Ein Großteil der Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen befindet sich in psychopharmakologischer Behandlung. Kombinationstherapien, etwa aus Antidepressiva und Antipsychotika oder Antipsychotika und Stimmungsstabilisierern, sind weitverbreitet.
In einer Analyse von 517 Studien wurde festgestellt, dass etwa ein Fünftel der psychisch erkrankten Personen eine antipsychotische Polymedikation erhielt. Diese war – im Vergleich zur Monotherapie – mit einem erhöhten Risiko für Rückfälle, psychiatrische Krankenhausaufenthalte und schlechtere allgemeine Funktion sowie mit mehr Nebenwirkungen und einem erhöhten Sterberisiko (RR 1,19) verknüpft (15). Zudem erhöhte sie das Risiko für Adipositas (14).
Insgesamt nahm die Prävalenz einer antipsychotischen Polypharmazie von 1970 bis 2023 signifikant zu, insbesondere bei Erwachsenen und stationären Patienten (15). In Deutschland erhalten 51 Prozent der psychiatrisch stationär behandelten Patienten eine solche Polymedikation. Die Analyse von mehr als 47.000 stationären Fällen zeigte, dass im Durchschnitt 6,1 verschiedene Medikamente, darunter 2,7 Psychopharmaka, verschrieben wurden, wobei ein Drittel der Patienten täglich mindestens fünf Medikamente erhielt. Die Polymedikation erhöhte das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen und potenziell unangemessene Medikation bei älteren Patienten. Umso wichtiger ist es, auf Wechselwirkungen und individuelle Arzneimittelkinetik zu achten (16).
Wie Tabelle 2 zeigt, gehören Gewichtszunahme, Puls- und Blutdruckanstieg sowie QTc-Verlängerung zu den Nebenwirkungen vieler Psychopharmaka. Das Monitoring können die Patienten teilweise selbst übernehmen (Gewicht, Blutdruck), kann aber auch in der Apotheke angeboten werden. Zusätzlich sind die Blutzucker- und die Cholesterolmessung in der Apotheke möglich.
Wichtig ist zudem die Adhärenzprüfung, die bei den pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) erfolgen kann. Ebenso kann das Apothekenteam die Patienten an die weiteren Kontrollen beim Arzt erinnern (Blutentnahmen, EKG).
| Arzneimittel | Somatische Nebenwirkung |
|---|---|
| Agomelatin | Transaminasen-Erhöhung |
| Amitriptylin | Gewichtszunahme, kardiale Toxizität, QTc-Verlängerung, Tachykardie |
| Amisulprid | QTc-Verlängerung, Prolaktinanstieg (Krebsvorsorge!) |
| Aripiprazol | Tachykardie, Palpitationen, Blutdruckanstieg |
| Bupropion | Puls- und Blutdruckanstieg |
| Cariprazin | Tachykardie, Hypertonie |
| Citalopram | QTc-Verlängerung, Gewichtszunahme |
| Clozapin | Gewichtszunahme, metabolische Nebenwirkungen, Hyperlipidämie, QTc-Verlängerung |
| Clomipramin | Gewichtszunahme, QTc Verlängerung, Tachykardie |
| Duloxetin | Puls- und Blutdruckanstieg |
| EscitalopramFluoxetin | QTc-Verlängerung |
| FlupenthixolHaloperidol | QTc-Verlängerung, Hyperprolaktinämie |
| LevomepromazinMelperon | Gewichtszunahme, QTc-Verlängerung |
| Milnacipran | Puls- und Blutdruckanstieg |
| Mirtazapin | erhebliche Gewichtszunahme, Puls- und Blutdruckanstieg, QTc-Verlängerung |
| Olanzapin | erhebliche Gewichtszunahme, metabolische Nebenwirkungen, Hyperlipidämie, QTc-Verlängerung |
| Opipramol | Gewichtszunahme, QTc-Verlängerung, Tachykardie |
| Paliperidon | Gewichtszunahme, metabolische Nebenwirkungen, Hyperlipidämie, QTc-Verlängerung, Hyperprolaktinämie |
| Paroxetin | Tachykardie, QTc-Verlängerung |
| PromethazinPerazinQuetiapin | Gewichtszunahme, QTc-Verlängerung, Hypotonie |
| Risperidon | Gewichtszunahme, metabolische Nebenwirkungen, Hyperlipidämie, QTc-Verlängerung, Hyperprolaktinämie |
| Sertindol | hohe Kardiotoxizität, QTc-Verlängerung |
| Tranylcypromin | Puls- und Blutdruckanstieg |
| Trimipramin | Gewichtszunahme, Tachykardie, QTc-Verlängerung |
| Venlafaxin | Gewichtszunahme, QTc-Verlängerung, Puls- und Blutdruckanstieg |
| Ziprasidon | erhöhte Kardiotoxizität, QTc-Verlängerung |
| Zuclopenthixol | Gewichtszunahme, QTc-Verlängerung |