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Calcium und Vitamin D
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»Wo Mangel ist, muss supplementiert werden«

Calcium und Vitamin D schützen nicht vor Knochenbrüchen – so lautet die Botschaft einer aktuellen Metaanalyse. Doch stimmt das wirklich? Im Gespräch mit der PZ erklärt Dr. Friederike Thomasius vom Frankfurter Hormon- und Osteoporosezentrum, wie die Studie zu beurteilen ist und ob sich dadurch etwas in der klinischen Praxis ändert.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 09.06.2026  09:00 Uhr

PZ: Eine kanadische Arbeitsgruppe hat eine Metaanalyse zu der Frage gemacht, ob die Gabe von Calcium, Vitamin D oder deren Kombination Frakturen verhindern kann. Sie kam dabei zu einem negativen Ergebnis. Wie beurteilen Sie die Studienergebnisse?

Thomasius: Regelmäßig kommen negative Ergebnisse bei Metaanalysen zum Nutzen einer Supplementation heraus. Deren Botschaft ist, dass Calcium und Vitamin D zum Schutz vor Knochenbrüchen nichts bringen. Hier reiht sich die im »British Medical Journal« erschienene neue Metaanalyse ein. Wenn man sich die Studie aber genau ansieht, zeigt sie, dass die Einnahme von Calcium oder Vitamin D allein keinen Schutzeffekt hat, die Kombination von beiden aber schon. Und das steht bereits in den Leitlinien, dass nur eine Kombination wirksam ist.

PZ: Ist eine generelle Supplementation sinnvoll oder reicht eine ausgewogene Ernährung?

Thomasius: Eine ausreichende Versorgung mit beiden Substanzen kann man über verschiedene Wege erreichen: bei Calcium über eine calciumreiche Ernährung und bei Vitamin D über die natürliche Sonnenexposition in den Sommermonaten. Während die Vitamin-D-Zufuhr in den Sonnenmonaten gut gesichert ist, trifft das auf die Calciumversorgung weniger zu. Verzehrstudien zeigen klar, dass Menschen in Deutschland durchschnittlich 500 mg Calcium am Tag statt der empfohlenen 1000 mg mit der Nahrung zu sich nehmen. Da muss die Ernährung umgestellt werden. Wenn das nicht gelingt, ist ein Supplement eine große Hilfe. Bei Mangel oder in besonderen Situationen, wenn eine erhöhte Zufuhr nötig ist, ist die Gabe von Calcium und Vitamin D hilfreich und belegt wirksam.

PZ: Die in der Metaanalyse bestimmten protektiven Effekte geben die Autoren als »gering bis nicht vorhanden« an. Wie schätzen Sie diese Schlussfolgerungen ein?

Thomasius: Die Daten werden schlechter interpretiert als sie sind. Die Analyse hat für die Gabe der Kombination im Vergleich zu Calcium plus Placebo oder nur Placebo die vorbeschriebenen relativen, statistisch signifikanten Risikoreduktionen gezeigt – für Hüftfrakturen um 16 Prozent, für jegliche Frakturen um 9 Prozent, für nicht vertebrale Frakturen um 13 Prozent, der Evidenzgrad der bewerteten Studien wird dabei sogar als moderat bis hoch angegeben. Und trotzdem wird im Abstract von geringen bis keinen Effekten gesprochen. Diese Interpretation darf man hinterfragen. Sie beruht auf einer vor Beginn der Analyse von den Autoren festgelegten statistischen Beurteilung der Effekte. Doch auf Bevölkerungsebene bedeuten Effekte in dieser Höhe viele verhinderte Frakturen.

In der Studie wird die absolute Risikoreduktion für Gesamtfrakturen mit 1 Prozent und für Hüftfrakturen mit 0,3 Prozent angegeben. Das sind auf Bevölkerungsebene übertragen wichtige absolute Effekte. In Deutschland haben wir pro Jahr 130.000 bis 160.000 Hüftfrakturen pro Jahr, die pro Fall mindestens 20.000 Euro Folgekosten verursachen. Wenn man nur 0,3 Prozent von diesen verhindert, ist das schon eine Ersparnis von 7,8 bis 9,6 Millionen Euro pro Jahr an direkten Folgekosten. Alle diese Frakturen bringen unglaubliches Leid und Kosten. Auch eine absolute Risikoreduktion um 1 Prozent für Gesamtfrakturen ist auf Bevölkerungsebene viel. Man muss bedenken, dass in Deutschland sechs Millionen Menschen eine verringerte Knochendichte aufweisen.

PZ: Welche Bedeutung haben die Ergebnisse Ihrer Ansicht nach für die klinische Praxis?

Thomasius: Die Daten dürften in der osteologischen Sprechstunde ganz eindeutig keine Veränderungen bewirken, weil sie Personen mit Knochenerkrankungen wie Osteoporose nicht einschließen. Sie ändern auch nichts daran, dass man Risikopersonen mit niedriger Knochendichte und geringer Calciumzufuhr oder Sonnenexposition eine Supplementation empfiehlt. Wo Mangel ist, muss supplementiert werden, und zwar in Kombination. Das gilt nach wie vor.

PZ: Die Studienautoren empfehlen eine Überarbeitung der Leitlinien aufgrund der aktuellen Daten. Wie ist Ihre Ansicht dazu?

Thomasius: Das ist nicht nötig.

PZ: Wie sieht eine gute Osteoporoseprophylaxe aus?

Thomasius: Sie beginnt schon im Kindesalter und ist bestimmt durch ausreichend körperliche Aktivität und eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Ganz essenziell für die Knochengesundheit bei jungen Mädchen und Frauen ist auch ein regelmäßiger Monatszyklus, weil der Knochen Estrogen-reguliert ist. Häufig wird erst ab einem Alter von 50 Jahren auf die Knochengesundheit geschaut, das müsste aber vorher beginnen. Der Muskelabbau beginnt ja schon ab einem Alter von etwa 37 Jahren.

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