Verschiedene körperliche Erkrankungen kommen bei Menschen, die an Schizophrenie erkrankt sind, häufiger vor als in der Allgemeinbevölkerung (Tabelle 1).
Die Analyse der somatischen Begleiterkrankungen in der PSY-KOMO-Kohorte mit etwa 1600 Patienten zeigte eine alarmierende Prävalenz (vorgestellt auf dem DGPPN-Kongress in Berlin 2025):
Aufgrund somatischer Komorbiditäten nehmen psychisch erkrankte Menschen häufig viele Medikamente ein. Damit steigt das Risiko für potenzielle Interaktionen. / © Adobe Stock/mizina
Als »Overshadowing« bezeichnet man das Phänomen, dass Symptome einer psychischen Erkrankung die Wahrnehmung und Behandlung anderer gesundheitlicher Probleme überlagern. In der gesundheitlichen Versorgung kann dies dazu führen, dass körperliche Erkrankungen bei psychisch erkrankten Menschen nicht ausreichend erkannt und behandelt werden; dies beeinträchtigt ihre Lebensqualität und gesundheitliche Prognose zusätzlich.
Im klinischen Alltag kann man beobachten, dass beispielsweise höhere HBA1c-Werte toleriert werden, keine lipidsenkende Therapie trotz erhöhter Werte erfolgt, erhöhte Blutdruckwerte nicht direkt zum Ansetzen von Antihypertensiva führen oder COPD nicht behandelt wird – und dies nur, weil der Patient zusätzlich eine psychische Erkrankung hat.
| Betroffene Organe und Systeme | Erkrankungen |
|---|---|
| kardiovaskuläres und metabolisches System | Adipositasarterielle HypertonieDiabetes mellitus Typ 2 mit Folgeerkrankungen wie Polyneuropathie oder NiereninsuffizienzHyperlipidämieHerzinfarkt, Hirninfarkt |
| Tumoren (Folgen erhöhten Substanzkonsums,zum Beispiel Tabak oder Alkohol),fehlende Vorsorgeuntersuchungen | Lunge, MammaKolon, Leber, Pankreashämatopoetisches System |
| Lunge | chronisch-obstruktive Atemwegserkrankung (COPD)Infektionen, zum Beispiel Pneumonie, Tuberkuloseobstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom |
| andere Systeme | Infektionserkrankungen, zum Beispiel Hepatitis, HIVgastrointestinale UlzeraEpilepsieverminderte Zahnhygiene, Karies |