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Kontrazeption
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Mit allen Mitteln verhüten

Die klassische Antibabypille verliert an Bedeutung. Seit einigen Jahren ist sie nach dem Kondom nur noch das zweit beliebteste Verhütungsmittel. Hinzu kommt: Mit dem Alter der Anwenderin verschiebt sich das Nutzen-Risiko-Verhältnis besonders für kombinierte orale Kontrazeptiva. Das liegt nicht unbedingt nur an der Gestagen-Komponente.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 21.05.2026  07:00 Uhr

Verhütung in der Perimenopause

Mit dem Lebensalter der Anwenderin verschiebt sich jedoch das Nutzen-Risiko-Verhältnis besonders für die kombinierten Hormonpräparate, also Pille, Vaginalring und Hormonpflaster. Da das Risiko für Thrombosen sowohl auf der venösen als auch auf der arteriellen Seite ohnehin ab der Lebensmitte steigt, würde durch die kombinierten Hormongaben ein zusätzlicher Risikofaktor geschaffen.

»Alter per se ist keine Kontraindikation für jegliche Art von hormoneller Verhütung. Kommt allerdings ein weiterer Risikofaktor wie Rauchen, Übergewicht, Hypertonie, eine Fettstoffwechselerkrankung oder eine genetische Blutgerinnungsstörung hinzu, wiegt der Faktor Alter schwerer und es kann daraus schnell eine relative oder absolute Kontraindikation für die Kombipräparate entstehen«, erklärte Professorin Dr. Petra Stute vom Inselspital Bern bei einem Webcast des gemeinnützigen Vereins Menoqueens, der sich der Aufklärung rund um das Thema Klimakterium widmet. »Dann könnte bereits vor der Perimenopause die Entscheidung sein, etwa zu einem reinen Gestagen-Präparat zu wechseln.«

Vor allem das synthetische Estrogen Ethinylestradiol steht bei der Nutzen-Risiko-Abwägung für ein Verhütungspräparat im Fokus. »Es verändert die Gerinnung im Blut stärker als die bioidentischen Estrogene Estradiol und Estetrol sowie Gelbkörperhormone. Deshalb stellt man die Frau spätestens mit dem 50. Lebensjahr auf ein Ethinylestradiol freies Verhütungspräparat um oder gleich auf eine Hormonersatztherapie ein. Auch bei einer Frau, die über 40 Jahre alt ist und wieder verhüten möchte, beginnt man nicht mit einer Ethinylestradiol-haltigen Pille.«

Stute berichtete von einer aktuellen Metaanalyse, die die Daten von mehr als 560.000 Frauen beinhaltet. Danach konnten Estradiol-haltige Kombipräparate das VTE-Risiko signifikant um 33 Prozent senken, nach Adjustierung sogar um 49 Prozent im Vergleich zu Ethinylestradiol-haltigen Präparaten.

Ab wann braucht frau keine Verhütung mehr? Gynäkologen empfehlen allgemein eine Kontrazeption bis 55 Jahren.  Zwar sinkt die Fertilität ab 40 deutlich, doch können die Eierstöcke noch bis zur Menopause, der endgültig letzten Periodenblutung, befruchtungsfähige Eizellen produzieren. Stute fasst es so zusammen: »Vor dem 50. Lebensjahr braucht man eine zweijährige Amenorrhö, um sicher auf Verhütung verzichten zu können. Nach 50 sollte die Frau ein Jahr amenorrhöisch sein, um keine Verhütung mehr betreiben zu müssen.«

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