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Vestibuläre Migräne
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Schwindel als Leitsymptom

Wenn sich plötzlich alles dreht, denken die wenigsten an eine Migräne. Dabei kann tatsächlich eine spezielle Kopfschmerz-Variante hinter den wiederkehrenden Schwindelattacken stecken: die vestibuläre Migräne.
AutorKontaktHanke Huber
Datum 16.06.2026  15:00 Uhr

Ähnlichkeit zu Morbus Menière

Die Abgrenzung zum Morbus Menière ist nicht ganz einfach. Beide Erkrankungen verursachen anfallsartige Schwindelbeschwerden, unterscheiden sich jedoch vor allem hinsichtlich der Hörsymptomatik. Während Morbus Menière auf einem Flüssigkeitsstau im Innenohr beruht, handelt es sich bei der vestibulären Migräne um eine neurologische Erkrankung. Bei der vestibulären Migräne bleibt das Hörvermögen meist erhalten oder ist nur vorübergehend leicht beeinträchtigt. Beim Morbus Menière nehmen die Schäden an der Hörschnecke (Cochlea) dagegen typischerweise im Verlauf zu.

Kommt es zusätzlich zum Schwindel auch zu migränetypischen Symptomen wie Photophobie oder Kopfschmerzen, spricht das eher für eine vestibuläre Migräne. Treten dagegen eher progressive Hörstörungen auf, könnte eher ein Morbus Menière zugrunde liegen. Abgesehen davon können auch andere Erkrankungen episodischen Schwindel verursachen, beispielsweise transitorische ischämische Attacken oder Vestibularisparoxysmien (Reizungen des Gleichgewichts- und Hörnervs).

Wer ist betroffen?

Die vestibuläre Migräne betrifft dem Konsensuspapier zufolge etwa 1 bis 3 Prozent der Bevölkerung. Da sie oft nicht erkannt wird, liegt die Dunkelziffer vermutlich höher. Sie tritt bei Frauen deutlich häufiger auf als bei Männern. Besonders häufig manifestiert sich die Erkrankung zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr, grundsätzlich kann sie jedoch in jedem Alter erstmals auftreten. In vielen Fällen besteht bereits seit Jahren eine klassische Migräne, bevor vestibuläre Symptome hinzukommen. Eine langjährige Migräneanamnese gilt daher als wichtiger Risikofaktor.

Was genau die vestibuläre Migräne verursacht, ist noch unbekannt. Eine familiäre Häufung weist jedoch auf genetische Faktoren hin. Als mögliche Auslöser gelten unter anderem Schlafmangel, hormonelle Schwankungen, intensive Licht- oder Geräuschreize sowie bestimmte Gerüche.

Therapie im Akutfall und zur Vorbeugung

Eine ursächliche Heilung der vestibulären Migräne ist nicht möglich. Ziel der Therapie ist es, die Häufigkeit der Attacken zu verringern sowie akute Beschwerden zu lindern. Im Anfall können laut der S2k-Leitlinie »Vestibuläre Funktionsstörungen«, die sich in der Überarbeitung befindet, Antivertiginosa wie Dimenhydrinat oder Cinnarizin eingesetzt werden, insbesondere bei starker Übelkeit. Ergänzend kommen nicht steroidale Antirheumatika oder Analgetika infrage, beispielsweise Ibuprofen, Diclofenac, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure. Bei ausgeprägter Übelkeit können Antiemetika wie Metoclopramid oder Domperidon sinnvoll sein.

Bestehen gleichzeitig migränetypische Kopfschmerzen, können auch Triptane verwendet werden. Für die eigentliche Schwindelsymptomatik scheint ihre Wirkung jedoch begrenzt zu sein. Das zeigt zum Beispiel eine kleine randomisierte Studie, bei der Rizatriptan gegenüber Placebo in der Akutmedikation verglichen wurde. Das Ergebnis: Nach einer Stunde bestand kein Unterschied, nach 24 Stunden hatte das Triptan die Kopfchmerzsymptomatik tendenziell besser reduziert als das Placebo, die Schwindelsymptomatik dagegen nicht (»JAMA Neurology« 2025, DOI: 10.1001/jamaneurol.2025.1006).

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