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Covid-19-Medikamente

Diese Ansätze gibt es

Wenig überraschend finden sich unter den Arzneistoffkandidaten zur Behandlung von Covid-19 auch einige Medikamente, die für die Therapie von Lungenerkrankungen entwickelt wurden und werden. Ein gutes Beispiel nennt der Verband forschender Pharmaunternehmen in seiner Auflistung der potenziellen Covid-19-Medikamente: Ifenprodil. Das Medikament wirkt als Inhibitor am NMDA-Rezeptor. Daraus leitete man zunächst einen Nutzen bei neurologischen Erkrankungen ab. Seit einiger Zeit wird es bei idiopathischer Lungenfibrose entwickelt und nun auch klinisch bei Covid-19-Patienten getestet.

Auf der Website clinicaltrials.gov heißt es zur Rationale: Die Aktivierung von T-Zellen über Glutamat kann deren Proliferation und die Freisetzung von Zytokinen verursachen. Diese Prozesse können in vitro durch Zugabe von Ifenprodil blockiert werden. Daher könnte es ein starkes entzündungshemmendes Mittel sein.

Ein anderes Beispiel ist das synthetische Peptid Solnatide der Firma Apeptico, das im Compassionate Use bei Covid-19-Patienten in Österreich bereits eingesetzt werden darf. Genauer gesagt: zur Behandlung von SARS-CoV-2-induzierter akuter Lungenfunktionsstörung bei mechanisch beatmeten Covid-19-Patienten. Der Wirkstoff wurde ursprünglich bereits für die Behandlung von akutem Lungenversagen entwickelt.

Solnatide wird direkt in Form eines flüssigen Aerosols in die unteren Atemwege eingebracht. Dort soll es den pulmonalen Natriumionenkanal aktivieren, um die Flüssigkeits-Clearance in den Lungenbläschen direkt zu aktivieren und das Austreten von Blut und Flüssigkeit aus den Kapillaren zu verringern. Das soll das Ausmaß von alveolären Ödemen reduzieren und deren Auflösung beschleunigen.

Lunge zum Dritten: Seit Jahren ist bekannt, dass die inhalative Gabe von Stickstoffmonoxid (NO) das Überleben beim akuten Lungenversagen verbessern kann. Das Gas soll in der Lunge als Vasodilatator wirken und damit die Muskelzellen der Lungengefäße relaxieren. Bereits Anfang des Jahrtausends hatte das Unternehmen Bellerophon Therapeutics dies während der SARS-Epidemie erfolgreich getestet. Ende März hat die FDA zugestimmt, das NO-Liefersystem INOpulse® zur Behandlung bei schwer kranken Covid-19-Patienten im sogenannten Emergency expanded access einzusetzen. Vor der Coronavirus-Pandemie war bereits geplant, das Beatmungssystem in einer Phase-III-Studie bei Patienten mit Lungenfibrose zu testen.

Die Hypothese, dass ACE-Hemmer und Sartane das Risiko für eine Coronavirus-Infektion oder einen schweren Verlauf erhöhen, wurde in Studien mit Covid-19-Patienten nicht bewiesen. Mittlerweile werden verschiedene Sartane sogar dahingehend getestet, ob die Behandlung einen Nutzen bringen könnte. Auch andere bekannte Arzneistoffe werden klinisch erprobt, so auch der SGLT-2-Hemmer Dapagliflozin (Forxiga®) und das bei Lungenhochdruck eingesetzte Ambrisentan (Volibris®), ein Endothelin-Rezeptorantagonist.

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