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Covid-19-Medikamente

Diese Ansätze gibt es

Die antiviral wirksamen Arzneistoffe Remdesivir und Favipiravir sind bereits genannt – und in einigen Ländern zugelassen. Weniger hat man bislang von Galidesivir gehört, das ebenfalls klinisch getestet wird. Schon der Name erinnert an Remdesivir und tatsächlich handelt es sich ebenfalls um ein Prodrug, dessen aktive Form als unspezifischer Hemmstoff der RNA-abhängigen Polymerase wirkt.

Solange es keine SARS-CoV-2-spezifischen Wirkstoffe – an denen gearbeitet wird – gibt, ist es nur folgerichtig, dass man antivirale Substanzen aus anderen Einsatzgebieten untersucht, beispielsweise HIV-, Hepatitis- oder Influenza-Medikamente. Verschiedene HIV-Wirkstoffe werden auf ihre Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2 untersucht. Die HIV-Kombination aus Lopinavir und Ritonavir (Kaletra®) ist mittlerweile aus dem Rennen, denn sie hat sich als nicht wirksam erwiesen.

Auch der Proteasehemmer Darunavir wird bei HIV eingesetzt und jetzt in Kombination mit dem Booster Cobicistat in einer Phase-III-Studie bei Covid-19 getestet. Darunavir ähnlich ist die Prüfsubstanz ASC09, die ebenfalls als Proteasehemmer wirkt und in Phase III geprüft wird. Zu den Reverse-Transkriptase-Hemmern zählen Emtricitabin und Tenofovir, die in dem bekannten HIV-Medikament Truvada® enthalten sind. Auch damit gibt es eine Covid-19-Studie der Phase III.

Ein anderes, noch in der Entwicklung befindliches HIV-Medikament befindet sich nach Erfolgen in Phase I und II nun ebenfalls in Phase III bei Covid-19: der CCR5-Antikörper Leronlimab. Er wirkt als HIV-Entry-Inhibitor, also antiviral. Leronlimab hat darüber hinaus auch eine immunmodulatorische Komponente. Letztere spielt wahrscheinlich bei Covid-19 und der Abmilderung eines gefürchteten Zytokinsturms eine Rolle.

Im Bereich Grippemittel, die gegen SARS-CoV-2 klinisch geprüft werden, ist neben Favipiravir zum Beispiel Umifenovir zu nennen. In Russland ist das Umifenovir-haltige Medikament Arbidol® als Grippemittel sehr bekannt. Umifenovir ist ein Fusionsinhibitor, der die Verschmelzung der Virushülle mit der Membran der Wirtszelle verhindern soll. Da auch SARS-CoV-2 ein umhülltes Virus ist, könnte Umifenovir also einen Nutzen haben. Auch das hierzulande sehr bekannte Oseltamivir-haltige Medikament Tamiflu® wird erprobt.

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