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Kontrazeption
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Mit allen Mitteln verhüten

Die klassische Antibabypille verliert an Bedeutung. Seit einigen Jahren ist sie nach dem Kondom nur noch das zweit beliebteste Verhütungsmittel. Hinzu kommt: Mit dem Alter der Anwenderin verschiebt sich das Nutzen-Risiko-Verhältnis besonders für kombinierte orale Kontrazeptiva. Das liegt nicht unbedingt nur an der Gestagen-Komponente.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 21.05.2026  07:00 Uhr

76 Prozent der sexuell aktiven Erwachsenen in Deutschland verhüten – so viele wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr. Das geht aus Studienergebnissen hervor, die das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit zuletzt 2024 erhoben hat. Seit mehr als zwanzig Jahren liefert diese repräsentative Wiederholungsbefragung »Verhütungsverhalten« verlässliche Trends zu Einstellungen und Verhalten rund um Sexualität und Kontrazeption. Unter den 18- bis 49-Jährigen verzichten 16 Prozent bewusst auf Verhütung. Als wesentliche Erklärung für einen Verzicht wird vor allem der Kinderwunsch genannt, aber auch eine bestehende Unfruchtbarkeit wird relativ häufig angeführt.

Danach bleibt das Kondom das beliebteste Verhütungsmittel: Es wird von 51 Prozent der Verhütenden eingesetzt – in etwa so viel wie in den Vorjahren. Die Nutzung der Pille ist indes seit 2018 deutlich zurückgegangen; sie wird nur noch von 31 Prozent verwendet. Dies hänge mit einer zunehmend kritischen Haltung zu hormonellen Verhütungsmethoden zusammen, heißt es in der Studie. So stimmten 62 Prozent der Befragten der Aussage zu, die Verhütung mit der Pille oder Hormonen in anderer Form habe »negative Auswirkungen auf Körper und Seele«.

Den höchsten bisher gemessenen Wert verzeichneten die Forscher bei der Anwendung alternativer Methoden. Vor allem die Spirale wird immer häufiger eingesetzt: Inzwischen verhüten 15 Prozent in der Altersgruppe der 26- bis 49-Jährigen mit einer Kupfer- oder einer reinen Gestagen-Spirale – mehr als je zuvor seit Beginn der Erhebungen.

Thromboserisiko im Blick

Medizinisch gesehen steckt hinter »negative Auswirkungen auf Körper und Seele« freilich das erhöhte Thromboserisiko. Vor allem die kombinierten Präparate – also solche, die sowohl eine Estrogen- als auch eine Gestagenkomponente enthalten –, unterscheiden sich abhängig vom enthaltenen Gestagen in ihrem Risiko für venöse Thromboembolien (VTE).

Ein Rote-Hand-Brief von 2014 bestätigte den kombinierten hormonellen Kontrazeptiva insgesamt ein geringes VTE-Risiko. Ein weiterer Rote-Hand-Brief des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte aus dem Jahr 2021 erinnerte die Ärzteschaft daran, bevorzugt Präparate mit dem niedrigsten bekannten VTE-Risiko zu verordnen.

Die Einteilung des Risikos erfolgt in sogenannte VTE-Risikoklassen:

  • Klasse I (niedrigstes Risiko): Levonorgestrel, Norethisteron, Norgestimat
  • Klasse II: Etonorgestrel, Norelgestromin, Chlormadinon in Kombination mit Ethinylestradiol (seit Februar 2024; zum Studienzeitpunkt noch Klasse X/U)
  • Klasse III (höchstes Risiko): Drospirenon, Gestoden, Desogestrel, Dienogest
  • Klasse X/U (Risiko unbekannt): Nomegestrol/Estradiol, Dienogest/Estradiolvalerat, Drospirenon/Estetrol
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