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Vitamin D

Supplemente für alle?

13.12.2011
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Von Annette Mende / Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) überarbeitet zurzeit ihre Empfehlungen zur Vitamin-D- Zufuhr. Experten sind der Ansicht, dass die Richtwerte deutlich nach oben korrigiert werden müssten. Doch nur über die Nahrung lassen sich die Vorgaben bereits jetzt schwer erfüllen.

200 Internationale Einheiten (IE) oder auch 5 Mikrogramm: So viel Vitamin D sollte man als gesunder Erwachsener laut geltender DGE-Empfehlung täglich zu sich nehmen. Kleinkinder, Senioren und Schwangere brauchen die doppelte Menge. Der Körper benötigt Vitamin D (Colecalciferol) vor allem für den Knochenstoffwechsel: Eine Unterversorgung erhöht das Osteoporoserisiko und kann im Extremfall zu Rachitis und Osteomalazie führen. Daneben mehren sich in den vergangenen Jahren die Studien, deren Ergebnisse dem Colecalciferol Wirkungen jenseits der Knochengesundheit bescheinigen. Demnach erhöht ein ausgeprägter Vitamin-D-Mangel unter anderem das Risiko für Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Multiple Sklerose (lesen Sie dazu auch Vitamin D: Mangel ist weit verbreitet, PZ 16/2011).

 

Fischöl, Eier und Vollmilch

 

Vitamin D steckt vor allem in fettem Fisch und Fischöl sowie in Eiern, Innereien, Käse und Vollmilch. Diese Nahrungsmittel kommen jedoch bei Figurbewussten nicht allzu häufig auf den Teller. Die Folge: Nur eine Minderheit von 18 Prozent der Männer und 9 Prozent der Frauen erreicht in Deutschland die empfohlene tägliche Zufuhr. Das ergab die »Nationale Verzehrsstudie II«, eine repräsentative Untersuchung des Bundesforschungsinstituts für Ernährung und Lebensmittel aus dem Jahr 2008.

Da die Haut Vitamin D unter Sonneneinstrahlung produziert, ist der Körper zur Deckung des Bedarfs nicht allein auf die Nahrung angewiesen. Im Winterhalbjahr ist die durchschnittliche tägliche Sonnendosis aber gering, zumal sich die meisten Menschen während der sonnenintensivsten Stunden des Tages in geschlossenen Räumen aufhalten. Auch im Sommer meiden viele die pralle Sonne, was zwar für die Hautkrebsprävention vorteilhaft ist, für den Vitamin-D-Spiegel jedoch nicht.

 

Erst kürzlich ergab eine im Fachblatt »Cancer Causes Control« publizierte US-amerikanische Untersuchung, dass das Risiko für einen Vitamin-D-Mangel von Hellhäutigen, die sich an schönen Tagen bewusst im Schatten aufhalten oder lange Kleidung tragen, doppelt so hoch ist wie das von hellhäutigen Personen, die die Sonne nicht meiden (doi: 10.1007/s10552-011-9862-0). Als Mangel gelten Werte unter 20 Nanogramm der Speicherform 25-Hydroxy-Vitamin-D pro Milliliter Blut. In der Studie, deren Ergebnisse repräsentativ für die US-Bevölkerung waren, erfüllten 40 Prozent der Teilnehmer dieses Kriterium. Damit sind die Amerikaner zwar nicht gut, aber immerhin noch besser versorgt als die Deutschen: 2008 ergab eine repräsentative Untersuchung, dass hierzulande mehr als die Hälfte der Bevölkerung (57 Prozent der Männer und 58 Prozent der Frauen) einen Vitamin-D-Mangel haben (doi: 10.1038/sj.ejcn.1602825).

 

Neue Empfehlung der DGE

 

Ob eine Anhebung der empfohlenen Richtwerte durch die DGE an dieser Situation etwas ändern wird, ist fraglich. Eine Sprecherin der Gesellschaft erklärte gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung, die neue Empfehlung werde berücksichtigen, dass »die ausreichende Zufuhr mit der Nahrung schwierig« sei und die Menge der Sonneneinstrahlung im Winter oft nicht ausreiche.

 

Mit einer Veröffentlichung der überarbeiteten Empfehlung ist erst im Februar 2012 zu rechnen. Dann wird sich zeigen, ob die tägliche Vitamin-D-Pille sich einen Platz auf dem Speiseplan gesundheitsbewusster Menschen erobert. / 

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