| Kerstin A. Gräfe |
| 28.10.2026 07:00 Uhr |
Die Zulassung basiert auf den Ergebnissen der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studie LAVENDER mit 187 Patientinnen mit Rett-Syndrom im Alter von fünf bis 20 Jahren. Die Teilnehmerinnen erhielten über einen Zeitraum von zwölf Wochen entweder Trofinetid (n = 93) oder Placebo (n = 94).
Als koprimäre Endpunkte waren die Veränderungen des Gesamtscores im Rett Syndrome Behaviour Questionnaire (RSBQ) sowie im Clinical Global Impression-Improvement (CGI-I) nach zwölfwöchiger Behandlung gegenüber dem Ausgangswert definiert. Der RSBQ ist ein standardisierter Fragebogen, der von Bezugspersonen ausgefüllt wird und typische Verhaltensauffälligkeiten sowie emotionale Merkmale von Menschen mit Rett-Syndrom erfasst. Niedrigere Werte weisen auf eine geringere Symptomschwere hin. Der CGI-I dient der ärztlichen Gesamtbeurteilung des klinischen Zustands und erfasst, ob sich dieser im Vergleich zum Ausgangszustand verbessert oder verschlechtert hat. Niedrigere Scores sprechen für eine stärkere klinische Verbesserung.
Nach zwölf Wochen verringerte sich der RSBQ-Gesamtscore unter Trofinetid im Mittel um 4,9 Punkte, verglichen mit 1,7 Punkten unter Placebo. Der statistisch signifikante Behandlungsunterschied betrug −3,1 Punkte. Auch beim CGI-I zeigte sich ein signifikanter Vorteil zugunsten von Trofinetid: Der mittlere Score lag nach zwölf Wochen bei 3,5 gegenüber 3,8 unter Placebo, was einem Behandlungsunterschied von −0,3 Punkten entspricht. Häufigste Nebenwirkungen waren Diarrhö, Erbrechen und Gewichtsverlust.
Daybu ist im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C zu lagern.
Mit Trofinetid steht erstmals in der EU eine gezielte pharmakologische Therapie für das Rett-Syndrom zur Verfügung. Bislang gab es nur symptomatische und begleitende Therapien. Für die Betroffenen und ihre Familien ist das ein wichtiger Fortschritt, wenn auch die genetische Ursache der Erkrankung durch Trofinetid nicht behoben wird. Der Wirkstoff, ein synthetisches Analogon des Glycin-Prolin-Glutamat-Tripeptids, setzt an neurobiologischen Prozessen an und kann bestimmte Symptome der seltenen neurologischen Erkrankung lindern. Der genaue Wirkmechanismus ist bislang noch unzureichend geklärt. Die klinischen Effekte sind moderat und die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) weist darauf hin, dass die Hauptstudie für einige der wichtigsten Symptome des Rett-Syndroms, etwa Krampfanfälle, keine Wirksamkeitsnachweise bringt. Hinzu kommt, dass sehr häufige Nebenwirkungen wie Diarrhö und Erbrechen die Anwendung erschweren. Trofinetid ist daher vor allem eine therapeutische Innovation in einem bislang schlecht behandelbaren Indikationsgebiet. Da es der erste zugelassene Wirkstoff bei dieser Erkrankung ist, darf Trofinetid trotz der genannten Einschränkungen vorläufig als Sprunginnovation bewertet werden.
Sven Siebenand, Chefredakteur