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Digitalisierung

BMG sieht sich als Partner der Apotheker

Wenn es um die Digitalisierung im Gesundheitswesen geht, läuft Deutschland die Zeit davon. Das machte Gottfried Ludewig, Chef der Abteilung Digitalisierung und Innovation im Bundesministerium für Gesundheit (BMG), in seinem Vortrag beim Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbands (DAV) deutlich. Den Weg voller Umbrüche will er mit den Apothekern gemeinsam gehen.
Jennifer Evans
08.05.2019
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Die Rolle des Apothekers wird sich in Zukunft radikal verändern. Heute wisse niemand, wo die Apotheke im Jahr 2030 stehe, betonte Ludewig. Deutlich begegnete in seinem Vortrag der Kritik, das Gesundheitsministerium betrachte Digitalisierung lediglich als Spielzeug. »Nein, wir wollen Medizin besser machen.« Außerdem müsse Deutschland wettbewerbsfähig bleiben. Auf keinen Fall will Ludewig globale Player wie den Versandriesen Amazon das Gesundheitswesen hierzulande regieren lassen. Damit das nicht geschehe, müsse aber schnell etwas passieren, sagte er. Schließlich habe Amazon es bereits in kürzester Zeit geschafft, eine eigene Klinik und eine Krankenversicherung auf die Beine zu stellen.

»Wir brauchen ja nicht immer gleich im ersten Schritt das perfekt durchdachte neue System, sondern ein Modell mit Raum für Innovationen.« Das seien zumindest die Lehren, die er aus den jahrelangen Verzögerungen mit Blick auf die Gematik gezogen hätte. Auch müsse man in Deutschland in Sachen Digitalisierung nicht alles neu erfinden. Im Ausland existierten bereits gute Standards, an die man zunächst anknüpfen könnte. Zentral für das BMG bleibe in der digitalen Entwicklung immer, dass der Patient einen Mehrwert von den Veränderungen hat und diesen auch möglichst schnell nutzen kann.

Daher begrüßt Ludewig ausdrücklich den Vorstoß des DAV, eine eigene digitale Lösung für das E-Rezept zu haben, den der Verband heute in Berlin vorstellte. Dieser Ansatz bietet in Ludewigs Augen genau den angesprochenen Mehrwert. Denn die internationale Erfahrung habe gezeigt, dass die Akzeptanz des E-Rezepts altersunabhängig ist und sich auch in Deutschland dahin entwickeln wird.

Zum Schluss forderte der BMG-Abteilungsleiter die Apotheker ausdrücklich dazu auf, die derzeitige Umbruchsphase zu nutzen. Seiner Auffassung nach ist der Zeitpunkt perfekt, »proaktiv Ideen an das BMG heranzutragen«, um die künftige Rolle der Apotheker mitzugestalten. Insbesondere strebe das Ministerium Lösungen an, die auch in zehn Jahren noch Bestand hätten. Auch versprach er, das BMG werde die Apotheker damit nicht alleine lassen. »Wir sind Partner in diesem Prozess«, so Ludewig. 

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