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Hypertonie
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Die Apotheke als Patienten-Coach

Täglich werden Patienten mit Bluthochdruck in der öffentlichen Apotheke beraten. Auch in Zukunft benötigt diese große Patientengruppe die fachliche Expertise der Apotheker, weil die Therapie komplex ist und ein qualitätsgesichertes Monitoring ein wichtiger Garant der Behandlung ist.
AutorKontaktKatja Renner
Datum 19.03.2026  09:00 Uhr

Medikationsberatung deckt auf

»Können Sie mal über meine Medikamente schauen?« Mit dieser Bitte kommt ein 65-jähriger Patient mit metabolischem Syndrom zur erweiterten Medikationsberatung bei Polymedikation. Er reicht der Apothekerin seinen Medikationsplan (Tabelle 2) und berichtet, dass er seit vier Wochen zusätzlich Ibuprofen 400 mg dreimal täglich gegen seine Rückenschmerzen einnehme. Außerdem möchte er drei Tüten Knusperlakritz kaufen.

Die pDL Blutdruckmessung ergibt einen Wert von 155/85 mmHg. Auf Nachfrage, ob er alle Tabletten wie auf dem Medikationsplan vermerkt einnehme, erklärt er, dass er ab und zu das Bisoprolol weglasse, weil er sich darunter immer etwas gebremst und schwindelig fühle. Auf den ersten Blick könnte bei den gemessenen Blutdruckwerten und den Antihypertensiva auf dem Plan eine therapieresistente Hypertonie vermutet werden. Erst im Gespräch mit dem Patienten werden mehrere Faktoren deutlich, die den Therapieerfolg der Therapie mit Calciumantagonist, RAAS-Hemmer, Betablocker und Spironolacton reduzieren:

  • Non-Adhärenz Betablocker,
  • Interaktion zwischen Antihypertensiva und NSAR über einen längeren Zeitraum und
  • täglicher hoher Konsum von Lakritz als Süßigkeitenersatz.

Die Apothekerin erklärt, wie wichtig die regelmäßige Einnahme der Antihypertensiva zur Blutdruckkontrolle sei, und rät von der übermäßigen Zufuhr von Lakritz ab, da es das blutdrucksteigernde Aldosteron-ähnliche Carbenoxolon enthalte. Außerdem empfiehlt sie die Abklärung der Rückenschmerzen und wenn nötig eine ärztlich verordnete Schmerztherapie alternativ zu Ibuprofen. Sie weist auf sinnvolle Lebensstilmaßnahmen und regelmäßige häusliche Blutdruckselbstmessungen hin. Falls mit diesen Interventionen der Zielwert von unter 130/80 mmHg nicht erreicht werden kann, ist der Arzt zu informieren.

Wirkstoff Dosis pro Tablette Einnahme
morgens mittags abends
Lercanidipin 10 m 1
Dapagliflozin 10 mg 1
Sitagliptin/Metformin 50/1000 mg 1 1
Spironolacton 50 mg 0,5
Atorvastatin 20 mg 1
Bisoprolol 5 mg 1
Candesartan 16 mg 1
Tabelle 2: Medikationsplan eines 65-jährigen Patienten (Beispiel)

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