Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Somatische Komorbidität
-
Warum psychisch Kranke früher sterben

Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen haben ein besonders hohes Risiko für körperliche Leiden wie Diabetes mellitus, Herz-, Gefäß- oder Lungenerkrankungen. Dadurch ist ihre Lebenserwartung deutlich reduziert. Wo liegen die Probleme im Alltag und was können Apothekenteams leisten?
AutorKontaktMartina Hahn
AutorKontaktSibylle C. Roll
Datum 19.04.2026  08:00 Uhr

Stigmatisierung im Gesundheitssystem

Die Stigmatisierung psychisch erkrankter Menschen im Gesundheitssystem ist ein drängendes Problem, das durch zahlreiche Faktoren verstärkt wird (siehe auch Titelbeitrag).

Mit der Zunahme psychischer Erkrankungen in den letzten Jahren hat sich auch der Umgang mit Psychopharmaka in Apotheken verändert. Häufig erleben Patienten unangenehme Situationen bei der Abgabe ihrer Medikamente, die sowohl durch fehlende Beratung als auch durch »peinliches Schweigen« des pharmazeutischen Personals entstehen. Diese Verhaltensweisen können als Ausdruck stigmatisierender Haltungen gedeutet werden und hemmen die Therapieadhärenz, da Betroffene sich unwohl fühlen und Scham empfinden.

Stigmatisierung (Kasten) wird nicht nur durch offene Ablehnung, sondern auch durch subtile abfällige Bemerkungen zu Medikamenten vermittelt, was beim Patienten zu einem Gefühl der Andersartigkeit und Ablehnung führt. Solche Vorurteile gegenüber Psychopharmaka führen dazu, dass einige Patienten ihre Erkrankung – aus Angst vor Stigmatisierung – verschweigen und lieber auf die notwendige Behandlung und Unterstützung verzichten. Auch verinnerlichte Vorurteile können zu einem geringeren Selbstwertgefühl und zur Abwehr von Hilfsangeboten führen.

Auf diese Weise können Fremd- und Selbststigmatisierung die Gesundheit psychisch erkrankter Menschen negativ beeinflussen. Gezielte Schulung der Heilberufler und eine offene empathische Kommunikation können die Situation erheblich verbessern.

Um eine inklusivere und unterstützende Gesellschaft zu bilden, ist es unerlässlich, bestehende Stigmata zu erkennen und abzubauen, sodass Betroffene eine adäquate medizinische Versorgung und psychologische Unterstützung ohne Scham und Angst in Anspruch nehmen können.

Mehr von Avoxa