Die Stigmatisierung psychisch erkrankter Menschen im Gesundheitssystem ist ein drängendes Problem, das durch zahlreiche Faktoren verstärkt wird (siehe auch Titelbeitrag).
Mit der Zunahme psychischer Erkrankungen in den letzten Jahren hat sich auch der Umgang mit Psychopharmaka in Apotheken verändert. Häufig erleben Patienten unangenehme Situationen bei der Abgabe ihrer Medikamente, die sowohl durch fehlende Beratung als auch durch »peinliches Schweigen« des pharmazeutischen Personals entstehen. Diese Verhaltensweisen können als Ausdruck stigmatisierender Haltungen gedeutet werden und hemmen die Therapieadhärenz, da Betroffene sich unwohl fühlen und Scham empfinden.
Stigmatisierung (Kasten) wird nicht nur durch offene Ablehnung, sondern auch durch subtile abfällige Bemerkungen zu Medikamenten vermittelt, was beim Patienten zu einem Gefühl der Andersartigkeit und Ablehnung führt. Solche Vorurteile gegenüber Psychopharmaka führen dazu, dass einige Patienten ihre Erkrankung – aus Angst vor Stigmatisierung – verschweigen und lieber auf die notwendige Behandlung und Unterstützung verzichten. Auch verinnerlichte Vorurteile können zu einem geringeren Selbstwertgefühl und zur Abwehr von Hilfsangeboten führen.
Auf diese Weise können Fremd- und Selbststigmatisierung die Gesundheit psychisch erkrankter Menschen negativ beeinflussen. Gezielte Schulung der Heilberufler und eine offene empathische Kommunikation können die Situation erheblich verbessern.
Um eine inklusivere und unterstützende Gesellschaft zu bilden, ist es unerlässlich, bestehende Stigmata zu erkennen und abzubauen, sodass Betroffene eine adäquate medizinische Versorgung und psychologische Unterstützung ohne Scham und Angst in Anspruch nehmen können.

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Der Begriff »Stigmatisierung« bezieht sich auf den Prozess, bei dem Individuen oder Gruppen aufgrund bestimmter Merkmale, Eigenschaften oder Zustände von der Gesellschaft abgelehnt, diskriminiert oder negativ bewertet werden. Diese Merkmale können vielfältig sein, darunter ethnische Herkunft, Geschlecht, sexuelle Orientierung, körperliche oder psychische Gesundheit, religiöse Überzeugungen oder sozioökonomischer Status.
Stigmatisierung führt oft dazu, dass Betroffene als »anders« oder »abweichend« betrachtet werden, was zu Vorurteilen und sozialer Ausgrenzung führt. Dieser Prozess kann erhebliche Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl, die psychische Gesundheit und die Lebensqualität der Personen haben. Die negative Selbstwahrnehmung kann den Zugang zu Ressourcen, Chancen und sozialer Unterstützung beeinträchtigen. Die Sensibilisierung für die schädlichen Auswirkungen von Stigmatisierung ist entscheidend, um eine inklusive und unterstützende Gesellschaft zu fördern.