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Landtagswahl 2021

Welche Partei punktet in BaWü bei den Apothekern?

Rund 7,7 Millionen Bürger dürfen in Baden-Württemberg am 14. März ihre Favoriten für den neuen Landtag wählen. Welche Ziele haben die größten Parteien mit Blick auf die Arzneimittelversorgung und der Apotheke-vor Ort? Die PZ hat nachgefragt.
Ev Tebroke
12.03.2021  12:00 Uhr

Am 14. März ist es soweit: Dann können in Baden-Württemberg rund 7,7 Millionen über ihre politischen Vertreter für die nächsten fünf Jahre im Landtag abstimmen. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gibt es in BaWü keine Landeslisten und keine Zweitstimme. Wer in den Landtag einziehen möchte, muss in einem der 70 Wahlkreise also die Direktwahl gewinnen. Damit die Sitzverteilung das Verhältnis der Wahlstimmen für die Parteien abbildet, werden Zweitmandate zugeteilt. Berücksichtigt werden nur Parteien, die über die 5-Prozent-Hürde kommen. Als Favoriten gelten laut Umfrage von infratest dimap (Stand 4.März) erneut die Grünen (33 Prozent) und die CDU (25 Prozent). Die AfD kam zuletzt auf 12 Prozent, die SPD und FDP jeweils auf 10 Prozent, die Linkspartei lag zuletzt bei 4 Prozent. Die restlichen Parteien kamen insgesamt auf 6 Prozent.

Für die Grünen geht erneut der amtierende Ministerpräsident Winfried Kretschmann ins Rennen. Bei der CDU kandidiert die derzeitige Kultusministerin Susanne Eisenmann. Für die AfD stellt sich der AfD-Fraktionsvorsitzende Bernd Gögel zur Wahl. Die SPD setzt ebenfalls auf ihren Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Andreas Stoch. Für die FDP tritt ihr Landtags-Fraktionsvorsitzender Hans-Ulrich Rülke an. Für die Linke kandidiert Sahra Mirow, Landesvorsitzende der baden-württembergischen Linken.

Welche Ziele verfolgen die jeweiligen Parteien hinsichtlich der Arzneimittelversorgung und der Weiterentwicklung der Vor-Ort-Apotheken? Die PZ hat dazu einen Fragenkatalog an die Parteien geschickt. Hier sind die Antworten. 

Das sagen die Grünen: 

In Baden-Württemberg schließen immer mehr Vor-Ort-Apotheken auf dem Land. Was wollen Sie dagegen tun?

Wenn die Apothekenzahl stetig sinkt, wie wollen Sie die Arzneimittelversorgung auf dem Land aufrechterhalten? Welche Konzepte befürworten Sie?

(Gebündelte Antwort)

Für uns Grüne ist klar: Eine patientennahe, flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln durch Apotheken ist unverzichtbar. Leider ist dies in der Fläche nicht überall gegeben. Es besteht also dringender Handlungsbedarf. Es gilt, die Vergütungen und Rahmenbedingungen für Apotheker*innen so zu reformieren, dass eine Versorgung überall sichergestellt ist – in der Stadt genauso wie auf dem Land. Gerade ältere Bürger*innen und akuterkrankte Menschen sind auf eine Apotheke vor Ort angewiesen. Hier muss auf Bundesebene dringend nachjustiert werden, um das Problem an der Wurzel anzugehen. Die Grüne Bundestagsfraktion hat 2019 den Antrag zur »Sicherung einer patientennahen und bedarfsgerechten Arzneimittelversorgung durch Apotheken« gestellt. Darin haben wir Grüne einen umfangreichen Maßnahmenkatalog dargelegt, der eine flächendeckende Apotheken-Versorgung garantieren soll. Dies ist wichtig, da Apotheker*innen als Expert*innen der Arzneimittelversorgung ein deutliches Plus bedeuten – bei der Behandlungsqualität und der Arzneimittelsicherheit. Zudem verhindern Apotheker*innen durch ihre Beratung mögliche Fehlmedikationen. Ein zentraler Vorschlag aus dem Antrag: Die Höhe der packungsabhängigen Vergütung für verschreibungspflichtige Arzneimittel soll an den Umsatz der abgebenden Apotheke gekoppelt werden. Damit wollen wir der Konzentration auf wenige große (Versand-)Apotheken entgegenwirken und kleinere, versorgungsrelevante Apotheken entlasten.

 Gerade in ländlichen Gegenden wird die Vernetzung der Heilberufler immer wichtiger. Welche Vorschläge haben Sie, um diese auszubauen?

Den Vor-Ort-Apotheken fehlt der Nachwuchs. Welche Ideen haben Sie, um die Arbeit in der Offizin attraktiver zu machen?

Wo sehen Sie künftig die Rolle der Vor-Ort-Apotheken in der Arzneimittelversorgung?

(Gebündelte Antwort)

Die politischen Entscheidungen, die für Apotheker*innen relevant sind, werden auf Bundesebene getroffen. Die föderalen Entscheidungskompetenzen können hier aber die Grundlage für bedarfsgerechte Strukturen legen, die auf zukunftsweisende Arbeitsfelder für Apotheker*innen abzielen. In Baden-Württemberg haben wir das bundesweit einmalige und viel beachtete Modellprojekt der »Sektorenübergreifenden Versorgung« umgesetzt. Ziel ist es, die sektorale Trennung schrittweise aufzuheben und die Zusammenarbeit der beteiligten Bereiche besser zu vernetzen. Dazu gehören: Gesundheitsförderung, Prävention, Kuration, Rehabilitation, Pflege, Arzneimittelversorgung sowie gesundheitliche und soziale Versorgung. Durch die engere Vernetzung können wir die gesundheitliche Versorgung der Patient*innen verbessern und unnötige Doppelstrukturen im Gesundheitswesen abbauen. Dadurch schaffen wir in Baden-Württemberg die Grundlage dafür, dass Apotheker*innen mit ihrer Kompetenz stärker in die gesundheitliche Versorgung einbezogen werden. Dies betrifft insbesondere Fragen des Medikationsplans, der Auswahl des Arzneimittels und des Medikationsmanagements, aber auch generelle Fragen zu Prävention und Pharmazeutik. Auf diese Weise schaffen wir weitere Anreize für den Beruf der Apothekerin bzw. des Apothekers und machen ihn attraktiver – mit den Mitteln, die uns im Land zur Verfügung.

Welche weiteren Aufgaben/Dienstleistungen sollten Apotheken in Zukunft übernehmen?

Wir Grüne haben im Land Akzente gesetzt, damit Apotheker*innen im Rahmen der Förderung sektorenübergreifender Strukturen mehr Aufgaben übernehmen. Denn unser Ziel muss es sein, auch in Zukunft eine bedarfsgerechte Patient*innenversorgung zu gewährleisten. Entsprechend brauchen wir diese Expertise – angesichts neuer Therapiemöglichkeiten, der individualisierten Medizin, des steigenden Anteils älterer und chronisch erkrankter Menschen. Darüber hinaus fordern wir Grüne im Bund, die heilberuflichen Kompetenzen der Apotheker*innen gezielter zu honorieren. Wir wollen ihnen eine stärkere Rolle zuschreiben – insbesondere beim Medikationsmanagement von Patient*innen mit chronischen und Mehrfacherkrankungen. Für diese zusätzlichen Dienstleistungen, die über die Abgabe von Arzneimitteln hinausgehen, müssen zusätzliche Finanzmittel bereitgestellt werden.

 Was die Arzneimittelversorgung betrifft, welche Lehren ziehen Sie aus der Corona-Pandemie?

In der Corona-Pandemie sind wir mit einem gewissen Paradox konfrontiert: Einerseits zeigt sich deutlich, dass die Apotheker*innen mit großem Engagement und Einsatz zur Bekämpfung der Pandemie beitragen. Ein flächendeckendes Netz an Apotheken ist in einer solchen gesundheitlichen Krisensituation unerlässlich. Die Bürger*innen haben so einen niederschwelligen Zugang zu Masken, Schnelltests oder Desinfektionsmitteln. Anderseits aber haben in der Corona-Pandemie vor allem Online- und Versandapotheken großen Zulauf. Deshalb ist es wichtig, dass die Bundesregierung die erwähnten Vorschläge zur Reformierung der Vergütungsstrukturen aufgreift. Es gilt, kleinere Apotheken zu stärken. Die Zentralisierung und die Konzentration auf große Versandapotheken dürfen sich durch die Pandemie nicht verschärfen.

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