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Rosacea

Viele Optionen, kein Patentrezept

Jederzeit aufflammbar

Bei starkem Entzündungsgeschehen und vor allem bei der Bildung von Phymen kommen systemische Behandlungsoptionen in Betracht. In der Therapie werden vor allem Tetracycline und hier insbesondere Doxycyclin und Minocyclin als Vertreter der zweiten Generation mit besserer Bioverfügbarkeit eingesetzt.

Doxycyclin ist in einer speziell für die Indikation Rosacea zugelassenen teilretardierten Darreichungsform als Kapsel auf dem Markt. Die Dosis wird in zwei Teilen in Konzentrationen freigesetzt, die über 24 Stunden einen antiinflammatorischen Plasmawirkspiegel ohne antibakterielle Effekte und somit auch eine bessere Verträglichkeit erzielen.

Die Kapsel wird einmal täglich nüchtern mit einer ausreichenden Menge Wasser eingenommen, um eine gute Resorption zu ermöglichen und ösophagealen Reizungen vorzubeugen. Das Medikament darf nicht bei lebererkrankten Personen und Schwangeren eingesetzt werden. Es ist ab dem zwölften Lebensjahr zugelassen.

Tetracycline können mit starken gastrointestinalen Nebenwirkungen und Photosensitivität einhergehen. Bei ihrer Verabreichung in entsprechender Dosierung muss auch die Gefahr der Resistenzbildung in Betracht gezogen werden.

Hinsichtlich Interaktionen ist besonders bei Kombinationen mit resorptionshemmenden Arzneistoffen, zum Beispiel Antazida oder Eisenpräparaten, verstärkte Aufmerksamkeit erforderlich. Die gleichzeitige Applikation von Isotretinoin wird aufgrund der Gefahr eines möglichen intrakraniellen Liquordruckanstiegs ebenfalls nicht empfohlen. Die Behandlung erfolgt in der Regel über vier Monate, nach vier Wochen Pause kann ein neuer Behandlungszyklus begonnen werden. Als Alternative zu Tetracyclinen kommen auch Makrolide und hier zum Beispiel Azithromycin infrage.

Das auch in der Aknetherapie erfolgreich zum Einsatz kommende Vitamin-A-Säure-Derivat Isotretinoin wird im Off-Label-Use bei schweren papulopustulösen und phymatösen Rosacea-Erscheinungsformen verwendet. Isotretinoin wird niedrig dosiert mit 0,3 mg/kg Körpergewicht über sechs Monate gegeben und kann aufgrund seiner entzündungshemmenden und antiproliferativen Effekte zu einer Reduktion der Papeln und Pusteln und des Nasenvolumens bei Patienten mit Rhinophym führen.

Wie bei der Aknebehandlung ist auch hier die Gewährleistung einer sicheren Kontrazeption bei Frauen im gebärfähigen Alter unabdingbar. Zudem müssen die Blutfettwerte sowie Nieren- und Leberwerte regelmäßig kontrolliert werden. Auch hier gilt das Austrocknen der Haut als eine belastende unerwünschte Arzneimittelnebenwirkung. Besonders beachtet werden muss zudem, dass Isotretinoin nicht gleichzeitig mit oralen Tetracyclinen angewendet wird, da der intrakranielle Druck steigen kann.

Auch Patienten mit Depressionen in der Vorgeschichte sollten, wenn überhaupt, sehr zurückhaltend mit Isotretinoin therapiert werden. Immer wieder kocht die Diskussion hoch, dass es unter der Gabe dieses Wirkstoffs zu neuropsychologischen Veränderungen kommen kann, von denen allerdings nicht bekannt ist, ob sie auf die Hauterkrankung selbst zurückzuführen sind.

Voraussetzung für die Behandlung der Ophthalmorosacea ist eine gute Lidrandhygiene und Behandlung des trockenen Auges mit Tränenersatz, warmen Kompressen und Lidrandmassage. Systemisch wird im Off-Label-Use Doxycyclin einmal täglich über vier bis sechs Wochen gegeben (3, 6).

Lediglich zur Therapie der Rosacea fulminans mit stark ausgeprägter Entzündungsproblematik werden systemisch Glucocorticoide (Prednisolon 20 bis 40 mg) eingesetzt. Nach Rückgang der Entzündung wird mit Isotretinoin für vier bis sechs Monate im Off-Label-Use weiter behandelt (1). Isotretinoin ist, ebenfalls im Off-Label-Use, Mittel der Wahl zudem bei der Therapie der granulomatösen Rosacea.

Eine Steroidrosacea ist vor allem Ursache eines unsachgemäßen Gebrauchs eines topischen Steroids und macht das sofortige Absetzen dieses Steroids erforderlich, was zu einer Verschlechterung des Hautzustandes führen kann. Im Off-Label-Use werden hier Pimecrolimus, Doxycyclin und Isotretinoin angewendet (10). Ob topisch oder systemisch – letztlich muss festgehalten werden: Eine medikamentöse Therapie kann zwar die Erkrankung bessern, jedoch ist es möglich, dass diese jederzeit wieder aufflammen kann.

Stichwort »Alternative Therapieoptionen«: Eine Lasertherapie kann die Gefäßerweiterungen mindern und ablativ auch bei Phymen erfolgreich sein. Eingesetzt werden in der Dermatologie unterschiedliche Laserverfahren, die als gleichermaßen wirksam gelten. Die Therapie sollte allerdings frühzeitig erfolgen. Sie gilt dann als relativ unkompliziert.

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