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Einführung von Laientests

Union will Apotheken-Testzentren erhalten

Immer mehr Apotheker bauen in diesen Wochen größer angelegte Testzentren auf, in denen sie die Bevölkerung mit Antigentests auf das Coronavirus testen. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) will nun dafür sorgen, dass schon bald für einen niedrigen Betrag Laientests in den Markt kommen. Die Gesundheitspolitiker der Unionsfraktion warnen davor, dass Niedrigpreise bei den Laientests die Testaktivitäten der Heilberufler in die Knie zwingen könnten.
Benjamin Rohrer
18.02.2021  13:15 Uhr

Die Bundesregierung will Antigentests auf das Coronavirus in den kommenden Wochen massiv ausweiten. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat dazu kürzlich einen ersten Entwurf einer erneuerten Teststrategie entworfen. Aus Apothekersicht enthält der Plan zwei entscheidende Punkte: Erstens will das Ministerium Ärzte, Zahnärzte, Apotheken und andere heilberufliche Einrichtungen weiterhin dazu animieren, Testzentren zu betreiben, in denen die Heilberufler Antigentests durchführen. Die Betreiber der Zentren sollen für die Durchführung pro Test 9 Euro erhalten, für die Materialkosten weitere 9 Euro. Für die Bürger soll der Test in einem solchen Testzentrum kostenlos verfügbar werden – die Kosten soll der Staat übernehmen.

Gleichzeitig kündigt das BMG aber an, dass schon bald Laientests in den Markt kommen werden. Das BMG erklärt in seinem Entwurf zur neuen Teststrategie, dass man mit den entsprechenden Herstellern schon über die Bestellung von »Mindestmengen« verhandle. Für die Verbraucher sollen die Tests für eine »Eigenbeteiligung« in Höhe von 1 Euro erhältlich sein. Welche Vertriebskanäle das BMG nutzen will, ist im Entwurf nicht erwähnt. Im Zuge der Freigabe von Coronavirus-Antigentests in der Medizinprodukte-Abgabeverordnung (MPAV) hatte das BMG eine mögliche Apothekenpflicht für Laientests allerdings schon abgelehnt.

Maag: Hohes Vertrauen in qualitativ hochwertige, heilberufliche Testung

Mit Blick auf die niedrige Eigenbeteiligung sorgen sich nun Gesundheitspolitiker in der Unionsfraktion, dass die Nutzung der heilberuflichen Testzentren stark abnimmt. Karin Maag, gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, erinnerte gegenüber der PZ daran, dass eine Dokumentation und Nachverfolgung möglicher positiver Tests in Testzentren besser möglich sei – bei Selbsttests nicht. Wörtlich sagte Maag:

»Die zu erwartenden Laientests können ein wichtiges Element dafür sein, in der Pandemie wieder gewisse Freiheiten einzuführen. Der Staat sollte allerdings nicht den Kino- oder Theaterbesuch der Menschen finanzieren – für solche ‚Freitestungen‘ sollen die Tests ja in erster Linie verwendet werden. Der Staat muss allerdings dafür sorgen, dass wichtige, systemrelevante Berufsgruppen wie das Gesundheitspersonal, Lehrer, Erzieher oder auch Polizisten regelmäßig getestet werden. Und da finde ich Testungen bei Heilberuflern wie Ärzten und Apothekern besser, weil bei positiven Fällen besser dokumentiert und somit sichergestellt wird, dass mittels eines PCR-Tests nachgetestet wird. Das Vertrauen in die qualitativ hochwertige Testdurchführung der Gesundheitsberufler ist da einfach hoch. Deswegen möchte ich schon, dass da kein riesiger Preisunterschied ist.«

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