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Neonatologie
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Arzneimittel für Früh- und Neugeborene

Die medizinische Versorgung von Früh- und Neugeborenen zählt zu den komplexesten Aufgaben in der Pädiatrie. Frühzeitiger Therapiebeginn, rationale und sichere Arzneimitteltherapie sowie fundierte Beratung der Eltern und Pflegenden sind essenziell. Eine Herausforderung.
AutorKontaktJulia Haering-Zahn
AutorKontaktAntje Neubert
AutorKontaktMarlene Anna Wagner
Datum 05.10.2025  08:00 Uhr

Infantiles Hämangiom

Das infantile Hämangiom (»Blutschwamm«) ist eine proliferierende ­benigne Gefäßfehlbildung (67). Mit ­einer Inzidenz von 4,5 Prozent gehört es zu den häufigsten vaskulären Malformationen bei Neugeborenen. Mädchen sind etwa dreimal häufiger betroffen als Jungen (68). Zum Zeitpunkt der ­Geburt sind Hämangiome in der Regel schwach ausgeprägt und als Vorläufer erkennbar, in den Tagen danach proliferieren sie und werden deutlicher sichtbar.

Da die Spontanregression bei 85 Prozent liegt, besteht bei unkomplizierter Ausprägung kein Handlungsbedarf (69). Bei komplizierten Fällen, zum Beispiel bei anogenitaler Lokalisation oder im Gesicht, kann eine Therapie indiziert sein (67).

Mittel der Wahl ist der Betablocker Propranolol (67, 70). Der Wirkmechanismus ist nicht vollständig geklärt; man geht von einer Vasokonstriktion und Proliferationshemmung von Endothelzellen aus (71). Die zugelassene Behandlung wird einschleichend mit ­einer Einzeldosis von 1 mg/kg KG/Tag ­begonnen und dann auf 2 bis 3 mg/kg KG/Tag, verteilt auf zwei Einzel­dosen, gesteigert.

Fazit

Neu- und Frühgeborene sind die vulnerabelsten Patienten in der Pädiatrie, deren prophylaktische und therapeu­tische Versorgung essenziell, aber anspruchsvoll ist. Viele Therapien in der Neonatologie bewegen sich im Off-Label-Bereich, weshalb besondere Vorsicht und sorgfältige Überwachung, zum Beispiel durch Therapeutisches Drug Monitoring, erforderlich sind. Für das bestmögliche Outcome ist ein interdisziplinäres Zusammenspiel aller beteiligten Fachgruppen (Apotheker, Ärzte, Pflegekräfte) unerlässlich.

Eine wichtige pharmazeutische Aufgabe ist die Beratung der Eltern zu Standards wie Vitamin-K- und -D-Prophylaxen sowie zu evidenzbasierten leitliniengerechten Therapien, zum Beispiel bei Schmerzen oder Infektions­erkrankungen. Dem direkten Verweis an einen Kinderarzt oder die Klinik bei Anzeichen einer Neugeborenen-Infektion kommt dabei besondere Bedeutung zu.

Daneben können Apotheker Dosierungen auf Plausibilität prüfen. Die ­Datenbank Kinderformularium (www.kinderformularium.de) beinhaltet evidenzbasierte Arzneimittelinformationen ab dem Frühgeborenenalter und ist in Deutschland für alle Angehörigen der Gesundheitsberufe kostenfrei verfügbar (31). Hier findet man Dosierungsempfehlungen im zugelassenen und im Off-Label-Bereich mit Angabe der zugrundeliegenden Literatur. Mit zusätz­lichen Informationen zu Handelsprä­paraten und zur Pharmakokinetik in verschiedenen Altersgruppen bietet die Datenbank eine wichtige Hilfestellung für die pharmazeutische Praxis.

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