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Hypertonie
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Die Apotheke als Patienten-Coach

Täglich werden Patienten mit Bluthochdruck in der öffentlichen Apotheke beraten. Auch in Zukunft benötigt diese große Patientengruppe die fachliche Expertise der Apotheker, weil die Therapie komplex ist und ein qualitätsgesichertes Monitoring ein wichtiger Garant der Behandlung ist.
AutorKontaktKatja Renner
Datum 19.03.2026  09:00 Uhr

Patientenbeispiel zur Adhärenzkontrolle

Bei einem Gesundheitstag nimmt eine Frau, 68 Jahre alt, an einer Messung ihres Blutdrucks teil. Die Apothekerin fragt, ob sie Blutdrucktabletten verordnet bekomme. Als Antwort zeigt die Patientin ihre Medikationsliste mit Ramipril 5 mg und HCT 12,5 mg, jeweils eine Tablette am Morgen. Die Messung mitsamt pDL ergibt den Wert 150/90 mmHg.

Daraufhin fragt die Apothekerin, ob und wann sie die Tabletten am Morgen eingenommen habe. Sie habe die Tabletten bereits einige Tage weggelassen, weil der Wert in den vergangenen Wochen immer gut gewesen sei, antwortet die Patientin. Sie glaubt, damit sei eine Einnahme nicht mehr nötig.

Die Apothekerin erklärt ihr, dass die regelmäßige Einnahme der Medikamente wichtig zur Kontrolle des Blutdrucks und die Behandlung vielfach ein Leben lang notwendig sei. Sie müsse sich vorstellen, dass die Tabletten an unterschiedlichen Stellschrauben im Körper den Druck senken, zum einen über eine leichte Entwässerung und zum anderen über Regulationsmechanismen in der Niere. Um die Werte selbst im Blick zu haben, rät die Apothekerin zum Kauf eines Blutdruckmessgeräts, um auch zu Hause von Zeit zu Zeit zu messen.

AMTS im Blick

In der Medikationsberatung bei Polymedikation ist Bluthochdruck bei den meisten Patienten ein Thema. Antihypertensiva finden sich fast immer in der Gesamtmedikation. Zu beachten ist, dass diese jedoch neben der Hypertonie auch bei anderen Erkrankungen, zum Beispiel Herzinsuffizienz, koronarer Herzkrankheit oder Ödemen, indiziert sind. Zu fragen, welche kardiovaskulären Erkrankungen bekannt sind und ob es Arztbefunde dazu gibt, ist sinnvoll, um sich ein umfassendes Bild machen und die Medikation einordnen zu können.

Zur Erfassung von arzneimittelbezogenen Problemen sollten Apotheker die wichtigsten AMTS-Aspekte der gängigen Antihypertensiva-Gruppen kennen (Tabelle 1). Generell können die meisten Antihypertensiva wie RAAS-Hemmer, Betablocker, Thiazid-Diuretika und Calciumantagonisten unabhängig von der Mahlzeit eingenommen werden. Lercanidipin ist eine Ausnahme. Der Calciumantagonist unterliegt einem hohen First-Pass-Effekt, der die Wirkung anfällig für Schwankungen infolge von Nahrungsmittelinteraktionen macht. Die Einnahmehinweise (morgens nüchtern, mindestens 15 Minuten vor der Mahlzeit) sollten dem Patienten sorgfältig und nachdrücklich erklärt werden. Diuretika sollten auf jeden Fall am Vormittag geschluckt werden, da sie bei Einnahme am Abend zu nächtlichem Harndrang führen.

Außerdem sollten Apotheker bei der Medikationsberatung immer nach der Therapietreue fragen. Gerade Diuretika werden oft weggelassen, wenn die Polyurie nicht in den Tagesablauf passt. In der Regel lassen sich im Gespräch mit dem Patienten sinnvolle Lösungen finden.

Wirkstoffklasse Wichtige AMTS-Risiken Klinisch relevante Interaktionen Wichtige Beratungspunkte in der Apotheke
RAAS-Hemmer
(ACE-Hemmer,
AT-1-Hemmer)
Hyperkaliämie, sehr selten Angioödem, Reizhusten
(ACE-Hemmer)
kontraindiziert in der Schwangerschaft
NSAR und Diuretika (Triple Whammy), kaliumsparende Diuretika, Cotrimoxazol, kaliumhaltige Nahrungsergänzungsmittel (Hyperkaliämie) nach NSAR-Selbstmedikation fragen
Calciumkanalblocker Ödeme (Dihydropyridine), Bradykardie (Non-Dihydropyridine), Flush, Migräne CYP3A4-Hemmer (vor allem Amlodipin), Grapefruit Lercanidipin nüchtern einnehmen, Ödeme nicht mit Schleifendiuretika behandeln, ggf. Substanzwechsel
lichtgeschützt lagern
Thiazid-Diuretika Adhärenzprobleme, Elektrolytverschiebungen möglich (Hyponatri-/-kaliämie), Photosensibilisierung, Hyperurikämie Laxanzien, Glucocorticoide, Vitamin D Einnahme morgens, Trinkmenge besprechen, Sonnenschutz empfehlen, Achtung erhöhte Harnsäurewerte
Aldosteron-Antagonisten (Spironolacton, Eplerenon) Hyperkaliämie, Hyponatriämie, endokrine NW unter Spironolacton (Gynäkomastie, Brustspannen) Kaliumpräparate,
ACE-Hemmer/Sartane,
NSAR
kaliumreiche Ernährung ansprechen
Laborkontrollen, ggf. Umstellung auf Eplerenon, wenn Spironolacton nicht vertragen wird
Alphablocker orthostatische Hypotonie, Sturzrisiko, Schwindel Antihypertensiva (additiv) und sedierende Medikamente bevorzugt abendliche Einnahme, langsames Aufstehen, Hinweis auf Sturzprophylaxe, sinnvoll bei gleichzeitiger Prostatahyperplasie
Betablocker Bradykardie, Müdigkeit, Schwindel zu Beginn, Schlafstörungen bei lipophilen Betablockern wie Metoprolol bei abendlicher Einnahme Antidiabetika und Betasympathomimetika, besonders bei kardiounselektiven Betablockern, andere negativ chronotrope Arzneistoffe, zum Beispiel Verapamil oder Acetylcholinesterasehemmer langsam einschleichen, nicht abrupt absetzen
bei Asthma und Diabetes kardioselektive Substanzen bevorzugen
Tabelle 1: AMTS-Aspekte bei Antihypertensiva – Beratung in der Offizin

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