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Neonatologie
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Arzneimittel für Früh- und Neugeborene

Die medizinische Versorgung von Früh- und Neugeborenen zählt zu den komplexesten Aufgaben in der Pädiatrie. Frühzeitiger Therapiebeginn, rationale und sichere Arzneimitteltherapie sowie fundierte Beratung der Eltern und Pflegenden sind essenziell. Eine Herausforderung.
AutorKontaktJulia Haering-Zahn
AutorKontaktAntje Neubert
AutorKontaktMarlene Anna Wagner
Datum 05.10.2025  08:00 Uhr

Schmerzen bei Früh- und Neugeborenen

Operationen, Arzneimittelanwendung und Infektionen sind häufige Ursachen von Schmerzen bei Neugeborenen. Zur Behandlung von schwachen bis mittelstarken Schmerzen und Fieber stehen Paracetamol und Ibuprofen zur Verfügung (Tabelle 3). Ibuprofen ist zur Analgesie erst ab dem dritten Lebensmonat zugelassen, Paracetamol ab Geburt. Im stationären Setting kommt bei stärkeren Schmerzen und/oder Fieber teilweise auch Metamizol zum Einsatz (­intravenös ab drei Monaten, oral ab Geburt zugelassen) (38).

Analgetikum Dosierung
Zugelassen ab 0 Jahren
Paracetamol 10 bis 15 mg/kg KG als ED oral/rektal, maximal 60 mg/kg KG/Tag oral/rektal / 7,5 mg/kg KG i.v., maximal 30 mg/kg KG/Tag i.v.
Metamizol 8 bis 16 mg/kg KG als ED oral, maximal 500 mg/Tag
Morphin initial 100 bis 150 µg/kg KG als ED i.v., dann 10 bis 20 µg/kg KG/h als Dauerinfusion
Lidocain/Prilocain bis zu 1 g und 10 cm² für 1 h, maximal eine Einzeldosis in 24 h
Zulassung ab zwei Jahren
Fentanyl 1 bis 10 μg/kg KG als ED i.v., 1 bis 5 μg/kg KG/h als Dauerinfusion
Tabelle 3: Analgesie bei Neugeborenen (12, 14, 31, 39); ED: Einzeldosis

Erste Wahl bei starken Schmerzen sind Opioide in Form einer Dauerinfusion, vorwiegend Morphin und Fentanyl (38). Morphin ist trotz beschränkter Datenlage ab dem Frühgeborenenalter zugelassen. Für Fentanyl gibt es ab zwei Jahren eine Zulassung. Die interindividuelle Variabilität ist bei beiden Wirkstoffen in Abhängigkeit von Gestationsalter und Geburtsgewicht sehr hoch.

Zur lokalen Analgesie bei oberflächlichen Eingriffen stehen Dermatika mit der Wirkstoffkombination Lidocain/Prilocain zur Verfügung (Tabelle 3). Indikationsgebiete sind Blutabnahmen oder das Legen eines venösen Zugangs (12). Bei Frühgeborenen sollte Lidocain/­Prilocain aufgrund des Risikos erhöhter Methämoglobin-Werte nicht angewendet werden (39). Alternativ werden vor schmerzhaften Prozeduren beispielsweise orale Zuckerlösungen (Saccharose oder Glucose) gegeben. Eine verbesserte Wirkung wird in Kombination mit Stillen oder non-nutritivem Saugen (zum Beispiel am Schnuller) ­erreicht (40).

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