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Aktualisierte Empfehlungen

Covid-19 in der Schwangerschaft

Mit dem Blick auf drängende Fragen werdender Mütter, junger Eltern sowie von Hebammen und Ärzten in Pandemiezeiten haben die deutschen Fachgesellschaften für Geburtshilfe, pädiatrische Infektiologie und perinatale Medizin ihre im März dieses Jahres erarbeiteten Empfehlungen aktualisiert.
Christiane Berg
09.07.2020  12:00 Uhr
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Die gute Nachricht vorweg: »Derzeit gibt es keine Hinweise für ein höheres Infektionsrisiko mit SARS-CoV-2 in der Schwangerschaft. Schwangere Frauen und ihre neugeborenen Kinder sind nach aktuellem Kenntnisstand nicht in größerer Gefahr als andere Menschen. Eine Übertragung auf das ungeborene Kind ist unwahrscheinlich«, heißt es in dem gemeinsamen Papier, das kürzlich auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) veröffentlicht wurde.

In den letzten Monaten sei das Wissen zum neuen Coronavirus rasant gewachsen. Mehr als 300 Publikationen seien allein zum Thema Schwangerschaft und Covid-19 erschienen. Erste Erkenntnisse zur Prävalenz bei Schwangeren würden zeigen, dass in Hotspot-Regionen wie New York City und London 7 bis 15 Prozent der Schwangeren in Entbindungskliniken zwar SARS-CoV-2 positiv, jedoch zu 89 Prozent asymptomatisch waren.

In Regionen mit vergleichsweise wenigen Covid-19-Erkrankten wie Connecticut (USA) sei im April 2020 bei Schwangeren dagegen nur eine Prävalenz von unter drei Prozent registriert worden. Über 70 Prozent der infizierten Frauen hätten keine Krankheitszeichen aufgewiesen. Die Autoren des Statements betonen, dass erste deutsche Daten im gleichen Zeitraum eine vergleichbar niedrige Prävalenz von 0,6 Prozent beschreiben.

Fieber, Husten, Fatigue und Atemnot: Die für Covid-19 typischen Symptome seien bei Schwangeren in Art und Schwere vergleichbar zu nicht Schwangeren im gebärfähigen Alter. »Schwangere, die an einer Covid-19-Pneumonie erkranken, zeigen ein ähnliches Risiko intensivmedizinischer Versorgungsnotwendigkeit wie gleichaltrige nicht Schwangere«, betonen die Mediziner. Auch wenn schwangere Covid-19 Patientinnen unter anderem mit dem Virostatikum Remdesivir behandelt wurden und werden, existiere derzeit keine spezifische Therapie.

Entbindung

Eine SARS-CoV-2-Infektion oder Covid-19-Erkrankung der werdenden Mutter mache keine vorzeitige Entbindung nötig. Die Wahl des Entbindungsmodus sollte allgemeinen geburtshilflichen Kriterien folgen, wobei generell auch bei Covid-19-Erkrankungen die vaginale Entbindung zu präferieren sei. Die mit 70 bis 96 Prozent überdurchschnittlich hohe Rate an Kaiserschnittentbindungen gerade in der Anfangszeit des Covid-19-Ausbruchs sei vermutlich der zunächst herrschenden Unsicherheit geschuldet gewesen.

Aufgrund des hohen Anteils asymptomatisch infizierter Schwangerer bestehe ein Gefährdungsrisiko auch für das Umfeld sowie das medizinische Personal. Alle Schwangeren zu testen, sei aber nicht nötig. Vor elektiven Eingriffen wie zum Beispiel einem geplanten Kaiserschnittentbindung oder Geburtseinleitung sollte unter Berücksichtigung der jeweiligen epidemiologischen Lage  eine SARS-CoV-2- Testung erfolgen. Eine SARS-CoV-Infektion beziehungsweise Covid-19-Erkrankung stelle keine Kontraindikation zur Regionalanästhesie mittels Periduralkatheter oder Spinalanästhesie dar. Aufgrund möglicher Aerosolbildung werde der Einsatz von Lachgas unter der Geburt hingegen kontrovers diskutiert.

Die Infektion des Kindes im Mutterleib oder während der Geburt gilt derzeit als unwahrscheinlich. Bislang konnte weder in Nabelschnurblut noch in Fruchtwasser oder Vaginalsekreten SARS-CoV-2 nachgewiesen werden, heißt es abschließend in der Stellungnahme. Die Anwesenheit einer gesunden Begleitperson unter der Geburt sei möglich und sinnvoll und werde somit gleichermaßen unterstützt.

Nach der Geburt

Auch die Betreuung im Wochenbett müsse sich an den lokalen und individuellen Gegebenheiten orientieren. Dabei sei es nicht zwingend erforderlich, gesunde Neugeborene von infizierten Müttern zu trennen. Im Gegenteil: Die tatsächliche Gefahr der Erkrankung des Neugeborenen müsse mit Blick auf die Nachteile einer Trennung von Mutter und Kind genau abgewogen werden.

»Hautkontakt ja – Küssen nein«: Auch das Stillen werde ausdrücklich befürwortet, sofern adäquate Hygieneregeln eingehalten werden. Bislang sei das Virus in der Muttermilch einmal in China und jüngst in einem Fall in Deutschland nachgewiesen worden. Weitere Analysen hätten keinen Virusnachweis erbracht.

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