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Perinatale SARS-CoV-2-Infektion
So schützen Corona-infizierte Mütter ihre Neugeboren

Analyse zu Infektionsketten Neugeborener

Die Autoren einer Metaanalyse (DOI: 10.1038/s41467-020-18982-9) aus dem Journal »Nature Communications« berichten, dass von insgesamt 176 untersuchten Fällen, bei denen Neugeborene sich mit SARS-CoV-2 infizierten, die Mehrheit (rund 70 Prozent) der Infektionen nach der Geburt erfolgte. Um die 30 Prozent der Infektionen seien dagegen vermutlich entweder während der Geburt oder bereits im Mutterleib erfolgt. Die Untersuchung belief sich auf Publikationen, die zwischen dem 1. Dezember 2019 und dem 30. August 2020 veröffentlicht worden sind.

55 Prozent der infizierten Säuglinge entwickelten Covid-19. Die klinischen Symptome waren ähnlich zu denen älterer Patienten, einschließlich respiratorischer (52 Prozent der Fälle), fiebriger (44 Prozent) und gastrointestinaler (36 Prozent) sowie neurologischer (18 Prozent) Symptome.

Säuglinge, die mit der Mutter in einem Zimmer untergebracht waren, wiesen offenbar eine höhere Inzidenz von SARS-CoV-2-Infektionen auf, schreiben die Autoren. Geeignete Hygienemaßnahmen und Schutzausrüstungen seien daher wichtig, da diese das Risiko einer Übertragung durch Umweltexposition zu verringern. Die angewendeten Hygienemaßnahmen in den analysierten Publikationen wurden nur inkonsistent und generell in nur wenigen Arbeiten beschrieben. Angesichts der weltweit unterschiedlichen Richtlinien seien spezifische Studien nötig, um zu verstehen, wie idealerweise vorgegangen werden sollte, um einer Infektion vorzubeugen.

Das Stillen sei den Autoren zufolge hingegen nicht mit einer SARS-CoV-2-Infektion assoziiert gewesen. Eine Virusübertragung durch die Milch finde, wenn überhaupt, selten statt. Auch hier seien jedoch weitere Studien erforderlich, um diese Annahme zu bestätigen.

Empfehlungen in Deutschland

Hierzulande gelten seit Anfang Juli aktualisierte Empfehlungen für Schwangerschaft, Entbindung und die Zeit nach der Geburt während der Covid-19 Pandemie. Die Fachgesellschaften für Geburtshilfe, pädiatrische Infektiologie und perinatale Medizin halten es für nicht zwingend erforderlich, gesunde Neugeborene von infizierten Müttern zu trennen. Auch das Stillen wird ausdrücklich befürwortet, sofern adäquate Hygieneregeln eingehalten werden.

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