Pharmazeutische Zeitung online
NDR-Bericht

Fälschungen aus der Apotheke

10.08.2010
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Von Daniela Biermann / Am Montagabend berichtete das NDR-Magazin »Markt« über Arzneimittelfälschungen aus norddeutschen Apotheken. Allerdings sind die Fälle längst bekannt. Zudem mischte das Magazin die Vorkommnisse mit dem Thema Fälschungen aus dem Internet.

Arzneimittelfälschungen sind ein ernstes Thema, dass zu Recht immer wieder in den Medien auftaucht. Nicht zuletzt, da die Apothekerorganisationen es selbst in die Öffentlichkeit getragen haben. Beim NDR-Magazin »Markt« war allerdings so einiges durcheinandergeraten. So war bereits vor Ausstrahlung der Sendung bekannt gegeben worden, der NDR habe durch eigene Recherchen herausgefunden, dass gefälschte Medikamente in rund 100 Apotheken bundesweit abgegeben würden. Die Staatsanwaltschaften in Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein würden bereits ermitteln. Ob Patienten zu Schaden gekommen sind, sei noch nicht bekannt.

Wie sich herausstellte, handelte es sich um längst bekannte laufende Verfahren. So sind den Apothekerkammern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg keine neuen Vorfälle bekannt geworden, bestätigten Sprecher der Kammern gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung (PZ). Den Zytostatika-herstellenden Apotheken wird vorgeworfen, in Deutschland nicht zugelassene Arzneimittel zu Infusionslösungen für Krebspatienten verarbeitet zu haben. Die verdächtigten Apotheker sollen die Rezepturen zu deutschen Preisen abgerechnet und damit die Krankenkassen betrogen haben (siehe dazu Zytostatika: Betrugsvorwürfe gegen Apotheker, PZ 16/2010).

 

Zudem habe ein Osnabrücker Unternehmen einen in Deutschland nicht zugelassenen Wirkstoff aus Osteuropa importiert und an Apotheken verkauft. Um was für ein Präparat es sich handelt und wie viele Apotheken betroffen sein sollen, bleibt offen.

 

Ohne Frage ein schweres Vergehen, sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten. »Falls sich herausstellen sollte, dass einzelne Apotheker Medikamente fälschen, muss das hart bestraft werden – bis hin zum Verlust der Berufsgrundlage des Apothekers, der Approbation«, forderte Heinz-Günter Wolf, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, als Reaktion auf die Berichterstattung.

Kommentar

Es ist gut und richtig, dass die Medien das Thema Arzneimittelfälschungen aufgreifen. Den Fälschern, ob Apotheker oder nicht, muss selbstverständlich so schnell wie möglich das Handwerk gelegt werden. Und sie sollten ihre gerechte Strafe bekommen. Die Berichterstattung muss jedoch differenzierter erfolgen und darf nicht die Angst vor etablierten und sicheren Distributionswegen wie den deutschen Präsenz­apotheken schüren.

 

Daniela Biermann

Redaktion PZ

Weiter hieß es im Beitrag, erstmals hätten Fahnder deutsche Keller-Labore ausgehoben, unter anderem in Hessen. Dort sollen unter unhygienischen Bedingungen gefälschte Arzneimittel wie Anabolika, Potenz- und Diätmittel, aber auch Analgetika hergestellt worden sein. Dem Regierungspräsidium in Darmstadt und der Landesapothekerkammer Hessen ist ein solcher Fall jedoch nicht bekannt, stellte sich auf Nachfrage der PZ heraus.

 

Im selben Beitrag berichtete »Markt« dann weiter über Tonnen von gefälschten Arzneimitteln, die per Luftfracht und Containerschiff zunehmend Deutschland erreichen. Hier hieß es immerhin, dass »die größte Gefahr im Internet lauert«. Das Bundeskriminalamt hat im Zeitraum von zwölf Jahren (1996 bis 2008) lediglich 40 Fälle von Arzneimittelfälschungen in der legalen Versorgungskette entdeckt, berichtet die ABDA. »Fälschungen in einer wohnortnahen Apotheke sind die absolute Ausnahme«, so Wolf. / 

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