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Hormonelle Kontrazeption

Die Pille wird 60

Estrogen-Gestagen-haltige Kontrazeptiva erhöhen auch das Risiko für arterielle thromboembolische Ereignisse (ATE). Dies ist besonders für Frauen mit weiteren Risikofaktoren (Hypertonie, Hyperlipidämie, Adipositas, Raucherinnen, Migräne mit Aura) von Bedeutung. Für Myokardinfarkte beträgt das relative Risiko 1,6 (95-Prozent-Konfidenz­intervall: 1,3 bis 1,9), für ischämische Schlaganfälle 1,7 (95-Prozent-Konfidenz­intervall: 1,5 bis 1,9) (13).

Das ATE-Risiko korreliert mit der ­Estrogen-Dosis, sodass der Arzt nach Möglichkeit Kontrazeptiva mit einer niedrigen Estrogen-Dosis verordnen sollte. Dies ist in der Praxis ohnehin ­bereits fast immer gegeben. Zusätzlich sollte in der Regel halbjährlich der Blutdruck kontrolliert werden.

Bei Migräne-Patientinnen lässt sich die Häufigkeit zyklusabhängig auftretender Attacken durch Kontrazeptiva häufig vermindern. Bei Migräne ohne Aura können die Frauen – wenn keine weiteren Risikofaktoren vorliegen – Hormonkombinationen einnehmen. Dagegen kommen bei Migräne mit Aura nur Gestagen-Monopräparate infrage, da diese Erkrankung bereits ­einen ATE-Risikofaktor darstellt.

Auch bei Frauen mit Diabetes mellitus Typ 1 und 2 bestehen keine Bedenken gegen eine kombinierte hormonelle Kontrazeption, sofern die Frau keine Gefäßschäden und keine Hypertonie hat und nicht raucht (8).

Risiken: Knochendichte und Gewicht

Beeinflussen hormonelle Kontrazeptiva den Knochenstoffwechsel? Eine Reihe von Studien aus den letzten Jahren hat die Knochendichte als Surrogat­parameter betrachtet. Ein Cochrane-Review fand keinen Nachweis einer Beeinflussung des Frakturrisikos, jedoch wurde die Qualität der eingeschlossenen Studien lediglich als moderat angesehen.

Eine Ausnahme gilt für Medroxy­progesteronacetat, den Wirkstoff der Dreimonatsspritze: Hier steigt das Frakturrisiko mit der Anwendungsdauer, sodass dieses Verhütungsmittel grundsätzlich nicht als erste Wahl gilt und die Anwendungsdauer so kurz wie möglich sein sollte (14). Dies ist auch angesichts einer häufig auftretenden Zunahme des Körpergewichts sinnvoll.

Mit Ausnahme von Medroxyprogesteronacetat gibt es keine Evidenz für eine Beeinflussung des Körpergewichts durch hormonelle Kontrazeptiva. Umgekehrt beeinflusst ein hohes Körpergewicht nicht grundsätzlich deren Wirksamkeit. Bei Adipositas ab Grad I ist die Datenlage allerdings nicht ganz eindeutig, sodass die Frauen nicht-hormonelle Verhütungsmethoden bevorzugen sollten.

Dagegen gibt es bei der Notfallkon­trazeption (Kasten) Hinweise auf eine verminderte Wirksamkeit bei erhöhtem Körpergewicht, insbesondere für Levonorgestrel. Ab einem Body-Mass-Index über 30 kg/m2 eignet sich eine Kupferspirale besser zur Notfallkontrazeption (8).

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