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Hormonelle Kontrazeption
Die Pille wird 60

KOK: ein- bis vierphasig

Die weitaus am häufigsten genutzten KOK sind Einphasenpräparate; das heißt, dass ihre Zusammensetzung über die Einnahmedauer hinweg gleich bleibt. Vorteil ist das einfache Applikationsschema: Auf eine Einnahmedauer von 21 Tagen folgt ein siebentägiges tablettenfreies Intervall mit einer Entzugsblutung (21/7-Schema; Grafik). Da insbesondere die Estrogen-Dosis im Lauf der Jahrzehnte immer weiter gesenkt wurde, ist für die niedrig dosierten Präparate auch die Bezeichnung »Mikropille« gebräuchlich.

Bei einigen neueren Präparaten (zum Beispiel Yaz®) ist das hormonfreie Intervall von sieben auf vier Tage verkürzt (24/4-Einnahmeschema). Als ­Vorteil werden geringere hormonelle Schwankungen und damit positive Wirkungen auf Symptome des Hormonentzugs, zum Beispiel depressive Verstimmung, postuliert (3).

Seltener kommen Mehrphasenpräparate zum Einsatz (Grafik). Bei den Zweiphasenpräparaten (zum Beispiel Biviol®) ist in der ersten Zyklusphase der Estrogen-Anteil höher, in der zweiten Phase dagegen das Gestagen höher dosiert (4). Dieses Verhältnis ist bei den Dreiphasenpräparaten (zum Beispiel Trigoa®) noch weiter an den natürlichen Zyklusverlauf angepasst. Während der Estrogen-Anteil nach fünf ­Tagen zunächst angehoben und in der zweiten Zyklushälfte wieder abgesenkt wird, steigt die Gestagen-Dosis kontinuierlich.

Seit 2009 ist auf dem deutschen Markt zusätzlich ein Vierphasenpräparat verfügbar (Qlaira®). Es enthält statt Ethinylestradiol den Wirkstoff Estradiolvalerat. Im Vergleich zu den dreiphasigen Präparaten ist das Einnahmeschema am Anfang und Ende um jeweils zwei reine Estradiol-Tabletten ­ergänzt. Dies soll die Zyklusstabilität verbessern (5). Doch das kompliziertere Einnahmeschema aufgrund der unterschiedlichen Tabletten kann Fehler bei der Anwendung begünstigen. Um die Einnahmesicherheit zu erhöhen, enthalten viele Präparate Placebo-Tabletten für das hormonfreie Intervall.

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