| Melanie Höhn |
| 19.05.2026 13:00 Uhr |
Der Arzt, Wissenschaftsjournalist und Autor Eckart von Hirschhausen ist Opfer von Betrug durch KI-Deepfake-Videos geworden. / © PZ/Höhn
Bei der gestrigen Konferenz »Fakes statt Fakten: Gesundheitswerbung außer Kontrolle?« der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) wurde deutlich, dass unzulässige Gesundheitswerbung im digitalen Raum immer gefährlicher für Verbraucherinnen und Verbraucher wird.
Das Projekt »Faktencheck Gesundheitswerbung« der Verbraucherzentrale NRW hat sich in den vergangenen drei Jahren intensiv mit den Risiken des digitalen Gesundheitsmarktes auseinandergesetzt und über irreführende sowie unzulässige Gesundheits- und Produktwerbung im Internet aufgeklärt. Ein zentraler Bestandteil der Initiative war die direkte Aufklärung und Bearbeitung konkreter Beschwerden aus der Bevölkerung. Tausende Meldungen und Fälle wurden gesammelt und systematisch ausgewertet.
Erst kürzlich warnte die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch vor Behördenversagen bei illegaler Gesundheitswerbung. Der Bundesverband der Verbraucherzentrale fordert schon seit längerem eine stärkere Überwachung von Gesundheitswerbung auf Social Media, insbesondere für Nahrungsergänzungsmittel (NEM). Denn laut einer Umfrage werden diese von 24 Prozent der Befragten als natürliche Arzneimittel wahrgenommen.
»Abmahnen und informieren, das ist die Erfolgsformel des Faktenchecks«, sagte Wolfgang Schuldzinski aus dem Vorstand der Verbraucherzentrale NRW. Seit Projektbeginn seien rund 50 Abmahnungen verschickt, sieben Klageverfahren initiiert und hunderte Medieninterviews geführt worden. Er sprach von einem digitalen Gesundheitsmarkt, der sich rasant verändere und Verbraucherinnen und Verbraucher zunehmend überfordere.
»Gute Gesundheitsinformationen auf statischen Webseiten, die über die Google-Suche abrufbar machen, das reicht heutzutage nicht mehr aus«, betonte Schuldzinski. »Wir wollen und müssen die Verbraucherinnen und Verbraucher dort erreichen, wo sie unterwegs sind und wir müssen schnell auf neue Trends reagieren, sodass es auch für diejenigen passt, die keine vertieften Informationen aufnehmen wollen oder vielleicht auch gar nicht mehr können, sondern nur kurze Videos rezipieren.« Deshalb setzt das Projekt gezielt auf soziale Medien und kurze Videoformate.
Schuldzinski stellte den boomenden Markt unseriöser Gesundheitsangebote in sozialen Netzwerken infrage. Auf Plattformen würden »Dopamin-Patches, Cortisolsenker oder Testosteron-Kapseln aus Fernost« verkauft, ohne dass Herkunft oder Inhaltsstoffe nachvollziehbar seien. Gleichzeitig wachse die Zahl sogenannter »Medfluencer«, die medizinische Inhalte mit kommerziellen Interessen verbinden.« Manche wollten nur eins: Ihre Produkte und Therapien verkaufen, mit Versprechen, die nicht wissenschaftlich belegt und unter Umständen sogar gefährlich sind.«