| Melanie Höhn |
| 09.09.2026 15:30 Uhr |
(v.l.n.r.): Julia Fischer (Ärztin, Journalistin, Moderatorin und Medfluencerin), Moderatorin Yara Hoffmann, Andreas Arntzen (CEO Wort & Bild Verlag), Eckart von Hirschhausen (Arzt, Moderator, Wissenschaftsjournalist), Anna-Lena von Hodenberg (Mitbegründerin von HateAid) und Klaus Reinhardt (Präsident der Bundesärztekammer) diskutierten über die große Gefahr von KI-Deepfakes im Internet. / © PZ/Melanie Höhn
»Da wird nicht nur ein Gesicht geklaut, da wird Vertrauen geklaut«: So führte Moderatorin Yara Hoffmann in das schwierige Thema KI-Deepfakes ein. »Vertrauen, dass ein Arzt, eine Ärztin, dass Wissenschaftler, Journalisten und Redaktionen teilweise über Jahrzehnte aufgebaut haben. Und am Ende geht es natürlich auch nicht nur um eine Vertrauensfrage, sondern um unsere Gesundheit und im schlimmsten Fall um unser Leben.«
Expertinnen und Experten sowie Betroffene analysierten das Thema KI-manipulierte Inhalte heute bei einer Veranstaltung des Wort & Bild Verlags. Dieser hat gemeinsam mit der Apotheken Umschau die Initiative #StopFakeMeds ins Leben gerufen, um über medizinische Deepfakes und gesundheitsgefährdende Desinformation aufzuklären.
»Wir sprechen nicht über Einzelfälle, sondern über mehr als 100.000 irreführende Anzeigen und Inhalte mit Reichweite von über 100 Millionen Views«, sagte Andreas Arntzen, CEO des Wort & Bild Verlags, Verleger und Tech-Gründer. »Die Entwicklung im Digitalen ist exponentiell und wir können davon ausgehen, dass sich diese Zahlen innerhalb weniger Monate schon verdoppeln.« Arntzen sprach von einem riesigen gesellschaftlichen Problem, das nicht nur gesundheits- sondern auch demokratiegefährdend sei. »Das ist nur der Beginn einer dramatischen Entwicklung und dem müssen wir gegenwirken. Das können wir am besten über Aufklärung und über politischen Druck. Ich glaube, dass Brüssel da einfach aktiv werden muss.«
Laut Verbraucherzentralen nimmt der Betrug durch KI-Deepfake-Videos von Prominenten immer mehr zu. Dabei geht es auch um Werbung für angebliche Medikamente gegen Diabetes, Schwerhörigkeit, Rücken- und Gedächtnisprobleme oder Prostatabeschwerden. Kriminelle setzten gezielt auf bekannte Persönlichkeiten, um Vertrauen zu wecken und Seriosität vorzutäuschen. In vielen Fällen wissen die Prominenten nicht einmal, dass ihr Bild oder ihre Stimme für Deepfakes missbraucht wurde.
Schon im Mai machte Eckardt von Hirschhausen darauf aufmerksam, dass illegale Gesundheitswerbung die Patientensicherheit gefährde und das Vertrauen in medizinische Informationen und in die Demokratie untergrabe. Digitale Plattformen und KI-Technologien beschleunigen die Verbreitung solcher Inhalte. Heute hob er zudem als selbst Betroffener die Dimension des Identitätsmissbrauchs und das dahinterstehende Geschäftsmodell hervor. Nicht nur Gesundheit werde durch die KI-Deepfakes zerstört, sondern in seinem Fall auch seine eigene Identität. Andere würden mit seinem über Jahrzehnte aufgebauten Vertrauen Geschäfte machen. »Und wer mitverdient, sind Meta und Google.«
Als Einzelner sei man relativ chancenlos, so von Hirschhausen. »Die großen Plattformen wären technologisch durchaus in der Lage, das zu stoppen. Sie tun es nicht.« Er wünscht sich, dass das Fälschen von echten Menschen genauso akribisch verboten und verfolgt werde wie das Fälschen von Geldscheinen.