Pharmazeutische Zeitung online
Migräne

Welches Triptan für welchen Patienten?

Mit Almotriptan, Naratriptan und Sumatriptan sind inzwischen drei Triptane in engen Grenzen zur Migräne-Behandlung in der Selbstmedikation verfügbar. Welches zum Zuge kommen sollte, entscheidet die Migräne-Charakteristik des Patienten.
Kerstin A. Gräfe
12.05.2021  07:00 Uhr

Migräne-Patienten gehören nicht zuletzt aufgrund der hohen Prävalenz zum alltäglichen Patientenkreis in der Apotheke. Einer Erhebung des Robert-Koch-Instituts zufolge erfüllen 14,8 Prozent der Frauen und 6,0 Prozent der Männer die kompletten Kriterien einer Migräne. Bei der Betreuung und Beratung der Betroffenen ließen sich zwei Kategorien unterscheiden, schreiben Dr. Miriam Ude und Dr. Christian Ude von der Stern-Apotheke in Darmstadt in ihrem Beitrag in der aktuellen Ausgabe der DPhG-Zeitschrift »Pharmakon«.

Zum einen gebe es den Patienten, der an einer ärztlich diagnostizierten Migräne leide und der gegebenenfalls sein Rezept zum Beispiel mit einem darauf verordneten Triptan einlösen möchte. Zum anderen die Hilfesuchenden, die gezielt im Rahmen der Selbstmedikation nach frei verkäuflichen »Kopfschmerz-Migränemitteln« fragten beziehungsweise Symptome einer Migräne schilderten und hierfür ein OTC-Präparat bekommen möchten. Die besondere Herausforderung bestehe darin, unter Beachtung der Grenzen der Selbstbehandlung (»Red Flags«) eine begründete, transparente und evidente Auswahl der verschiedenen möglichen OTC-Optionen, vor allem in Bezug auf die drei verschreibungsfreien Triptane, zu treffen.

Zunächst sollte nach einer bereits in der Anamnese gestellten Migräne-Diagnose gefragt werden. Sollte keine ärztlich gestellte Diagnose vorliegen, kann anhand von gezielten Fragen nach Dauer, Lokalisation, Stärke der Kopfschmerzen sowie Häufigkeit und Begleitbeschwerden geprüft werden, wie wahrscheinlich ein Migräne-Kopfschmerz ist. Eine Diagnose kann und darf natürlich in der Offizin nicht abschließend gestellt werden.

Kontraindikationen und Wechselwirkungen abchecken

Bestätigt der Patient eine Migräne-Diagnose, kann neben Acetylsalicylsäure (900 bis 1000 mg) und Ibuprofen (400 mg) mit Almotriptan, Naratriptan und Sumatriptan auch auf drei Vertreter aus der Gruppe der Triptane zurückgegriffen werden. Bevor eine Empfehlung für einen davon ausgesprochen werden kann, müssen die Kontraindikationen und Arzneimittelinteraktionen ausgeschlossen werden. Eine Triptan-Gabe ist unter anderem kontraindiziert bei Hypertonie, koronarer Herzkrankheit, Myokardinfarkt und peripherer arterieller Verschlusskrankheit, was sich aus der vasokonstriktorischen Wirkung ableitet. Bei den Arzneimittelwechselwirkungen ist vor allem auf die gleichzeitige Anwendung mit serotonergen Wirkstoffen und MAO-Hemmern zu achten. Da Sumatriptan und Almotriptan über das MAO-System metabolisiert werden, führt dessen Hemmung zu einem deutlichen Anstieg der Plasmaspiegel des jeweiligen Triptans. Naratriptan hingegen wird weniger über das MAO-System metabolisiert, was zu keinen klinischen Interaktionen führt.

Auch eine gleichzeitige Therapie mit Mutterkornalkaloiden wie Ergotamintartrat soll nicht erfolgen. Zudem sollte der Patient darüber informiert werden, dass nach Ergotamin-Gabe frühestens nach 24 Stunden das Triptan eingenommen werden kann; umgekehrt kann erst sechs Stunden nach der Triptan-Applikation die Ergotamin-Einnahme erfolgen.

Für die Wahl des am besten geeigneten Triptans ist die Migräne-Charakteristik des Patienten ausschlaggebend. Werden sehr starke und gegebenenfalls eher kurze Attacken beschrieben, ist ein schneller Wirkeintritt wie bei Almotriptan oder Sumatriptan ein größerer Vorteil als eine eher längere Wirkung wie bei Naratriptan. Naratriptan ist hingegen eher für Patienten mit längeren, aber vielleicht nicht ganz so starken Migräne-Attacken die bessere Wahl. Zudem scheint Naratriptan besser geeignet für Patienten zu sein, die unter einer sogenannten Headache Recurrence leiden. Darunter versteht man, dass der Kopfschmerz bei länger andauernden Attacken nach Ende der erfolgreichen pharmakologischen Wirkung eines Migräne-Medikaments wieder auftritt. Sollte es dennoch zu einem erneuten Aufflammen des Kopfschmerzes kommen, kann die jeweils zweite Tablette bei Almo- und Sumatriptan zwei Stunden nach der ersten, bei Naratriptan erst vier Stunden nach der ersten Gabe nachdosiert werden. In allen Fällen dürfen nicht mehr als zwei Tabletten innerhalb von 24 Stunden eingenommen werden.

Seite12>

Mehr von Avoxa