| Paulina Kamm |
| 14.09.2026 16:20 Uhr |
»Wir werden uns mit der Weiterentwicklung unserer Honorierung beschäftigen müssen, damit eben ganz klar die Versorgung vor Ort durch Vor-Ort-Apotheken gestärkt wird«, sagt ABDA-Präsident Thomas Preis. / © PZ / Paulina Kamm
Die Verhandlungen mit den Krankenkassen gehen weiter, auch hinsichtlich der Honorarerhöhung für die Apotheken. ABDA-Präsident Thomas Preis fordert hierbei politische Rückendeckung und Fairness unter den Vertragspartnern. Gegenüber der PZ erklärt er, dass die Verhandlungen nicht nur ökonomische, sondern auch versorgungspolitische Auswirkungen haben müssten: »Es muss gewährleistet sein, dass das Apothekennetz stabil bleibt«, mahnt er. Preis kann sich für strukturschwache Regionen eine pauschale Standortunterstützung vorstellen, wie es bei Kliniken und Praxen bereits der Fall ist.
»Das kann nicht das Ende sein«, sagt Preis zu den bisherigen Honorarentwicklungen. Er verlasse sich allerdings auf die Politik, dass die Stärkung der Vor-Ort-Apotheken im Handlungsfokus stehe. »Die Idee ist natürlich, den Apothekerinnen und Apothekern hier in Deutschland eine Unterstützung im Sinne einer Weiterentwicklung des Honorars zu geben, nicht denjenigen, die den Versorgungsauftrag nicht so wahrhaben wie wir«, sagt Preis mit Blick auf ausländische Versender. ABDA und Deutscher Apothekerverband (DAV) stünden hier in direkter Zusammenarbeit, um der Politik Vorschläge zu unterbreiten, so Preis.
Man setze Hoffnung auf den neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) und auf Unterstützung seitens der EU. »Wir waren zwei Tage in Brüssel und haben die Abgeordneten zum Thema sensibilisiert«, so Preis. Auch dem Verbraucherschutz solle die Patientinnen- und Patientensicherheit ein weitaus wichtigeres Anliegen sein. »Es kann nicht sein, dass Patientinnen und Patienten ungeschützt Medikamente erhalten, die falsch gelagert sind«, beteuert Preis.
Die Apotheken seien bereit, mehr Aufgaben zu übernehmen, so Preis. »In den europäischen Nachbarländern gibt es 47 unterschiedliche Apothekendienstleistungen. Im Schnitt sind es 26 pro Land. Wir waren vor der Apothekenreform weit unter diesen 26«, man befinde sich hier in Deutschland auf Aufholjagd, sagt der ABDA-Präsident. Venöse Blutabnahmen könne sich Preis nach Leitlinienentwicklung und Kursteilnahme für Apothekerinnen und Apotheker vorstellen.
Mit Blick Richtung Ärzteschaft entwarnt Preis, denn er wünsche sich eine »pharmazeutische Betreuung in unseren Apotheken mit fünf Sternen«, keine »Arztpraxis light«. Der Arzt-Apotheken-Vergleich sei für ihn hinfällig, denn er habe hier keine Konkurrenz, sondern das gemeinsame Ziel des Bürgerinnen- und Bürgerwohls im Blick.