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Galle in Aufruhr
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Steine, Stenosen und Zystitis

Die Gallenblase ist ein kleines unscheinbares Hohlorgan, das viele Menschen gar nicht beachten. Etwa 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung spüren in der vierten bis fünften Lebensdekade die Funktion, besser Dysfunktion der Gallenblase und das teilweise sehr akut in Form einer Gallenkolik.
AutorKontaktIlsabe Behrens
Datum 10.03.2024  08:00 Uhr

Wie funktioniert das mit der »Galle«?

Die Gallenflüssigkeit (kurz Galle) wird in der Leber produziert und ist notwendig für die Verdauung von Nahrungsfetten im Darm. Sie besteht aus Gallensäuren, Lecithin, Gallenfarbstoffen und Cholesterol, wobei die Gallensalze die Nahrungsfette emulgieren, in kleine Fetttröpfchen umwandeln und so den Lipasen besser zugänglich machen. Über den Ductus hepaticus communis und den Ductus choledochus gelangt die Galle aus der Blase in das Duodenum (Zwölffingerdarm).

Wenn die Einmündungsstelle des Ductus choledochus in den Zwölffingerdarm durch den Musculus sphinkter ampullae (Musculus sphinkter oddi, Muskelkomplex aus glatter Muskulatur) physiologischerweise verschlossen ist, staut sich die Galle nicht zurück in die Leber, sondern fließt in die Gallenblase und wird dort gespeichert. Die Gallenblase gibt bei Nahrungsaufnahme durch die Kontraktion der Wandmuskulatur die Flüssigkeit wieder ab. Die Kontraktion wird ausgelöst durch das in endokrinen Zellen der Darmwand produzierte Cholecystokinin und über Acetylcholin, das freigesetzt wird, wenn parasympathische Fasern des Nervus vagus angeregt werden. Über den Ductus choledochus wird die eingedickte Gallenflüssigkeit in den Zwölffingerdarm geleitet.

Funktioniert das Zusammenspiel zwischen Leber und Gallenblase nicht, können verschiedene Erkrankungen auftreten, die von harmlos bis lebensbedrohlich reichen:

  • Gallensteine (Cholelithiasis),
  • Gallenblasenentzündung (Cholezystitis, akut und chronisch),
  • biliäre Schmerzen ohne Gallensteine,
  • Verengung mit Entzündung der Gallengänge,
  • sklerosierende Cholangitis,
  • Tumoren der Gallengänge und Gallenblase.

Als Cholelithiasis werden Konkremente in der Gallenblase (Cholezystolithiasis) oder in den angeschlossenen extra- und intrahepatischen Gallengängen (Choledocholithiasis) bezeichnet. Die Größe der Gallensteine variiert von faustgroß bis zu millimeterklein.

Etwa 50 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer haben Gallensteine, wobei die Zahlen je nach Quelle stark differieren. Frauen sind zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer; ab dem 40. Lebensjahr steigt das Risiko deutlich an. Die Steine bleiben meist unbemerkt, da sie zunächst keine Beschwerden verursachen und eher als Zufallsbefund bei einer Sonografie auffallen. Eine Choledocholithiasis entsteht meistens dadurch, dass sich Steine aus der Gallenblase lösen. Seltener bilden sich die Steine direkt im Gallengang, was meistens auf eine Hämolyse zurückzuführen ist.

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