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Hypertonie
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Die Apotheke als Patienten-Coach

Täglich werden Patienten mit Bluthochdruck in der öffentlichen Apotheke beraten. Auch in Zukunft benötigt diese große Patientengruppe die fachliche Expertise der Apotheker, weil die Therapie komplex ist und ein qualitätsgesichertes Monitoring ein wichtiger Garant der Behandlung ist.
AutorKontaktKatja Renner
Datum 19.03.2026  09:00 Uhr

Medikamentöse Therapie

Steht die Entscheidung für eine hypertensive Behandlung, wird leitliniengerecht bevorzugt mit einer Kombination aus zwei Wirkstoffen aus den Gruppen der RAAS-Blocker, Calciumantagonisten vom Dihydropyridin-Typ und Thiazid-artigen Diuretika, meist Hydrochlorothiazid, begonnen. Betablocker sind für den Therapiestart nicht die erste Wahl, wenn keine anderen kardiovaskulären Begleiterkrankungen vorliegen.

In Abhängigkeit von sonstigen Risikofaktoren und Komorbiditäten werden die Wirkstoffe ausgewählt. Beispielsweise kommen RAAS-Hemmer und Calciumantagonisten bevorzugt bei Patienten mit Diabetes oder koronarer Herzkrankheit zum Einsatz.

Eine Monotherapie wird nur Patienten mit erhöhtem Blutdruck (120/70 bis 139/89 mmHg), bei moderater bis schwerer Gebrechlichkeit (frailty), einem Lebensalter über 85 Jahren oder symp-tomatischer Orthostase angeraten. Die Kombinationstherapie hat den Vorteil, dass über den Eingriff in unterschiedliche Regulationsmechanismen des Blutdrucks ein besserer Therapieeffekt erreicht wird. Außerdem weisen die meisten Antihypertensiva einen Ceiling-Effekt auf; dies bedeutet, dass ab einer gewissen Dosis keine zusätzliche Blutdrucksenkung durch Dosissteigerung erzielt wird.

Da Ärzte bei der Verordnung von Kombinationspräparaten gewissen wirtschaftlichen Zwängen unterliegen, verschreiben sie zum Teil auch bei einer Kombitherapie eher zwei Monopräparate. Dies kann im Einzelfall gewünscht sein, um angepasst zu dosieren. In den meisten Fällen gilt jedoch: je mehr Einnahmezeitpunkte und Arzneimittel, desto schlechter die Adhärenz.

Krankheitskonzept erklären

Untersuchungen zeigen, dass das Wissen der Patienten zu Bluthochdruck, Zielwerten, Risikofaktoren und Therapie trotz der weiten Verbreitung der Erkrankung vielfach ungenügend ist. Viele Patienten kennen die Diagnosekriterien und Zielwerte gar nicht. Ein gutes subjektives Befinden führt dazu, dass sie die Notwendigkeit der antihypertensiven Therapie oft nicht einsehen.

Ein Großteil glaubt fälschlicherweise, dass Bluthochdruck Symptome wie Schwindel oder Kopfschmerzen verursacht, und weiß nicht, dass die Erkrankung meist asymptomatisch ist. Außerdem wissen viele nicht, dass Hypertonie nach der Diagnose meist ein Leben lang behandelt werden muss. Während Schlaganfall und Herzinfarkt als Folgen bekannt sind, kennen die meisten das Risiko von Nierenschäden durch Bluthochdruck nicht.

Die mangelnde Therapietreue ist ein häufiges Problem. Gründe für das Absetzen sind das Sichwohlfühlen trotz hoher Blutdruckwerte, Vergesslichkeit oder Nebenwirkungen wie Schwindel und Müdigkeit (5, 6, 7).

Eine Aufgabe in der Apotheke ist es, Patienten über die Krankheit und das Therapiekonzept aufzuklären wie in folgendem Patientenfall.

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