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Hypertonie
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Die Apotheke als Patienten-Coach

Täglich werden Patienten mit Bluthochdruck in der öffentlichen Apotheke beraten. Auch in Zukunft benötigt diese große Patientengruppe die fachliche Expertise der Apotheker, weil die Therapie komplex ist und ein qualitätsgesichertes Monitoring ein wichtiger Garant der Behandlung ist.
AutorKontaktKatja Renner
Datum 19.03.2026  09:00 Uhr

Lebensstil in kleinen Schritten ändern

Neben der medikamentösen Therapie sind Änderungen des Lebensstils ein zentraler Pfeiler der Hypertoniebehandlung. Sie sollten präventiv, aber auch therapiebegleitend angestoßen werden. So können Gewichtsreduktion, regelmäßige Bewegung, salzarme Ernährung, Rauchstopp und moderater Alkoholkonsum den Blutdruck signifikant senken.

In der Realität zeigt sich, dass Verhaltensänderungen schwierig umzusetzen sind und dass die Menschen Motivation, Wiederholung und realistische Zielsetzungen benötigen. Hier bietet sich das Konzept der »kleinen Schritte« an – etwa kurze Beratungseinheiten bei erneuten Kontakten mit den Patienten in der Apotheke.

Die Apothekerin nutzt auch bei diesem Patienten die Chance, Hinweise zum Lebensstil zu geben: Stressabbau, Rauchstopp, mehr Bewegung und Umstellung auf mediterrane Kost. Mit diesen Maßnahmen könne er seinen Blutdruck nachhaltig senken, vielleicht sei dann gar kein Medikament nötig. »Untersuchungen haben gezeigt, dass 2,5 Stunden Bewegung pro Woche den systolischen Blutdruck um etwa 5 mmHg senken können.«

An diesem Beispiel wird deutlich, wie einfach es ist, durch gezieltes Nachfragen Risikofaktoren zu erkennen, mithilfe der Messung Menschen mit erhöhten Blutdruckwerten zu identifizieren und eine Empfehlung zu einer rechtzeitigen ärztlichen Abklärung zu geben, um möglicherweise Folgeerkrankungen zu verhindern.

Wann ist Therapie nötig?

Die nationalen und internationalen Leitlinien stimmen überein, dass ein Blutdruckwert über 140/90 mmHg die Diagnose arterielle Hypertonie beschreibt. Die europäischen Leitlinien zur Behandlung des erhöhten Blutdrucks und der Hypertonie differenzieren stärker zwischen Messmethoden und individuellen Risikoprofilen.

Neben der Praxisblutdruckmessung gewinnen die häusliche Blutdruckmessung und die 24-Stunden-Langzeitmessung weiter an Bedeutung. Für die Messung zu Hause gelten niedrigere Grenzwerte als für die Praxis, da man davon ausgeht, dass hier keine »Weißkittelphänomene« auftreten. Bereits Werte ab 135/85 mmHg werden als hyperton eingestuft. Für Apotheker ist dieses Wissen essenziell, um Messergebnisse korrekt einzuordnen und Patienten fundiert zu beraten.

Die Leitlinien empfehlen die Messungen außerhalb der Arztpraxis, zum Beispiel 24-Stunden-Blutdruck-Monitoring (ABPM) und Blutdruck-Selbstmessung (HBPM), zur präzisen Diagnose und für das kontinuierliche Management der Erkrankung. Die europäische Gesellschaft für Kardiologie rät, zur Einleitung einer blutdrucksenkenden Behandlung die Zehn-Jahres-Risikovorhersagemodelle Score2 und Score2-OP (4), kardiovaskuläre Risikofaktoren, Risikomodifikatoren sowie ergänzende Risikoinstrumente wie Biomarker oder bildgebende Verfahren heranzuziehen. Die Beurteilung des individuellen Risikos erfolgt über die Gesamtbetrachtung des kardiovaskulären Risikos, das Blutdruckwerte, Blutzucker, Cholesterol und Lebensstilfaktoren einbezieht.

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