Auch Rezeptoren für Progesteron finden sich in vielen Bereichen des Gehirns und Nervensystems. Die beruhigende Wirkung, die dem Gelbkörperhormon zugeschrieben wird, beruht in erster Linie auf einem Metaboliten: dem Allopregnanolon. Dieser verstärkt den hemmenden Einfluss von γ-Aminobuttersäure (GABA), dem Gegenspieler von Glutamat, auf das Nervensystem. Dadurch wirkt Allopregnanolon angstlösend, dämpfend und schlaffördernd – »das Beruhigungsmittel von Mutter Natur«, nennt es Schwenkhagen.
Neben den direkten Effekten auf das zentrale Nervensystem können die Sexualhormone die Psyche auch indirekt beeinflussen: durch körperliche Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und den damit verbundenen Schlafmangel.
Hinzu kommen in der Lebensmitte oft belastende psychosoziale Veränderungen. Die Kinder werden erwachsen und verlassen das Haus (Empty-Nest-Syndrom), ältere Angehörige benötigen Pflege, das eigene Älterwerden rückt zunehmend ins Bewusstsein. Das Selbstbild und die Vorstellungen von einem geglückten Leben wandeln sich. All das kann ebenfalls trübe Stimmung und Angstgefühle verstärken, die Stressbelastbarkeit verringern und Schlafprobleme fördern.

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Psychische Symptome in den Wechseljahren können die Partnerschaft erheblich belasten. Viele Frauen fühlen sich überfordert und unverstanden. Der Partner weiß nicht, wie er ihr Verhalten einordnen soll, und empfindet es oft als persönlichen Angriff. Das kann helfen:
Offene Kommunikation: Der Austausch über Symptome, Erwartungen und Belastungen hilft, Missverständnissen vorzubeugen und das gegenseitige Verständnis zu stärken. Zuhören und nachfragen (»Wie geht es dir heute?«, »Was kann ich tun oder lassen?«) ist besser als schnelle Lösungen zu präsentieren (»Du brauchst eine Hormontherapie!«).
Praktische Lösungen suchen: Aufgaben neu zu verteilen oder externe Unterstützung einzuholen, kann die Alltagsbelastung reduzieren.
Veränderungen akzeptieren: Vielleicht müssen die Rollen und Aufgaben in der Familie und Partnerschaft überdacht werden, vielleicht ändern sich Vorlieben, vielleicht nimmt die Partnerin ihre eigenen Bedürfnisse wichtiger als früher. Das kann neue Perspektiven für die Beziehung öffnen.
Neue Wege als Paar suchen: Welche Pläne haben wir für die Zukunft? Was ist uns in der Partnerschaft wichtig? Wie können wir gemeinsam Intimität genießen, auch wenn eine/r von beiden vielleicht weniger Lust auf Sex hat?
Professionelle Hilfe ansprechen: Eine Paarberatung kann helfen, Kommunikationsmuster zu verbessern und die Beziehung zu reflektieren. Ausgeprägte Beschwerden sollten medizinisch abgeklärt und eventuell behandelt werden. Auf Wunsch kann der Partner Arzttermine mitorganisieren oder begleiten.