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Grippeimpfstoff-Lieferung

Überwiegend problemlos

Das Paul-Ehrlich-Institut hat Apotheker und andere Heilberufler aufgerufen, Engpässe bei der Lieferung von Grippeimpfstoffen für die Saison 2018/2019 zu melden. Grund sind Medienberichte über Lieferschwierigkeiten in einzelnen Regionen. Derzeit sieht jedoch alles danach aus, dass die Versorgung fast überall gut funktioniert.
Anna Pannen
01.11.2018
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Es ist das leidige Apotheken-Thema im Herbst: Passt die Zahl der bestellten Grippeimpfstoffe für diese Saison zur Nachfrage der Patienten oder reichen die Vakzine am Ende nicht aus? Rund drei Monate, nachdem das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die ersten Chargen für diese Saison freigegeben hat, gibt es nun erste Schlagzeilen: Die Impfstoffe reichten nicht, heißt es darin. Und die Produktion ruhe schon.

Stimmt das? Eine Nachfrage bei den drei relevanten Herstellern und bei verschiedenen Apothekerverbänden zeigt, dass die Situation derzeit keineswegs so dramatisch ist, wie die aufgeregten Schlagzeilen vermuten lassen. So erklärte etwa Sanofi gegenüber der PZ, man habe alle bestellten Impfstoffdosen planmäßig ausgeliefert und zwar zeitgleich in alle Bundesländer. »Diese können unmöglich bereits alle verbraucht sein«, so eine Sprecherin. Wenn irgendwo nicht genügend Vakzine ankämen, liege dort anscheinend ein Verteilungsproblem vor.

In jenen Bundesländern, in denen die Apothekerverbände Lieferverträge mit der AOK und/oder dem Hersteller Mylan geschlossen haben, scheint es so gut wie gar keine Probleme zu geben. »Hier läuft alles gut«, heißt es etwa aus Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein. Am Anfang habe die Verteilung über den Hersteller nicht überall optimal funktioniert, aber das habe man schnell in den Griff bekommen. Auch in Sachsen-Anhalt gibt es bislang keine Probleme. »Vermutlich haben hier einige Ärzte zu wenig Impfstoff bestellt, um am Ende nicht darauf sitzenzubleiben«, erklärte ein Verbandssprecher. Das könne man aber kaum den Herstellern anlasten.

Der Geschäftsführer des Apothekerverbands Schleswig-Holstein, Thomas Friedrich, vermutet, dass der Impfstoff vielleicht ganz am Ende der Saison knapp werden könnte: »Durch die vielen Grippeerkrankungen in der letzten Saison und die positive Berichterstattung über die neuen tetravalenten Impfstoffe ist die Nachfrage größer als sonst«, sagte er. Die Verbände im Norden hätten vorausschauend etwas mehr Vakzine bestellt, aber wenn jetzt noch Medienberichte dazu kämen, die Lieferengpässe prophezeien, könne es schon sein, dass es am Ende nicht für jeden reiche. Derzeit sei davon aber nichts zu spüren.

Im Bundesland Niedersachsen hat der Verband keinen Vertrag mit Mylan geschlossen. Dort läuft es nicht ganz so ideal, allerdings komme es sehr auf die Region an, erklärte der stellvertretende Vorsitzende des LAV Niedersachsen, Mathias Grau. Im Norden des Bundeslands sei alles in Ordnung, aus der Region um Hannover dagegen berichteten relativ viele Apotheker über Lieferengpässe. Das liege am dortigen Großhandel, der die gekühlten Vakzine nicht unkompliziert über Nacht von einer Filiale in eine andere liefere, um Nachfragen schnell zu bedienen, erklärte Grau. Derzeit könne der Verband deshalb überhaupt nicht abschätzen, wie viele Grippeimpfstoffe in der Region noch auf dem Markt sind oder gelagert werden. Es kämen täglich Anfragen von Apothekern zu dem Thema, mehr als in anderen Jahren.

Bei den offiziellen Stellen ist derzeit allerdings überhaupt nicht von Lieferengpässen die Rede. Ein Blick auf die Homepage des PEI zeigt, dass bis einschließlich Kalenderwoche 43 insgesamt 15,3 Millionen Impfstoffdosen durch das Institut freigegeben wurden. Das sind etwas weniger als in derselben Kalenderwoche in den Vorjahren, was bedeutet, dass noch Freigaben folgen dürften. Die ersten Medienberichte zum Thema Lieferengpässe haben jedoch auch beim PEI schon Wirkung gezeigt: Seit heute verweist das Institut auf seiner Startseite noch einmal deutlich auf die Möglichkeit für Verbraucher und Heilberufler, über den Link https://www.pei.de/DE/arzneimittel/impfstoff-impfstoffe-fuer-den-menschen/lieferengpaesse/verbrauchermeldung/meldung-lieferengpass-node.html mögliche Engpässe zu melden. 

Foto: Shutterstock/Billion Photos

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