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Expopharm 2026
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Von echten Problemen zu konkreten KI-Lösungen

Wie kann KI sinnvoll in der Apotheke eingesetzt werden? Der Apotheker und KI-Visionär Marc Kriesten zeigte an konkreten Anwendungsfällen, wie KI Wissen verfügbar machen, Prozesse vereinfachen und Freiräume für neue Geschäftsmodelle schaffen kann.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 15.09.2026  16:00 Uhr

»Wir brauchen keine KI-Projekte, wir brauchen Lösungen für echte Probleme.« Davon ist Marc Kriesten, Inhaber der Glückauf-Apotheke in Dinslaken, AByou-Gründungsmitglied und Vorsitzender des Ausschusses für Digitalisierung und Telepharmazie der Apothekerkammer Nordrhein (AKNR), überzeugt.

»In den meisten Apotheken fehlt nicht die Technik. Es fängt nur niemand an«, so Kriesten. Zunächst müsse sich das Apothekenteam fragen: Wer setzt das Thema KI um, und womit fängt man an? In jedem Fall sei es sinnvoll, zunächst konkrete Probleme im Team zu sammeln, zu besprechen und sich zu fragen: »Was nervt euch jeden Tag?«, so Kriesten. Im nächsten Schritt müsse eine verantwortliche Person im Team benannt werden, die Zeit dafür im Dienstplan eingeräumt bekommt, aber nicht zusätzlich zum Tagesgeschäft.

Danach sei es sinnvoll, das größte Ärgernis zuerst zu lösen und dann einfach weiterzumachen. Dem Mitarbeiter oder der Mitarbeiterin müsse für die KI-Projekte ein geschützter Raum zur Verfügung gestellt werden. Beim Thema KI gebe es in jedem Fall zwei Pflichtthemen: Datenschutz und den AI-Act. Dies müsse sauber geklärt, dokumentiert und unterwiesen werden.

Als Herangehensweise an das Thema KI empfiehlt Kriesten, sich nicht zu fragen, was KI kann, sondern man müsse die Frage umdrehen: Was muss eigentlich ein Mensch noch machen? Im Alltag von Apothekerinnen und Apothekern sei es im Kontakt mit den Kundinnen und Kunden unverzichtbar, zu beraten, zuzuhören, Verantwortung zu übernehmen oder Vertrauen aufzubauen. Die KI jedoch könne dabei »Dinge übernehmen, die unwahrscheinlich viel Zeit kosten«, wie etwa strukturieren, suchen, vorbereiten, zusammenfassen oder wiederholen, so Kriesten.

Konkrete Handlungsfälle

Kriesten nennt drei konkrete KI-Handlungsfelder für Apothekerinnen und Apotheker: Wissen skalieren und verfügbar machen, Prozesse verbessern sowie das Thema Geschäftsmodelle. Beim Thema Wissen nutzt Kriesten in seinen Apotheken die KI-Plattform True Plus. Dabei gebe ein digitaler Assistent dem Apotheker oder der Apothekerin eine Antwort auf eine Frage im HV. Am Ende berate der Mensch den Kunden. Er nutze einen Wissensassistenten pro Sortiment. »KI ersetzt nicht unser Wissen. Sie macht es verfügbar«, sagt er.

Der zweite KI-Anwendungsfall, das Vereinfachen von Prozessen, sei in seiner Apotheke inzwischen unverzichtbar. »Wenn ich mir überlege, wie meine Arbeitslast aussieht, würde ich die ohne KI gar nicht mehr schaffen. Im Führungsteam läuft der Kleinkram über KI«, so der Apotheker. »Jede Aufgabe für sich ist eine Kleinigkeit. Zusammen sind sie ein halber Vormittag.« Er nutze beispielsweise ChatGPT für die Formulierung von Kunden-E-Mails oder Anschreiben an Lieferanten oder Ärzte; aber auch Rundschreiben und Entwürfe könne die KI erstellen. Für die Protokollierung von Team-Meetings komme in seiner Apotheke die Fireflies-KI zum Einsatz. Mit der Claude-KI generiere er Webseiten »auf Knopfdruck« oder erstelle Marketingkampagnen für seine Apotheke. »Das ist echte Effizienz«, so Kriesten.

Der dritte Fall sei der eigentliche Nutzen der neu gewonnenen Zeit: die Erschließung neuer Geschäftsmodelle. Weniger Verwaltungsaufgaben und Dokumentation bedeuteten mehr Zeit für pharmazeutische Dienstleistungen, Beratung, Prävention, Impfen, erklärte er. »Vielleicht auch für neue Dienstleistungen, die mit KI generiert werden, wie etwa Blutwerte messen über die Retina im Auge, KI-Hautanalyse oder was demnächst an KI-Modellen verfügbar sein wird, mit denen wir echte Prävention und Diagnostik in der Apotheke machen können.«

Kriesten resümiert: Die Frage sei nicht, ob KI etwas kann, sondern wann ein Mensch übernehmen müsse. »Bei jeder pharmazeutischen Entscheidung. Ohne Ausnahme.«

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