiztheit, Erschöpfung und Antriebsmangel verschärfen. Umgekehrt beeinflussen diese aber auch die Nachtruhe – ein Teufelskreis entsteht. Häufige Hitzewallungen und Nachtschweiß leisten der Entwicklung einer Insomnie ebenfalls Vorschub.
Neben hormonellen Schwankungen kämen auch schlafbezogene Atemstörungen als Insomnie-Ursache in Betracht, denn das Risiko für Schlafapnoen steige in den Wechseljahren ebenfalls, betont Schwenkhagen. Wenn die Frau oder ihr Partner bemerkt, dass sie laut und unregelmäßig schnarcht, Atemaussetzer hat oder beim nächtlichen Aufwachen nach Luft schnappt, sollte sie ihrem Arzt davon berichten.
Bis zu 80 Prozent aller Frauen spüren im Klimakterium kognitive Einbußen – und viele geben diesen »Brain Fog« in Umfragen als das herausforderndste Symptom an. Sie leiden an Vergesslichkeit, Konzentrationsproblemen, Wortfindungsstörungen und subjektiv eingeschränktem Denkvermögen.
Große Studien wie SWAN (Study of Women’s Health Across the Nation) belegen, dass in der Perimenopause nicht unbedingt eine geringere geistige Kapazität messbar ist, wohl aber eine eingeschränkte Trainierbarkeit des Gehirns. Es fand sich eine signifikante Assoziation mit vasomotorischen Beschwerden und Schlafproblemen, teilweise auch mit Angst und depressiven Symptomen.
»Schuld an den kognitiven Problemen sind vermutlich Adaptationsschwierigkeiten des Gehirns an die stark schwankenden Hormonspiegel«, erklärt die Expertin. In der Postmenopause habe sich das System meist angepasst und der Gehirnnebel lichte sich wieder. Studien deuteten allerdings darauf hin, dass Frauen mit ausgeprägten vasomotorischen Beschwerden möglicherweise ein höheres Risiko für kognitive Einbußen im Alter haben.
Viele Frauen machen sich Sorgen, dass die zunehmende Vergesslichkeit ein Zeichen für eine beginnende Demenz sein könnte. Tatsächlich steigt nach der Menopause – insbesondere, wenn sie vor dem 45. Lebensjahr eintritt – das Risiko für die Alzheimer-Erkrankung und andere Demenzformen. Offenbar schützt Estradiol das weib¬liche Gehirn vor dem Abbau von Neuronen und der Ablagerung von Beta-Amyloid-Plaques, die als eine der zentralen Ursachen für Alzheimer gelten. Aber: »Brain Fog signalisiert kein erhöhtes Demenzrisiko«, beruhigt Schwenkhagen. Demenzen, die sich vor dem 60. Lebensjahr bemerkbar machen, kommen äußerst selten vor.