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ARZNEISTOFFE

Lacosamid|Vimpat®|15|2008

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STOFFGRUPPE
15 Antiepileptika
WIRKSTOFF
Lacosamid
FERTIGARZNEIMITTEL
Vimpat®
HERSTELLER

UCB

MARKTEINFÜHRUNG (D)
09/2008
DARREICHUNGSFORM

50 mg Filmtabletten
100 mg Filmtabletten
150 mg Filmtabletten
200 mg Filmtabletten
15 mg/ml Sirup
10 mg/ml Infusionslösung

Indikationen

Vimpat ist zugelassen zur Zusatzbehandlung (add-on) von Epilepsie-Patienten ab 16 Jahren, die fokale Anfälle mit oder ohne sekundäre Generalisierung haben.

Wirkmechanismus

Lacosamid (früher Harkoseride genannt) ist ein D-Serin-Analogon, das als funktionalisierte Aminosäure bezeichnet wird. Aktiv ist die R(+)-Konfiguration. Das Molekül scheint auf zweifache Weise zu wirken. In-vitro-Studien zur Elektrophysiologie haben gezeigt, dass Lacosamid selektiv die langsame Inaktivierung von Natriumkanälen verstärkt, ohne deren schnelle Deaktivierung zu beeinflussen. Damit soll die pathophysiologische neuronale Übererregbarkeit normalisiert werden, ohne die normale Aktivität der Neuronen zu dämpfen. Des Weiteren bindet der Wirkstoff an Collapsin Response Mediator Protein-2 (CRMP-2). Dieses neuronale Phosphoprotein spielt eine wichtige Rolle bei der Transduktion neurotroper Signale und trägt damit zur Differenzierung von Nervenzellen beziehungsweise zum Auswachsen von Nervenaxonen bei. Diese Wirkungsmechanismen können als neuartig angesehen werden.

Anwendungsweise und -hinweise

Da die Eliminationshalbwertszeit von Lacosamid mit etwa 13 Stunden relativ lang ist, reicht die zweimal tägliche Einnahme von 200 mg, die unabhängig von der Nahrung erfolgen kann. Die Therapie beginnt einschleichend mit zweimal 50 mg täglich und wird schrittweise gesteigert; die empfohlene Tageshöchstdosis liegt bei 400 mg. Wenn nötig, muss das Medikament auch stufenweise ausgeschlichen werden. Ist die perorale Gabe vorübergehend nicht möglich, kann das Medikament infundiert werden. Die Infusionslösung wird unverdünnt über 15 bis 60 Minuten in die Vene getropft. Bei leicht bis mäßig eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion sowie bei älteren Patienten ist keine Dosisanpassung nötig.

Wichtige Wechselwirkungen

Das Wechselwirkungspotenzial von Lacosamid ist gering, da der Wirkstoff CYP-Enzyme nicht beeinflusst und nicht über p-Glykoprotein transportiert wird. In Studien gab es keine pharmakokinetischen Wechselwirkungen mit anderen Antikonvulsiva, zum Beispiel Carbamazepin, Lamotrigin, Valproinsäure und Phenytoin, sowie Arzneistoffen wie Digoxin, Metformin, oralen Kontrazeptiva oder Omeprazol. Dennoch ist Vorsicht geboten bei der Kombination mit Stoffen wie Carbamazepin, Lamotrigin und Pregabalin, da diese ebenso wie Lacosamid bestimmte Aktionspotenziale im EKG (PR-Intervall) verlängern können. Daher müssen die Ärzte auch bei herzkranken Patienten besonders vorsichtig sein, wenn sie Lacosamid einsetzen wollen.

Nebenwirkungen

Viele Patienten in Studien zu Lacosamid berichteten über Nebenwirkungen. Bei fast zwei Drittel der Patienten unter Lacosamid und rund einem Drittel im Placeboarm trat mindestens ein unerwünschtes Ereignis auf. Am häufigsten waren Schwindel, Kopfschmerzen, Fatigue, Übelkeit und Diplopie (Doppeltsehen). 12 Prozent der Studienteilnehmer brachen die Behandlung wegen unerwünschter Arzneimittelwirkungen, vor allem wegen Schwindelgefühl und Übelkeit, ab.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Da Lacosamid bestimmte Aktionspotenziale im EKG (PR-Intervall) verlängern kann, müssen die Ärzte bei herzkranken Patienten besonders vorsichtig sein.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Lacosamid wurde als Add-on-Therapie in drei großen multizentrischen randomisierten Studien mit rund 1300 Teilnehmern untersucht. Die Patienten, die trotz Therapie mit meist zwei bis drei anderen Antikonvulsiva immer wieder Anfälle hatten, erhielten zusätzlich Lacosamid in unterschiedlichen Dosen oder Placebo. Die mediane Anfallshäufigkeit ging in einer Studie signifikant um 40 Prozent unter Lacosamid (400 und 600 mg) zurück, aber nur um 10 Prozent in der Placebogruppe. Bei etwa 40 Prozent halbierte das Verum (400 mg) die Anfallshäufigkeit, unter Placebo erreichten 22 Prozent dieses Zielkriterium.

Besonderheiten

Bei der Lagerung von Vimpat sind keine speziellen Bedingungen einzuhalten.
Vimpat ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Lacosamid

Lacosamid

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Lacosamid.wrl

Weitere Hinweise

Lacosamid darf während einer Schwangerschaft nur eingesetzt werden, wenn dies unbedingt erforderlich ist. Während der Behandlung mit Lacosamid sollte auf das Stillen verzichtet werden.

Letzte Aktualisierung: 30.10.2015