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Perimenopause
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Geist und Seele können leiden

Nebel im Kopf, Stimmungsschwankungen, schlechter Schlaf: In der Perimenopause, den Jahren vor der letzten Monatsblutung, leiden viele Frauen an psychischen und kognitiven Beschwerden. Wie hormonelle Veränderungen das Nervensystem beeinflussen, rückt zunehmend ins Zentrum der Forschung.
AutorKontaktClara Wildenrath
Datum 05.03.2026  07:00 Uhr

Antidepressiva und Johanniskraut

Für eine unterschiedliche Wirksamkeit von Antidepressiva in Abhängigkeit vom Menopausenstatus gibt es bislang keine Hinweise. Die pharmakologische Behandlung sollte daher den medizinischen Leitlinien für Depressionen folgen.

Selektive Serotonin-(Noradrenalin-)Wiederaufnahmehemmer (SSRI, SNRI) und Trizyklika können nach heutigem Kenntnisstand ohne erhöhtes Nebenwirkungsrisiko mit einer Hormontherapie kombiniert werden und sich in ihrer Wirkung sogar gegenseitig verstärken. Je nach Schweregrad der Erkrankung und den persönlichen Präferenzen der Patientin kann alternativ oder ergänzend auch eine Psychotherapie die depressiven Symptome verbessern.

Hoch dosierter Johanniskraut-Extrakt (Hypericum perforatum) hat sich in einigen Studien bei leichten bis mittelschweren Depressionen ebenfalls als wirksam erwiesen; allerdings ist die Datenlage nicht konsistent. Auch bei Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit, Gereiztheit und Schlafstörungen kann Johanniskraut potenziell helfen.

Bei der Abgabe sollte das Apothekenteam jedoch auf die erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut und das hohe Interaktionspotenzial hinweisen. Insbesondere können Hypericum-Präparate die Wirkungen von SSRI, trizyklischen Antidepressiva und MAO-Hemmern verstärken, bei zahlreichen anderen Medikamenten verringern sie die Wirksamkeit.

Phytotherapeutika: unsichere Wirksamkeit

Weniger gut untersucht ist die Wirksamkeit der meisten anderen Phytotherapeutika und Nahrungsergänzungsmittel, die bei psychischen Problemen in den Wechseljahren zur Anwendung kommen.

Mönchspfeffer (Agnus castus) soll die Gelbkörperfunktion verbessern und wird deshalb oft empfohlen, wenn ein niedriger Progesteronspiegel als Ursache der Beschwerden vermutet wird. »Die Evidenz für einen Einsatz in der Perimenopause ist aber nicht gut«, erklärt Schwenkhagen.

Lavendel, Melisse und Passionsblume können beruhigend und angstlösend wirken. Bei Schlafstörungen und nervöser Unruhe gilt die Wirksamkeit von Baldrian-Wurzelextrakt bei einer Tagesdosis von mindestens 400 bis 600 mg als wissenschaftlich gut belegt. Inwieweit dies auch bei hormonell bedingten Ein- und Durchschlafproblemen zutrifft, ist bislang nicht untersucht. »Manche Frauen sprechen auf Melatonin oder Magnesium gut an«, weiß Schwenkhagen, »andere dagegen gar nicht.«

Sie empfiehlt: Spätestens, wenn pflanzliche OTC-Präparate und Nahrungsergänzungsmittel innerhalb von drei Monaten keine ausreichende Linderung verschaffen, sollte das Apothekenteam die Kundin ermutigen, ihre Gynäkologin auf ihre psychischen und/oder kognitiven Probleme anzusprechen. Ein möglicher Zusammenhang mit den Wechseljahren kommt ihrer Erfahrung nach allerdings nur dann in Betracht, wenn im mittleren Lebensalter Zyklusunregelmäßigkeiten auftreten.

Nachweislich positiv auf das seelische Wohlbefinden wirken sich Entspannungsmethoden wie Meditation, Yoga oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson aus – also alles, was das Stresslevel senkt. Auch regelmäßiger Sport baut Stresshormone ab, klärt den Kopf und hebt die Laune. Das Darmmikrobiom hat ebenfalls nachweislich Einfluss auf die Stimmung. Steuern lässt es sich beispielsweise durch eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Wichtige Mikronährstoffe für die Psyche sind unter anderem Vitamin D, die B-Vitamine und Magnesium.

Was vielen Frauen am meisten hilft, ist die Erkenntnis, dass sie nicht verrückt oder dement werden, sondern ihre Beschwerden hormonbedingt sind. Zum einen eröffnen sich dadurch bei hohem Leidensdruck verschiedene Behandlungsmöglichkeiten – und zum anderen können sie zuversichtlich sein, dass die meisten belastenden Symptome in der Postmenopause wieder verschwinden.

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