Bei einem Gesundheitstag nimmt eine Frau, 68 Jahre alt, an einer Messung ihres Blutdrucks teil. Die Apothekerin fragt, ob sie Blutdrucktabletten verordnet bekomme. Als Antwort zeigt die Patientin ihre Medikationsliste mit Ramipril 5 mg und HCT 12,5 mg, jeweils eine Tablette am Morgen. Die Messung mitsamt pDL ergibt den Wert 150/90 mmHg.
Daraufhin fragt die Apothekerin, ob und wann sie die Tabletten am Morgen eingenommen habe. Sie habe die Tabletten bereits einige Tage weggelassen, weil der Wert in den vergangenen Wochen immer gut gewesen sei, antwortet die Patientin. Sie glaubt, damit sei eine Einnahme nicht mehr nötig.
Die Apothekerin erklärt ihr, dass die regelmäßige Einnahme der Medikamente wichtig zur Kontrolle des Blutdrucks und die Behandlung vielfach ein Leben lang notwendig sei. Sie müsse sich vorstellen, dass die Tabletten an unterschiedlichen Stellschrauben im Körper den Druck senken, zum einen über eine leichte Entwässerung und zum anderen über Regulationsmechanismen in der Niere. Um die Werte selbst im Blick zu haben, rät die Apothekerin zum Kauf eines Blutdruckmessgeräts, um auch zu Hause von Zeit zu Zeit zu messen.
In der Medikationsberatung bei Polymedikation ist Bluthochdruck bei den meisten Patienten ein Thema. Antihypertensiva finden sich fast immer in der Gesamtmedikation. Zu beachten ist, dass diese jedoch neben der Hypertonie auch bei anderen Erkrankungen, zum Beispiel Herzinsuffizienz, koronarer Herzkrankheit oder Ödemen, indiziert sind. Zu fragen, welche kardiovaskulären Erkrankungen bekannt sind und ob es Arztbefunde dazu gibt, ist sinnvoll, um sich ein umfassendes Bild machen und die Medikation einordnen zu können.
Zur Erfassung von arzneimittelbezogenen Problemen sollten Apotheker die wichtigsten AMTS-Aspekte der gängigen Antihypertensiva-Gruppen kennen (Tabelle 1). Generell können die meisten Antihypertensiva wie RAAS-Hemmer, Betablocker, Thiazid-Diuretika und Calciumantagonisten unabhängig von der Mahlzeit eingenommen werden. Lercanidipin ist eine Ausnahme. Der Calciumantagonist unterliegt einem hohen First-Pass-Effekt, der die Wirkung anfällig für Schwankungen infolge von Nahrungsmittelinteraktionen macht. Die Einnahmehinweise (morgens nüchtern, mindestens 15 Minuten vor der Mahlzeit) sollten dem Patienten sorgfältig und nachdrücklich erklärt werden. Diuretika sollten auf jeden Fall am Vormittag geschluckt werden, da sie bei Einnahme am Abend zu nächtlichem Harndrang führen.
Außerdem sollten Apotheker bei der Medikationsberatung immer nach der Therapietreue fragen. Gerade Diuretika werden oft weggelassen, wenn die Polyurie nicht in den Tagesablauf passt. In der Regel lassen sich im Gespräch mit dem Patienten sinnvolle Lösungen finden.
| Wirkstoffklasse | Wichtige AMTS-Risiken | Klinisch relevante Interaktionen | Wichtige Beratungspunkte in der Apotheke |
|---|---|---|---|
| RAAS-Hemmer(ACE-Hemmer,AT-1-Hemmer) | Hyperkaliämie, sehr selten Angioödem, Reizhusten(ACE-Hemmer)kontraindiziert in der Schwangerschaft | NSAR und Diuretika (Triple Whammy), kaliumsparende Diuretika, Cotrimoxazol, kaliumhaltige Nahrungsergänzungsmittel (Hyperkaliämie) | nach NSAR-Selbstmedikation fragen |
| Calciumkanalblocker | Ödeme (Dihydropyridine), Bradykardie (Non-Dihydropyridine), Flush, Migräne | CYP3A4-Hemmer (vor allem Amlodipin), Grapefruit | Lercanidipin nüchtern einnehmen, Ödeme nicht mit Schleifendiuretika behandeln, ggf. Substanzwechsellichtgeschützt lagern |
| Thiazid-Diuretika | Adhärenzprobleme, Elektrolytverschiebungen möglich (Hyponatri-/-kaliämie), Photosensibilisierung, Hyperurikämie | Laxanzien, Glucocorticoide, Vitamin D | Einnahme morgens, Trinkmenge besprechen, Sonnenschutz empfehlen, Achtung erhöhte Harnsäurewerte |
| Aldosteron-Antagonisten (Spironolacton, Eplerenon) | Hyperkaliämie, Hyponatriämie, endokrine NW unter Spironolacton (Gynäkomastie, Brustspannen) | Kaliumpräparate,ACE-Hemmer/Sartane,NSAR | kaliumreiche Ernährung ansprechenLaborkontrollen, ggf. Umstellung auf Eplerenon, wenn Spironolacton nicht vertragen wird |
| Alphablocker | orthostatische Hypotonie, Sturzrisiko, Schwindel | Antihypertensiva (additiv) und sedierende Medikamente | bevorzugt abendliche Einnahme, langsames Aufstehen, Hinweis auf Sturzprophylaxe, sinnvoll bei gleichzeitiger Prostatahyperplasie |
| Betablocker | Bradykardie, Müdigkeit, Schwindel zu Beginn, Schlafstörungen bei lipophilen Betablockern wie Metoprolol bei abendlicher Einnahme | Antidiabetika und Betasympathomimetika, besonders bei kardiounselektiven Betablockern, andere negativ chronotrope Arzneistoffe, zum Beispiel Verapamil oder Acetylcholinesterasehemmer | langsam einschleichen, nicht abrupt absetzenbei Asthma und Diabetes kardioselektive Substanzen bevorzugen |