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ARZNEISTOFFE

Eslicarbazepinacetat|Zebinix®|15|2009

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STOFFGRUPPE
15 Antiepileptika
WIRKSTOFF
Eslicarbazepinacetat
FERTIGARZNEIMITTEL
Zebinix®
HERSTELLER

Eisai Deutschland

MARKTEINFÜHRUNG (D)
10/2009
DARREICHUNGSFORM

800 mg Tabletten

Indikationen

Zebinix ist zugelassen zur Zusatzbehandlung fokaler epileptischer Anfälle mit oder ohne sekundäre Generalisierung bei Erwachsenen. Es kommt also ausschließlich in Kombination mit anderen Antikonvulsiva zum Einsatz.

Wirkmechanismus

Eslicarbazepin ist wie Carbamazepin und Oxcarbazepin ein Dibenzazepin und stellt die Wirkform des Oxacarbazepin dar. Während aus dem Oxcarbazepin metabolisch nur 80 Prozent des linksdrehenden S-Enantiomer entsteht, wird aus dem Prodrug Eslicarbazepinacetat durch Hydrolyse 95 Prozent des aktiven Metaboliten Eslicarbazepin gebildet. Für die Wirksamkeit ist das Verhältnis der Enantiomeren wichtig, weil die S-Form gegenüber der R-Form kaum verstoffwechselt wird und bevorzugt die Blut-Hirn-Schranke überwindet. Vergleicht man die Dosierungen der drei Stoffe, wird dieser Vorteil allerdings nicht sichtbar. Eslicarbazepin bindet wie erwartet an spannungsabhängige Natriumkanäle, stabilisiert diese in ihrem inaktivierten Zustand und verhindert so wiederholte neuronale Entladungen. Die höchste Plasmakonzentration wird zwei bis drei Stunden nach der Einnahme erreicht, eine Steady-State-Plasmakonzentration vier bis fünf Tage bei einmal täglicher Dosierung.

Anwendungsweise und -hinweise

Patienten nehmen die therapeutische Tagesdosis Eslicarbazepinacetat einmal täglich ein. Die Anfangsdosis beträgt 400 mg. Diese sollte innerhalb von ein bis zwei Wochen auf 800 mg erhöht werden. Je nach individuellem Ansprechen kann der Arzt die Dosis auch auf 1200 mg steigern. Apotheker können bei der Abgabe darauf hinweisen, dass die Einnahme der Tabletten mit oder ohne Nahrung möglich ist.

Wie bei anderen antiepileptischen Arzneimitteln wird auch bei einer Beendigung der Anwendung von Eslicarbazepinacetat eine schrittweise Verringerung der Dosis empfohlen, um ein mögliches Ansteigen der Anfallshäufigkeit zu minimieren.

Wichtige Wechselwirkungen

Eslicarbazepinacetat ist ein schwacher Induktor für CYP-3A4 (Wechselwirkungen unter anderem mit Simvastatin möglich) und UDP-Glukoronyltransferasen  und wirkt inhibierend auf CYP-2C19 (Wechselwirkungen unter anderem mit Phenytoin möglich).


Eslicarbazepinacetat kann die Wirkung von hormonellen Kontrazeptiva verringern. Deshalb wird bei der Anwendung des Antikonvulsivums eine zusätzliche nicht hormonelle Verhütungsmethode empfohlen.

Nebenwirkungen

Bei 45 Prozent der Patienten traten in Studien unter Eslicarbazepinacetat Nebenwirkungen auf. Am häufigsten wurde über Schwindel und Schläfrigkeit berichtet. Vorwiegend traten die Nebenwirkungen in den ersten Behandlungswochen auf.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Eslicarbazepinacetat darf nicht bei Patienten mit atrioventrikulärem Block zweiten oder dritten Grades angewendet werden. Vorsicht ist geboten bei der Behandlung von Über-65-Jährigen und bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion. Die Einnahme des Antiepileptikums wird für Patienten mit schweren Nieren- oder Leberproblemen nicht empfohlen. Gleiches gilt für Unter-18-Jährige.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von Eslicarbazepinacetat wurden in drei randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudien der Phase III belegt. An diesen nahmen mehr als 1000 Patienten mit partieller refraktärer Epilepsie teil. In der Verumgruppe erhielten die Patienten neben einer antikonvulsiven Basistherapie, die aus ein bis drei Antiepileptika bestand, zusätzlich einmal täglich 400, 800 beziehungsweise 1200 mg Eslicarbazepinacetat. Die Kontrollgruppe wurde ausschließlich mit der Basismedikation behandelt. Hauptindikator für die Wirksamkeit war in allen Studien die Verringerung der Anzahl der Anfälle über einen Zeitraum von zwölf Wochen. Das Ergebnis: 800 mg und 1200 mg Eslicarbazepinacetat waren in der Verringerung der Krampfhäufigkeit signifikant wirksamer als Placebo. Während die Patienten zu Beginn der Studie durchschnittlich etwa 13 Anfälle pro Monat hatten, sank dieser Wert in den zwölf Behandlungswochen unter 800 beziehungsweise 1200 mg Eslicarbazepinacetat auf 9,8 beziehungsweise 9 Anfälle pro Monat, unter Placebo dagegen nur auf 11,7 Anfälle. Rund jeder dritte Patient konnte durch die Begleittherapie mit 800 mg oder 1200 mg Eslicarbazepinacetat die Anfallshäufigkeit sogar halbieren (unter Placebo: 19 Prozent der Patienten). Im Anschluss an die doppelblinde Studienphase erhielten die Patienten die Möglichkeit, an einer einjährigen offenen Verlängerungsstudie teilzunehmen. Die Abnahme der Anfälle blieb auch über den Verlauf eines Jahres stabil.

Besonderheiten

Bei der Lagerung von Zebinix sind keine besonderen Bedingungen einzuhalten.
Zebinix ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Eslicarbazepinacetat

Eslicarbazepinacetat

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

eslicarbazepin.wrl

Weitere Hinweise

Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität von Eslicarbazepinacetat gezeigt. Falls Frauen während der Anwendung von Eslicarbazepinacetat schwanger werden oder eine Schwangerschaft planen, sollte eine Anwendung des Arzneimittels gründlich überdacht werden. Es sollten dann nur minimal wirksame Dosierungen eingesetzt werden. Zu berücksichtigen ist auch, dass Antiepileptika zu einem Folsäuremangel beitragen können.


Während einer Behandlung mit Eslicarbazepinacetat sollte das Stillen unterbrochen werden.

Letzte Aktualisierung: 11.09.2015