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Rosacea

Viele Optionen, kein Patentrezept

Nicht-medikamentöse Therapie bei Rhinophym

Auch die Behandlung von Rhinophymen setzt einen erfahrenen Dermatologen voraus. Der Eingriff erfolgt unter Vollnarkose. Knotige Hautveränderungen werden mittels operativer Verfahren wie Kryochirurgie, also lokaler Anwendung mit starker Kälte, Dermashaving mit Skalpell, elektrochirurgischer Abtragung oder ebenfalls Laser behandelt. Die Kryochirurgie bietet sich eher bei oberflächigen Hautveränderungen an. Das Dermashaving, bei dem die Hautverdickungen schichtweise abgetragen werden, hat den Nachteil, dass das behandelte Gebiet stark blutet. Die elektrochirurgische Abtragung kann Hitzenekrosen zur Folge haben (1, 2, 3).

In den 40er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts veröffentlichte der dänische Arzt Paul Sobye Massagemethoden, die Verdickungen des Bindegewebes und Schwellungen lindern und das Hautbild verbessern können. Diese Rosacea-Massage wird oft in Selbsthilfeforen angesprochen. Sie soll den Stoffwechsel anregen und damit Stauungen aufheben und Schwellungen abklingen lassen (3), eignet sich jedoch nur bei Rosacea ohne Entzündungserscheinungen.

Auch wenn erschöpfende Studien zu Erfolgsraten nicht existieren: Da in Patienteninformationen immer wieder auf diese Methode verwiesen wird, soll sie hier mit Blick auf das Beratungsgespräch in der Apotheke nicht unerwähnt bleiben. Voraussetzung für diese Methode ist die Schulung der Patienten durch eine medizinische Kosmetikerin (4, 15, 16).

Hautreinigung und Pflege

Ein angepasster Lebensstil und eine frühe und regelmäßige dermatologische Begleitung können die Gesichtsröte günstig beeinflussen. Ob antiinflammatorisch, antibiotisch oder antimikrobiell: Therapieziel ist die vollständige Erscheinungsfreiheit. Denn der seelische Leidensdruck ist groß. Es liegt im Verantwortungsbereich der Apotheke, noch unbehandelten Patienten zur umgehenden ärztlichen Konsultation zu raten.

Einen großen Beratungsschwerpunkt in der Apotheke bildet unter anderem die richtige Hautreinigung und Pflege. Generell sollte die für Rosacea-Patienten passende Hautpflege mild, lipidarm und möglichst frei von Duft- und Konservierungsstoffen sein. Es gibt von vielen Herstellern Kosmetikserien, die speziell auf diese Patientengruppen zugeschnitten sind. Gegebenenfalls sollte die Pflege per se auch einen Sonnenschutz enthalten. Auf alkohol- und emulgatorhaltige Zubereitungen ist zu verzichten. Mineralöle sollten gemieden werden, da sie zur Okklusion und zum Wärmestau auf der Haut führen können.

Die Reinigung der Haut sollte mit schwach sauren (pH 5,5) oder mizellenhaltigen Zubereitungen einmal täglich erfolgen, wobei die Formulierungen sanft mit lauwarmem Wasser möglichst abgetupft werden müssen. Peelings und durchblutungsfördernde Masken, ein starkes Reiben beim Abtrocknen der Haut, zu heißes oder zu kaltes Wasser sowie Alkohol können die Erythembildung begünstigen und verstärken und sollten gemieden werden. Für Männer birgt die Nassrasur die Gefahr der zusätzlichen Irritation der Haut, auch sollten sie auf Rasierwässer verzichten und milde Balsame nach der Rasur verwenden.

Da auch Kälte Rosacea verschlechtern kann, ist die Anwendung von Kälteschutzcremes sinnvoll, doch muss hier der Okklusionseffekt berücksichtigt werden. Die Schutzcreme muss sofort nach dem Aufenthalt in der Kälte von der Haut abgenommen werden.

Generell gilt, möglichst wenig Zusatzstoffe zu verwenden. Sogenannte Anti-Aging-Produkte, die unter anderem durchblutungsfördernde Wirkstoffe, Vitamine, Fruchtsäuren oder Antioxidanzien enthalten, sollten gemieden werden. Auch Camouflage-Produkte sind problematisch, weil die Hautreinigung aufwendiger ist und zu erneuten Irritationen führen kann.

Rötungen können jedoch mit dekorativer Kosmetik überdeckt werden, für die die gleichen Anforderungen wie für die Hautpflege gelten. Ist eine topische Arzneimitteltherapie notwendig, sollte zunächst das Arzneimittel und nach zehnminütiger Pause das kosmetische Produkt angewendet werden.

Große Bedeutung kommt dem angemessenen Sonnenschutz zu. Sonnenlicht verstärkt das Erkrankungsgeschehen, außerdem erhöhen die bei Rosacea eingesetzten Therapeutika die Photosensibilität der Haut. Sonnenschutz muss zu jeder Jahreszeit erfolgen.

Empfohlen wird ein Lichtschutzfaktor von mindestens 30. Viele kosmetische Pflegeprodukte haben bereits einen Sonnenschutzfilter integriert. Es ist darauf zu achten, dass die oben genannten Kriterien für Pflegeprodukte eingehalten werden. Fluids eignen sich am besten, weil sie nicht wie Gele die Haut austrocknen oder wie Cremes zur Okklusion führen (5, 11, 17, 18).

Nicht nur die genannten Triggerfaktoren, auch bestimmte Nahrungsmittel können das Krankheitsgeschehen forcieren. Dazu zählen zum Beispiel fette Wurstwaren, Süßigkeiten, gesalzene Speisen, Scharfstoffe und sojahaltige Lebensmittel. Darüber hinaus ist es durchaus hilfreich, die Mahlzeiten nicht zu heiß oder zu kalt zu genießen (15, 16). Tabelle 2 zeigt, welche Nahrungsmitteltrigger durch Alternativen ersetzt werden können.

Trigger Alternative
schwarzer Pfeffer weißer Pfeffer
Ingwer Kurkuma
Räucherschinken gekochter Schinken
Parmesan junger Gouda
Radieschen Mairübchen
tierische Fette, Mayonnaise, Sonnenblumenöl Leinöl, Weizenkeimöl, Olivenöl
(gesalzene) Erdnüsse Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse
Tabelle 2: Ausweichmöglichkeiten bei Nahrungsmitteltriggern

Starke Temperaturunterschiede führen schnell zu unerwünschten Rötungen und verstärkten Hauterscheinungen und sollten umgangen werden. Beim Saunabesuch ist es ratsam, zunächst »moderat« einzusteigen. Aufenthalte in der Mittagshitze sollten vermieden werden, ebenso starke Überanstrengungen beim Sport. Gegebenenfalls kann leichte Kleidung hilfreich sein. Auch Räume sollten stets gut durchlüftet werden (15, 16, 19).

Eine Hilfestellung bietet Rosacea-Patienten das Führen eines Tagesbuchs, in dem Lebensumstände (Stress, körperliche Aktivität et cetera), Ernährungsmaßnahmen, Therapiekonzepte und der jeweilige Zustand der Haut registriert werden. Auch können Selbsthilfegruppen und hier unter anderem die Deutsche Rosazea Hilfe e.V. hilfreich sein (15). Hier finden Betroffene neben Hinweisen zur Pathogenese und Therapie auch Anregungen zur Ernährung und zum Stressabbau.

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